AfD ist in fast allen Landtagen vertreten 

Renate Glaser will für die AfD in den Landtag 

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Schätzt die Landschaft ihrer Wahlheimat Niedenstein: Renate Glaser kommt gerne zum Hessenturm. Dort erhält man einen guten Blick über den Tellerrand, wie die 57-Jährige sagt.

Niedenstein. Renate Glaser ist Direktkandidatin der AfD. Ihr Mann ist nicht nur Bundestagsabgeordneter, sondern Gründungsmitglied der "Alternative für Deutschland". 

Eigentlich hatte Renate Glaser nie vor, in eine Partei einzutreten. Jetzt steht sie kurz vor dem Einzug in Hessens größtes Parlament. „Wir kommen rein“, sagt sie lächelnd, ihre Stimme klingt ruhig, lässt keinen Hauch eines Zweifels. Die AfD ist bislang in allen Landtagen, außer in Hessen und Bayern, vertreten. Diese Wahl ist bedeutend, dessen ist sich die 57-Jährige bewusst.

„Ich war politisch immer wach“, sagt Renate Glaser und betont: Ihr Mann ist nicht der Grund für ihr politisches Engagement. Sie ist mit dem Bundestagsabgeordneten Albrecht Glaser verheiratet, einem Gründungsmitglied der umstrittenen Partei.

Im Hause Glaser werde jedoch nicht von morgens bis abends über Politik diskutiert. „Unsere größte Krise dreht sich um die Toastbrotverpackung“, sagt Renate Glaser und lacht. Sie drehe die Tüte einfach zu, ihr Mann dagegen bestehe auf Verschlussstreifen. Der Liebe wegen sei sie aus Karlsruhe nach Kassel und schließlich nach Niedenstein gezogen. In Kassel hat die Kauffrau bei einem Architekturbüro gearbeitet. Am meisten an ihrer Wahlheimat gefalle ihr die Natur. „Die Landschaft ist der Wahnsinn.“ Am liebsten verbringt sie Zeit mit ihrem Sohn, geht wandern und reiten.

Mit 43 hat sie ihr erstes Kind bekommen. Seitdem kümmert sie sich um Haus und Hof, etwa um den Hund, die Gänse und Hühner. Was ihr Sohn von ihren politischen Ambitionen halte? „Wir haben einen Deal“, sagt Glaser schmunzelnd. „Wenn ich in den Landtag komme, bekommt er sein erstes Quad.“

Inklusion ist kein Allheilmittel

Ihr 13-jähriger Sohn komme für sie an erster Stelle. „Als Landtagsabgeordnete würde mir noch genug Zeit für meine Familie bleiben.“ Auch politisch schlägt ihr Herz für Kinder und Jugendliche, vor allem in Sachen Bildung. Eine Forderung der AfD lautet: Förderschulen erhalten. „Viele Eltern stehen heute unter Druck, ihre Kinder auf Regelschulen zu schicken, auch wenn ihre Kinder sowie Lehrer oft überfordert sind.“ Inklusion sei also kein Allheilmittel. 

Als Mitglied im deutschen Kinderhospizverein habe sie häufig Schicksale von schwer kranken Kindern erlebt. „Ich hatte Glück, mit 43 Jahren ein gesundes Kind zu bekommen, deshalb wollte ich mich engagieren.“

Ihr politisches Engagement begann 2013 mit dem Eintritt in die AfD. Überzeugt habe sie damals die Griechenlandkrise, als „es aussah, als würde Europa den Bach runtergehen.“ Doch auch, wenn die AfD heute nicht für wirtschaftliche Themen bekannt ist, sie steht fest hinter ihrer Partei.

"Ausländer raus" ist nicht die Lösung

Sie verliert ihr Lächeln nicht, lediglich die Arme verschränken sich leicht, als es um das Thema Populismus geht. „Das ärgert mich. Es trifft nicht auf mich zu.“ In jeder Partei gebe es unterschiedliche Strömungen. „Ich liebe und lebe Europa.“ Ihre Familie sei in vielen europäischen Ländern verstreut.

Anfeindungen habe sie nicht erlebt, warum auch. „Die Behauptung, wir wären alle Nazis, ist absurd.“ Für sie zählt, die Meinung der Bürger auf Landesebene zu vertreten. Wichtiger noch: „Ich kenne keine ausländerfeindlichen AfD-Mitglieder.“ Parolen wie „Ausländer raus“, die auch von AfD-Anhängern gerufen werden, unterstütze sie nicht. „Das ist nicht die Lösung.“

Fünf Fragen an die Direktkandidatin der AfD für den Wahlkreis 7

Beamtenticket, Schülerticket, dichtes S-Bahnnetz in Südhessen und im Schwalm-Eder-Kreis fahren ehrenamtliche Bürgerbusse. Wie könnten alle Menschen von einem funktionierenden ÖPNV profitieren? 

Renate Glaser: Die AfD-Kreistagsfraktion hat einen Antrag auf Einführung eines kostenfreien Seniorentickets eingebracht für Senioren ab 75, die alters- oder krankheitsbedingt freiwillig auf ihren Führerschein verzichten. Der Antrag wurde abgelehnt. Erfolgreicher ÖPNV muss lokale Bedürfnisse berücksichtigen - und wirtschaftlich leistbar sein.

Was würden Sie für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie tun? 

Glaser: Wohnortnahe Kinderbetreuung stärken durch flexiblere Betreuungsmodelle, zum Beispiel Elterninitiativen für Klein-Gruppenbildung mit gemeinschaftlicher Tagesmutter. Elterneinkommen so gestalten, dass Eltern eine echte Wahlfreiheit zwischen eigener Betreuung oder externer Unterbringung haben.

Wie würden Sie das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen stärken? 

Glaser: Dem „subjektiven Sicherheitsgefühl“ steht ein objektiver Sicherheitsverlust gegenüber. Es reicht nicht, ein „subjektives Sicherheitsgefühl“ zu stärken – die Menschen wollen wieder sicher sein. Die Zahl der Polizisten muss erhöht, eine frühzeitige Fahndung nach Straftätern mit Bild ermöglicht und wirksame Kontrollen an Kriminalitätsschwerpunkten eingeführt werden.

Wie kann mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden? 

Glaser: Genehmigungsverfahren verkürzen, Kosten für Grunderwerb- und Grundsteuern reduzieren. Im Bereich der Sozialhilfe Lösungen schaffen, die Betroffenen das Zusammenziehen mit Erwerbstätigen ermöglichen, ohne dem Partner „auf der Tasche zu liegen“ oder auf dessen Wohlwollen angewiesen zu sein. Zahlreiche kleine Wohnungen würden dadurch frei, ihre staatliche Finanzierung würde entfallen.

Wie kann die Schulbildung verbessert werden? 

Glaser: Anstelle einer virtuellen „Unterrichtsgarantie“ braucht es eine konstante Beschulung. Erfolgreiche Bildungsgänge beginnen mit einer soliden Grundlage in der Grundschule: sicheres Beherrschen des 1x1, flüssiges Lesen und eine lesbare Schreibschrift. Im bundesweiten Wettbewerb müssen auch hessische Kinder bestehen können. 

Zur Person

Renate Glaser wurde 1961 in Karlsruhe geboren und hat nach ihrem Schulabschluss eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen. Erfahrung in Verwaltungsaufgaben sammelte sie im Rathaus der Gemeinde Waldbronn in Baden-Württemberg. 

Seit 2000 ist sie mit dem AfD-Bundestagsabgeordnetem Albrecht Glaser verheiratet. Sie hat mit ihrem Mann drei Stiefkinder und einen gemeinsamen Sohn. Seit 2013 ist sie Sprecherin des AfD-Kreisverbandes Schwalm-Eder, seit März 2016 Vorsitzende der Fraktion im Kreistag. 

Renate Glaser engagiert sich in der Land- und Forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft, im Deutschen Kinderhospizverein und ist Mitglied im Deutschen Skiverband.

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