Risse in Fassade

Risse in Fassade nebenan: Borkenerin hat Angst um ihr Haus

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Yasmin Alkan aus Borken (im Bild mit ihrem Cousin Sercan Buran) hat Sorge um ihr Haus.

Borken. Familie Alkan sitzt die Angst im Nacken: Die Angst, dass ihr Reihenhaus in der Borkener Straße Am Rathaus zusammenbricht.

Grund dafür könnte das Nachbarhaus sein, durch das sich seit 2016 Risse ziehen. Erst ganz leichte, dann ganz tiefe. So tief, dass es die Stadt Borken vorige Woche abstützen und sichern lassen musste, damit es bei den zurzeit laufenden Bauarbeiten nicht in sich zusammenfällt und die öffentliche Sicherheit gefährdet.

Doch nun zeigen sich die Risse auch in den Räumen des direkt angrenzenden Nachbarhauses. Yasmin Alkan hat alles nur erdenklich Mögliche unternommen, um die Situation in den Griff zu bekommen. Sie hat versucht, mit dem Eigentümer des maroden Hauses und auch dessen Versicherung zu sprechen, hat die Stadt Borken und die Bauaufsicht des Landkreises informiert und jetzt auch auch Gutachter und Anwalt hinzugezogen.

Doch ganz gleich, an wen sich die 30-Jährige in den vergangenen zwei Jahren gewendet hat: Niemand kann ihr sagen, wie es weitergehen soll, kann und wird. Erst recht nicht, nachdem sich die Risse in beiden Häusern während der Straßenbauarbeiten direkt vor der Tür vergrößert haben. Das abgestützte Haus soll eventuell abgerissen werden. Die Sorge, dass ihrem Elternhaus ein ähnliches Schicksal droht, macht Yasmin Alkan fast krank. „Ich fühle mich total hilflos und im Stich gelassen“, sagt die Studentin, die zusammen mit ihrer Mutter im angrenzenden Reihenhaus wohnt.

Ihr Wunsch: Dass ihre Not gesehen wird, dass irgendein Amt oder eine Behörde dem Eigentümer so auf die Füße tritt, dass die Situation entschärft, die Ursache für die Risse erkannt und die Gefahr für das Alkansche Haus gebannt werden kann.

„Wir werden von allen Seiten hingehalten“, sagt Yasmin Alkan. „Wo sollen wir denn hin, falls es wirklich soweit kommt, dass auch unser Haus nicht mehr bewohnbar ist?“

Ihr Vorwurf: Dass die Bauarbeiten an der Kreuzung Bommerweg/Strichpfuhlweg/Am Rathaus weiter gingen, obwohl doch der schlechte Zustand der beiden Häuser bei allen Behörden bekannt gewesen sei. Das habe beiden Gebäuden sehr geschadet. 

„In solchen Fällen greift das Privatrecht“ Der Stadt Borken seien in solchen Fällen die Hände gebunden, sagt Bauamtsleiter Wilfried Völker: „Da geht es um privatrechtliche Dinge und Forderungen – und da gilt der Satz: Eigentum verpflichtet.“ Behörden wie die Stadt oder die Bauaufsicht des Landkreises übernähmen nur dann die Regie, wenn von Gebäuden eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit drohe, also Ziegeln oder Steine auf Gehweg oder Straße fallen könnten. Deshalb habe auch die Verwaltung das marode Haus sichern lassen – in solchen Fällen müsse die Verwaltung für den Eigentümer tätig werden, und dann versuchen, das Geld von ihm zurück zubekommen. 

Schon jetzt aber komme die Stadt die Baustelle teurer als gedacht zu stehen: Die Baufirmen haben die Verzögerungen berechnet, die durch das Abstützen des Hauses entstanden sind. Wegen Protestaktionen – eines Morgens habe ein Auto in der Baustelle gestanden -– habe zudem der gelieferte Asphalt nicht rechtzeitig aufgebracht werden können. Auch für diese Kosten müsse die Stadt aufkommen, sagt Völker. Ein Stillstand der Arbeiten sei gar nicht möglich, sagt Völker: „Eine solch große Baustelle ist aufwendig geplant – da kann man nicht einfach alle wegschicken.“ Völker kann die Sorge verstehen – aber bei Nachbarschaftsthemen und Privatrecht sei die öffentliche Hand außen vor. Das bestätigt auch eine Sprecherin der Kreisverwaltung.

Die Lage ist für Heinz Vogt völlig klar. Der vereidigte Sachverständige aus Kassel hat sich die Risse und Decke im Haus der Familie Alkan angeschaut und untersucht. Sein Fazit: „Man kann nicht mehr lange warten. Jetzt muss die Ursache geklärt werden und zwar schnell.“ Grund: Wenn das Problem am maroden Haus nicht behoben werde, würden sich die Probleme am Haus Alkan weiter verschärfen – und die stellten schon jetzt eine echte Beeinträchtigung dar. „Wenn jetzt noch etwas am Nachbarhaus passiert, dann reden wir bei Alkans nicht mehr von Rissen, sondern von massiven Bauschäden die Rede.“

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