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Auf der Suche nach dem Glück: Zu Besuch im buddhistischen Tempel auf Schloss Dillich

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Von: Claudia Brandau

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Kurse für Meditation, Yoga und Achtsamkeit im Schwalm-Eder-Kreis.
Wollen Kurse zu den Themen Meditation, Yoga und Achtsamkeit anbieten: Meister Amnart Klanprachar (Mitte, 8. von links) und seine Gemeinde vor dem Schloss in Dillich. Sie wollen dort einen buddhistischen Tempel einrichten. © Brandau

Das Schloss in Dillich hat einen neuen Eigentümer: Der Buddha Dhamma Bhom Wimutti-Verein aus Thailand hat das aus dem 14. Jahrhundert stammende Gebäude gekauft und macht daraus einen Ort für Meditation, Yoga und Achtsamkeit.

Zwei Jahre lang hatte das Schloss zum Verkauf gestanden jetzt wird es Zentrum der buddhistischen Lehre.

Die Gemeinde ist aber nicht neu in der Region: Erst im vorigen Jahr hatte der Buddha Dhamma Bhom Wimutti-Verein ein ehemaliges Hotel im Bad Zwestener Ortsteil Wenzigerode erworben, um dort Seminare und Kurse zu den Lehren des Buddhismus anzubieten. Aber dann habe man rasch gemerkt, dass das Gebäude für die spirituelle Gemeinde zu klein wurde, erklärt Thitiwat Plangkamon vom Vorstand des Vereins. Knapp 20 Mönche und Nonnen leben zurzeit in der Gemeinschaft, die außerdem eine stets wachsende Zahl an Seminarteilnehmern aus Deutschland, Holland, der Schweiz und Thailand aufnimmt.

Deshalb habe man Ausschau gehalten nach einer neuen, größeren Immobilie, berichtet Plangkamon, der in Bad Wildungen lebt und dort ein Thai-Restaurant betreibt. Der 45-Jährige ist Dolmetscher und Sprecher des Vereins, der sich um den spirituellen Meister Amnart Klanprachar gegründet hat. Der aus Thailand stammende Gelehrte hatte das Schloss bereits vor Monaten auf der Internetseite eines Immobilienmaklers entdeckt und war davon begeistert: In Dillich soll nun der schönste Tempel der Gemeinde in Europa entstehen, in dem Themen wie Frieden und Weisheit unterrichtet werden.

Das Schloss wurde samt Inventar verkauft.
Das Schloss wurde samt Inventar verkauft: Das Kaminzimmer wirkt, als habe sich über Jahrhunderte nichts verändert. Die buddhistische Gemeinschaft weiß das Ambiente zu schätzen. © Brandau

Der Platz dafür ist vorhanden: Das Schloss weist eine Wohnfläche von 1600 Quadratmetern auf, das Grundstück umfasst eine Fläche von 25.000 Quadratmetern und einen eigenen See. Im Internet war das Objekt für eine Million Euro angeboten worden. Der Verein hat es gekauft: Mit sehr großzügigen Spenden einiger Schüler.

Eigentlich, sagt Thitiwat Plangkamon aus Bad Wildungen, sei die Geschichte vom Kauf des Schlosses in Dillich vor allem eines: ein einziges Wunder. Anders kann es sich der 45-Jährige gar nicht erklären, dass der Buddha Dhamma Bhom Wimutti-Verein nun ein Schloss besitzt.

Denn so gerne auch die aus Thailand stammende Vereinigung um ihren Meister Amnart Klanprachar das Schloss erwerben wollte – für den Kauf fehlte ihr schlicht das Geld. Für eine Million Euro hatte es ein Makler im Internet angeboten. Eine unvorstellbar hohe Summe für die Bhom Wimutti-Gemeinde, die laut Dolmetscher Thitiwat Plangkamon alles andere als reich ist.

Der neue Schlossherr: Meister Amnart Klanprachar und seine Buddha Dhamma Bom Wimutti-Gemeinde wollen Dillich zum europaweiten buddhistischen Zentrum machen.
Der neue Schlossherr: Meister Amnart Klanprachar und seine Buddha Dhamma Bom Wimutti-Gemeinde wollen Dillich zum europaweiten buddhistischen Zentrum machen. © Brandau

Doch dann geschah das besagte Wunder. Schüler von Meister Amnart Klanprachar sammelten Spenden. Und die fielen derart großzügig aus, dass der Kauf doch möglich wurde. Die Gemeinde griff zu: Sie hat das Schloss aber nicht gekauft, um es zu einfach nur zu besitzen. Sie wollen es nutzen, um Sinnvolles zu schaffen. Nämlich einen Platz, an dem sich alles um Meditation, Frieden, spirituelle Weisheit dreht.

Mit diesen Inhalten setzen sich die zehn Mönche und acht Nonnen auseinander, die zurzeit in Dillich leben. Dabei handelt es sich nicht etwa um mittellose Menschen, die sonst kein Zuhause haben und ihrem Meister willenlos durch die Welt folgen, sondern es handelt sich auch um Ärzte, Anwälte, Ingenieure, die alle ein Thema umtreibt: Die Frage nach dem Sinn des Lebens. 

Für die Monate in der Buddha Dhamma Bhom Wimutti-Gemeinde nehmen sie eine Auszeit, gehen statt zur Arbeit auf die spirituelle Suche. Deren Ziel: „Wir wollen eine größere innere Zufriedenheit finden“, übersetzt Thitiwat Plangkamon den Meister.

Die Gemeinde hat das Schloss möbliert übernommen. Das Interieur wirkt wie eine Zeitreise in die Weserrenaissance, die Bewohner wie aus einer Indochina-Reportage. Hat denn keiner im kalten Dillich Heimweh nach dem warmen Thailand? „Wo Friede herrscht, kommt kein Heimweh auf“, sagt Klanprachar.

Robert Machulik wohnt als Mönch im Schloss.
Er ist einer der neuen Bewohner: Robert Machulik (31) aus Oberhausen ist eigentlich Heilerziehungspfleger - in Dillich aber auf der Suche nach innerem Frieden.

Einer dieser Bewohner ohne Heimweh ist Robert Machulik (31). Er stammt aus Oberhausen und lebte bereits in einer Gemeinschaft in Thailand. Jetzt aber folgte er Meister Klanprachar von dort nach Dillich, um ihm und seinen Lehren nahe zu sein.

Der Alltag ist klar geregelt, neben den Gebeten und der Meditation arbeitet Machulik auf dem Grundstück und im Gebäude mit. Das Schloss muss umgestaltet werden, es sollen auch größere Seminargruppen untergebracht werden. Doch trotz aller anstehenden Arbeiten und Renovierungen stehen ganz klar die spirituellen Fragen im Vordergrund. Problematisch ist, dass der Meister nur thailändisch spricht. Das erschwere die Kommunikation, aber das Wesentliche komme an, und das sei das Wichtigste: „Hier erfahre ich ein so ganz anderes Gefühl von Glück, als ich es bisher kannte,“ sagt Machulik.

Blick in den Meditationsraum.
Blick in den Meditationsraum. © Brandau

Das sagt der Ortsvorsteher:

Ortsvorsteher Heinrich Kalb kann nichts zu den neuen Nachbarn sagen: „Es hat noch keinen Kontakt gegeben, es sind noch keine Gespräche gelaufen“, sagt Kalb. Prinzipiell aber seien die Leute im Dorf froh, dass nun wieder Leben im Schloss herrsche, denn Leerstand sei ja nun alles andere als förderlich. 

Natürlich werde der eine oder andere Dillicher Berührungsängste haben, aber das sei normal: „Wir werden einfach mal schauen, wie es mit den neuen Nachbarn funktioniert.“ Kalb begrüßte aber die Idee des Tags der offenen Tür im Juli. Den würden garantiert viele Einwohner Dillichs nutzen, um sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen, sagte Kalb.

Besichtigung
Für Samstag, 15. Juli, ist ein Tag der offenen Tür im Dillicher Schloss geplant. Dann sind nicht nur die Mitglieder der Gemeinde vor Ort, sondern es sind auch alle Spender, Nachbarn, Borkener eingeladen, sich das Schloss und die Kursangebote anzusehen und mit den Bewohnern in Kontakt zu kommen.  Wer sich vorab schon ein Bild machen möchte: Auf ihrer Facebook-Seite geben die Mönche einen 360-Grad-Rundumblick in den Meditationsraum.

Dalai Lama ist der bekannteste Mönch

Der wohl bekannteste buddhistische Mönch der Welt ist Tendzin Gyatsho der Dalai Lama. Er gibt dem Buddhismus, der als die friedlichste aller weltweiten Glaubensrichtungen gilt, ein Gesicht. Zahlen über die in Deutschland lebenden Buddhisten gibt es keine: Da die buddhistische Weltanschauung keinen direkten Gottesbezug hat und es eher um Erfahrungen als um eine Kirchen- oder Tempel-Zugehörigkeit geht, wird er eher als eine Art innere Haltung angesehen. 

Der Dalai Lama.
Der Dalai Lama. © dpa

Die Themen Frieden und Weisheit stehen auch in Deutschland hoch im Kurs: Hunderte von Zentren und Meditationsstätten zeugen von regem Interesse an den buddhistischen Lehren.

Das Schloss Dillich 
Das Schloss Dillich erinnert mit seiner Architektur an viele bekannte Gebäude – aber bestimmt nicht an ein buddhistisches Zentrum. Das 1361 errichtete Schloss wurde im 30-jährigen Krieg schwer beschädigt und vor gut 100 Jahren im Stil der Weserrenaissance umgebaut. 1960 kaufte der Unternehmer Franz Rudolph die Immobilie. Die befand sich damals in einem miserablen Zustand. Im Zweiten Weltkrieg war sie eine Unterkunft für Zwangsarbeiterinnen gewesen, später für Heimatvertriebene. Bis zu 40 Familien waren damals dort gleichzeitig untergebracht. Keine guten Voraussetzungen für die Instandhaltung: Als es die Familie Rudolph kaufte, galt es als unbewohnbar. Jetzt bietet das denkmalgeschützte Ensemble mit seiner Größe beste Voraussetzungen für ein Seminarzentrum. Es besitzt 35 Zimmer, eine Wohnfläche von 1600 Quadratmetern und einen drei Hektar großen Park. Mehr zur Geschichte von Schloss Dillich gibt es im Regiowiki.

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