„Wir lassen nicht locker“

Protestaktionen gegen Südlink sollen 2015 weitergehen

Höher als der Fritzlarer Dom: Die Masten für die geplante Stromtrasse werden etwa 75 Meter hoch sein, so die Bürgerinitiative. Sie werde zwar nicht durch Städte führen, daher diene die Montage mit dem Fritzlarer Dom nur zum Größenvergleich. Foto: BI Gegen die Stromtrasse Südlink Fritzlar-Homberg

Fritzlar-Homberg. Es ist ist in den vergangenen Wochen ruhig geworden um die Bürgerinitiativen gegen die Stromtrasse Südlink. Doch das sei nur eine kurze Verschnaufpause, sagt Bernd Herbold aus Homberg.

Er ist einer der Initiatoren des Widerstands im Schwalm-Eder-Kreis gegen Deutschlands größtes Netzausbau-Projekt. „Wir lassen nicht locker", sagt Herbold.

Die Betreiberfirmen haben konkrete Pläne für die 800 Kilometer lange Südlink-Trasse vorgestellt. Ab 2022 soll sie Windstrom aus dem Norden in den wirtschaftsstarken Süden transportieren - die Trasse soll dann auch durch den Schwalm-Eder-Kreis führen.

Das dritte Treffen des hessischen Landesverbandes der Bürgerinitiativen findet am 14. Januar im Restaurant Stadt Cassel in Homberg statt. 18 Bürgerinitiativen - von Fulda bis Kassel - gehören dem Verband an. „Das ist ein toller Erfolg“, sagt Herbold, denn wichtig sei ein starker, gemeinsamer Auftritt. Deshalb wolle man künftig nicht nur mit noch mehr Bürgerinitiativen kooperieren, sonder auch mit den Landwirten aus der Region. „Auch sie sind direkt betroffen, wenn die Monstertrasse kommt“, sagt Herbold.

Hoffen auf Gehör 

Als nächstes sei damit zu rechnen, dass die Bundesnetzagentur, die sich mit dem über 3000 Seiten starken Antrag der Firma Tennet beschäftige, mit der Antragskonferenz beginne. „Dann werden die Träger öffentlicher Belange mit in die Trassenfindungsdiskussion eingebunden“, sagt Herbold und hofft darauf, dass die Bürgerinitiativen Gehör finden. Herbolds Befürchtung: „Es könnten Verhandlungen zwischen der Bundesnetzagentur und der Betreibergesellschaft Tennet hinter verschlossenen Türen stattfinden.“ Es habe schon im Vorfeld bei vielen Aussagen Deckungsgleichheit gegeben, fügt er an.

Herbold ist davon überzeugt, dass die Politik die Stromtrasse kippen könnte, aber nicht will. Und das trotz der Proteste der Anwohner. „Das ist eine schlimme Geschichte, weil hier über das Volk hinweg entschieden wurde“, sagt Herbold. Das ärgere längst nicht nur ihn, das belege auch die ständig wachsende Zahl der Bürgerinitiativen. Mittlerweile gebe es entlang des Trassenverlaufs über 100 Gruppen. Im Schwalm-Eder-Kreis sei Fritzlar-Homberg der Motor des Protests. 18 Landkreise haben zudem die so genannte Hamelner Erklärung unterzeichnet und damit eingewilligt, den Klageweg zu beschreiten.

Der Widerstand gegen Südlink ist noch vielschichtiger: „50 Bürgermeister aus Nord- und Osthessen haben sich zusammen getan, um juristisch überprüfen zu lassen, ob das Tennet-Verfahren rechtlich korrekt abgelaufen ist“, erklärt Herbold. „Es gab ja ein großes Trassen-Wirrwarr, das für große Verunsicherung gesorgt hat.“ Man wolle jetzt genau wissen, wie es zu Tennets Trassenvorschlägen gekommen sei.

Klage 

Auch soll eine Normenkontrollklage durch die Bürgermeister und Landkreise angestrebt werden, so Herbold. „Man muss das Netzausbaugesetz kritisch hinterfragen. Wir sind der Auffassung, dass es gegen mehrere Gesetze verstößt - auch gegen das Grundgesetz.“

Weitere Demos 

Doch nicht nur juristisch sei man aktiv. Es werde sicher schon im Frühjahr 2015 weitere Demonstrationen und Veranstaltungen geben. „Es ist noch lange nicht Schluss“, sagt Herbold. „Aber ein paar Tage Ruhe tun uns allen gut, und danach starten wir mit neuer Kraft durch.“

Von Maja Yüce

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.