Demo auf A49

Anwohner sauer auf Aktivisten: „Schlag ins Gesicht“

Anwohner der B3 kämpfen seit Jahrzehnten für eine Entlastung der Straße durch den Ausbau der A49. Jetzt, wo der Ausbau startet, ärgern sie sich über die Aktivisten.

Schwalm-Eder – Die Bürgermeister der Modellregion Schwalm-Eder-West sowie zahlreiche Anwohner der B 3, die bereits seit Jahrzehnten für den Ausbau der A 49 kämpfen, kritisieren den Protest gegen den Lückenschluss scharf. Sie betonen geschlossen: Dieser Kampf richte sich nicht gegen die Klimafreundlichkeit, sondern sei wichtig für die Lebensqualität derjenigen, die sich tagein, tagaus größter Lärmbelastung an der befahrenen Bundesstraße aussetzen müssen.

Die Anwohner

„Der Protest gegen den Autobahnausbau ist ein Schlag ins Gesicht für uns“, sagt Norbert Heller aus Kerstenhausen. Er gehört zur Bürgerinitiative Pro A 49. Über 30 Jahre hätten er und seine Leute für den Lückenschluss gekämpft. Verkehrszählungen hätten die dramatische Lage an der Bundesstraße unterstrichen. Für die Demonstrtionen habe er daher keinerlei Verständnis.

„Der Verkehr nimmt immer mehr zu, besonders auch durch Corona“, so Sonja Anding, die in Jesberg direkt an der B3 wohnt. An manchen Tagen müsse sie zehn Minuten warten, um die Straße überqueren zu können. der So viele Wohnmobile wie n diesem Jahr habe sie noch nie passieren sehen. Ohne Dreifachverglasung der Fenster sei der Lärm nicht auszuhalten.

Die Bürgermeister

Neuentals Bürgermeister Dr. Phillipp Rottwilm befürwortet den Ausbau. „Durch den Anschluss an die A 49 werden die Einwohner an den derzeitigen Zubringern, wie in den Ortsteilen Schlierbach, Bischhausen und Gilsa endlich entlastet.“ Der Verkehr, der mitten durch diese Orte rollt, sei seit Jahrzehnten für Anwohner eine enorme Belastung.

Die große Mehrheit der Region habe sich seit Jahren für den Weiterbau ausgesprochen, so Rottwilm. „So muss es auch in Deutschland möglich sein, Infrastruktur-Großprojekte umzusetzen, wenn diese den demokratischen Prozess durchlaufen haben“, erklärt er. Gemeint ist damit das Urteil der Bundesverwaltungsgericht in diesem Jahr.

Hessen Mobil schätzt, dass nach dem Lückenschluss täglich bis zu 38 000 Fahrzeuge auf der A 49 fahren werden. Die bessere Erreichbarkeit von Mittel- und Südhessen würde in Zukunft dazu führen, dass sich die Pendelstrecken reduzieren. So könne der ländliche Raum als attraktiver Lebensraum mit guter Mobilität eine Antwort auf die Wohnungsnot in den Ballungszentren sein, erklärt Rottwilm. Rottwilm sieht im Ausbau eine Steigerung der Lebensqualität in Neuental und der Region. „Das beobachten wir auch schon bei der steigenden Nachfrage nach gewerblichen und privaten Bauland.“

Ähnlich sieht es auch Jesbergs Bürgermeister Heiko Manz zu. „Alle politischen Gremien waren dafür, die Bürger haben nun ein Anrecht auf den Ausbau. Mit dem Ergebnis müssen jetzt alle leben.“ Die Wohn- und Lebensqualität sei durch den Verkehrslärm enorm eingeschränkt, so Manz. Auch das Rathaus liegt direkt an der Bundesstraße. Geöffnete Fenster? Fehlanzeige. Manz: „Dann kann man hier vor Lärm nicht arbeiten.“

Aus wirtschaftlicher Sicht käme die Autobahn schon 30 Jahre zu spät, doch auch jetzt erhoffe sich Jesberg von der A49 durch das neue interkommunale Gewerbegebiet bei Bischhausen Arbeitsplätze. Manz sagt: „Ganz ohne Auto kommen wir hier auf dem Land noch nicht aus. Und wenn wir Leute hier halten wollen, brauchen wir Arbeitsplätze.“

Marcel Pritsch, Bürgermeister in Borken, betont, dass jeder natürlich ein Recht auf Demonstrationen habe. „Was derzeit aber im Dannenröder Forst passiert, ist nicht zu akzeptieren.“ Wenn sich Polizisten in Gefahr bringen müssen, habe er dafür kein Verständnis. Zudem sei er der festen Meinung, der Lückenschluss werde die Lebensqualität der anliegenden Kommunen verbessern.

„Wir wollen nicht gegen etwas, sondern vor allem für die Entlastung der Bürger sein“, bestätigt Rainer Barth, Rathauschef in Gilserberg. Es handele sich nicht um eine Entscheidung zwischen der A 49 und der Rettung des Klimas. Dies müsse zwingend differenziert betrachtet werden.

Von Linett Hanert, Daria Neu Und Kerstin Diehl

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