Bestattung

Die Qual der letzten Wahl

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Eine zum Verstorbenen passende Bestattung ist auswählbar: Die Bestatter Ivonne und Gunnar Trus aus Jesberg vermitteln Bestattungen auf Schweizer Almwiesen. Die Asche kann auch in einer 3D-Urne beigesetzt werden. 

Heutzutage hat man zahlreiche Möglichkeiten, Verstorbene zu bestatten. Etwa auf dem Meer oder einer Almwiese. 

Jesberg – Wenn der Verstorbene zeitlebens den Urlaub am Meer verbracht hat, könnten seine Angehörigen ihn auf hoher See bestatten. Für Menschen, die gerne in der Schweiz waren, steht die Beisetzung auf einer blühenden Almwiese zur Wahl. Mit ruhiger Stimme erklärt Ivonne Trus, Bestattermeisterin aus Jesberg, die Optionen alternativer Bestattungsformen. Denn auch bei der letzten Wahl des Lebens hat man die Qual der Wahl.

„Für viele ist es ein mythischer Ort“

„Alternative Bestattungen bieten sich zum Beispiel an, wenn ein freigeistiger Charakter gestorben ist“, sagt ihr Mann Gunnar Trus. Eine traditionelle Bestattung im Sarg würden Angehörige kaum noch wählen. In 90 von 100 Fällen werden Verstorbene in Urnen beigesetzt.

Der Bestattungswald sei ihrer Erfahrung nach die am häufigsten gewählte alternative Bestattungsform. „Im Schwalm-Eder-Kreis wird diese Form bevorzugt, weil hier eher die Nähe zum Wald besteht“, sagt Gunnar Trus. „Für viele ist es ein mythischer Ort.“ Zu beachten sei, dass es zum Beispiel für ältere Witwen schwieriger sein könnte, zu einem Bestattungswald als zum örtlichen Friedhof zu gelangen.

Letzte Ruhe im Meer 

Hin und wieder vermitteln die Jesberger Bestatter auch Seebestattungen an spezialisierte Reedereien. Die Angehörigen fahren mit einem Schiff auf das Meer hinaus. Die Asche des Verstorbenen wird dann in einer Salzurne beigesetzt, die sich im Wasser auflöst. Auf einer Seekarte werden die Koordinaten festgehalten. Seebestattungen sind allerdings nur in bestimmten Senken der Meere erlaubt. 

Bestattung auf See: Auch eine Form des Abschieds.

„Dort darf auch nicht gefischt werden“, sagt Gunnar Trus. Das Ehepaar erinnert sich zum Beispiel an eine von ihnen vermittelte Seebestattung, die vor Indonesien stattfand. Die Angehörigen und ein hinduistischer Priester waren anwesend. Die indonesischen Behörden bestätigten mit einem Schreiben die Urnenbeisetzung.

Seltene Almwiesenbestattungen 

Eine Almwiesenbestattung wurde bisher nur in wenigen Fällen gewünscht, erzählen die Bestatter. Dabei wird die Asche in einen mit Löchern versehenen Behälter gefüllt und bei der Beisetzung auf einer Wiese verstreut. Eine Bestattung in den Niederlanden aus einem Heißluftballon heraus sei bei ihnen bisher nicht gewählt worden.

Im Winde verstreute Asche: Auf Schweizer Almwiesen sind Bestattungen möglich, bei denen die Asche verstreut wird. 

Diamantbestattungen kennt Ivonne Trus nur aus ihrem Frankfurter Ausbildungsbetrieb. Dort habe eine Witwe den Diamanten nach einer Weile zurückgebracht. Sie hatte Angst, die Asche ihres Mannes zu verlieren.

Allerdings ändern sich nicht nur die Bestattungsformen. Auf dem Land sind Trauerfeiern zwar meistens noch traditionell, aber auch hier gebe es Entwicklungen, so Ivonne Trus: „Einige wollen vermehrt eine individuelle Note.“ Zum Beispiel werde ein Lieblingslied des Verstorbenen gespielt. Die Dekoration werde öfters nicht mehr in Schwarz gestaltet, sondern in einer zum Verstorbenen passenden Farbe.

„Es sollte aber zum Verstorbenen passen“

Für die Trauerfeier einer Frau, die gern gehäkelt hatte, waren Häkelnadeln Teil der Dekoration. „Das persönliche Gedenken des Verstorbenen wird in den Gottesdienst eingebettet – früher fand das erst danach statt“, sagt Gunnar Trus. Grund sei, dass kirchliche Vorschriften weniger streng seien.

Besonders ungewöhnlich gestaltete Trauerfeiern machen ihrer Kenntnis nach aber nur fünf Prozent der Bestattungen aus. Dabei wird die Trauerfeier zum Beispiel im Dorfgemeinschaftshaus gefeiert, mit einem weltlichen Redner und in bunter Kleidung. Bei einer Trauerfeier der Jesberger Bestatter gab es direkt im Anschluss Bratwürstchen vom Grill.

Bei einer anderen Beerdigung wurde das Motorrad des Verstorbenen in die Kirche gestellt – die Urne thronte auf dem Sitz. Eine alternativere Trauerfeier bedeute nicht, dass sie weniger feierlich sei, hebt Trus hervor. „Es sollte aber zum Verstorbenen passen.“

VON NATALIE MONTAG

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