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Retter hatten viele Einsätze – Nach Silvester: Müllberge und Debatte über ein Böller-Verbot

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Von: Claudia Brandau, Lea Beckmann, Christina Zapf, Daniel Seeger, Maja Yüce, Cora Zinn

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Viele Straßen wurden beim Jahreswechsel mit Müll übersät: Torsten Vaupel und Vane Illiev räumten am Montag den Silvestermüll in Homberg auf.
Viele Straßen wurden beim Jahreswechsel mit Müll übersät: Torsten Vaupel und Vane Illiev räumten am Montag den Silvestermüll in Homberg auf. © Claudia Brandau

Böllerfreunde hinterließen an vielen Orten Berge von Abfall im Schwalm-Eder-Kreis.

Fritzlar-Homberg – Die Feuerwehren und Rettungsdienste im Landkreis hatten in der Silvesternacht viel zu tun. Ihre Bilanz: Die Feuerwehren rückten von 20 bis 8 Uhr zu 17 Einsätzen und die Rettungsdienste zu 49 Einsätzen aus. Anders als in Großstädten wie Berlin oder Hamburg kam es im Landkreis zu keinen Übergriffen auf Polizei und Rettungsdienste. Dennoch gab es für die Polizei einiges zu tun: „Es gab Streitigkeiten unter Alkoholeinfluss und auch Sachbeschädigungen“, so Markus Brettschneider von der Polizeidirektion Schwalm-Eder.

Im Hospital zum Heiligen Geist fällt die Bilanz besser aus als befürchtet: „Es gab erfreulicherweise keine gravierende Feuerwerkseskalation“, sagt Dr. Carsten Bismarck, Geschäftsführer des Hospitals, mit Blick auf die Arbeit in der Notaufnahme. Da bei den Verletzungen Feuerwerkskörper kaum eine Rolle spielten, ist der Mediziner auch gegen ein grundsätzliches Böller-Verbot.

Ein weitreichendes Böller-Verbot würde die Kliniken definitiv entlasten

Auch im Asklepios Krankenhaus in Schwalmstadt war einiges los. Doch habe es keine größeren Verletzungen durch Feuerwerkskörper gegeben, sagt Sprecherin Nicola Michailidis. Dennoch: Ein weitreichendes Böller-Verbot würde die Kliniken definitiv entlasten. Wegen des Wegfalls der Corona-Beschränkungen und der milden Temperaturen hielten sich in der Silvesternacht viele Menschen draußen auf. Viele Straßen wurden mit Müll übersät – tonnenweise Reste von Feuerwerkskörpern, zerbrochene Flaschen und andere Abfälle beschäftigen die Straßenreinigungen. „Es wurde mehr geböllert, das merken wir auch beim Aufräumen“, sagt Judith Stark vom Bauhof der Stadt Homberg. Gestern waren zusätzlich drei Leute vom Bauhof unterwegs, um den Müll von Silvester einzusammeln. Auch heute werden die Mitarbeiter wieder den Feuerwerksmüll einsammeln. „Am Ende wird wohl ein zehn Kubikmeter großer Container voll Müll sein.“

Ein ähnliches Bild gab es in Fritzlar: Insbesondere im Bereich des Busbahnhofs sei sehr viel Feuerwerk gezündet worden. „Das war massiv“, sagt Bürgermeister Hartmut Spogat. Er spricht sich für eine stärkere Reglementierung von privatem Feuerwerk aus. Spogats Wunsch: Das solle dann am besten an einer zentralen Stelle gezündet werden. So könne man Schäden in Grenzen halten und Müll schneller beseitigen. Zudem gebe es mit dem Hospital und einigen Seniorenzentren Einrichtungen, die man so schützen könne.

Nicht alle Menschen beseitigten ihren Müll ordnungsgemäß

Nach zwei Jahren, in denen es pandemiebedingt keine Feuerwerkskörper im Handel zu kaufen gab, wurden in der Silvesternacht erstmals wieder viele Böller und Raketen gezündet. Doch nicht alle Freunde des großen Feuerwerks beseitigten ihren Müll ordnungsgemäß.

Böller-Müll: An der Homberger Drehscheibe lag viel Unrat. Denn nicht alle Freunde des großen Feuerwerks beseitigten ihren Müll ordnungsgemäß.
Böller-Müll: An der Homberger Drehscheibe lag viel Unrat. Denn nicht alle Freunde des großen Feuerwerks beseitigten ihren Müll ordnungsgemäß. © Brandau, Claudia

Insgesamt sei deutlich mehr Feuerwerk gezündet worden als in den Jahren vor der Corona-Pandemie, sagt Fritzlars Bürgermeister Hartmut Spogat auf HNA-Anfrage. Sechs Mitarbeiter waren für jeweils drei Stunden im Einsatz. Außerdem wurde eine Kehrmaschine angefordert. „Erfreulich war, dass im Bereich der Altstadt und des Hospitals nicht geböllert wurde“, so Spogat. Am Busbahnhof und im Bereich der Stadthalle dagegen sei viel Feuerwerk gezündet worden. Zudem wurde am Busbahnhof eine Scheibe zerstört. Die Fritzlarer Feuerwehr musste um 1.15 Uhr und um 2.30 Uhr ausrücken, um kleinere Feuer zu löschen.

In Homberg waren am Montag von 7 bis 16 Uhr Torsten Vaupel und Vane Illiev als Team unterwegs. „Wir haben erst mal eine Runde gedreht und uns einen Überblick verschafft. Und dabei gesehen, dass viel mehr Unrat als in den Jahren zuvor auf den Straßen und Bürgersteigen liegt – in diesem Jahr ist es katastrophal schlimm“, beschrieb Vaupel gestern die Lage, als er zusammen mit Vane Illiev an der Homberger Drehscheibe im Einsatz war. Zusätzlich war noch ein Mitarbeiter mit der Kehrmaschine unterwegs. Zwei Tage werde es dauern, bis die Kernstadt aufgeräumt sei: Dann erst gehe es weiter in die über 20 Stadtteile, wo weitere Arbeit warte.

Viele Waberner hätten ihre Feuerwerkskörper vor der eigenen Haustür gezündet und die Überbleibsel selbst beseitigt

Die Mitarbeiter des Waberner Bauhofs waren ebenfalls am Montag in den Ortsteilen unterwegs und sammelten Feuerwerksmüll aus der Silvesternacht ein. „Die Verursacher haben ihren Müll weitgehend weggeräumt“, sagt Bürgermeister Claus Steinmetz. Er spricht deshalb von einem „verantwortungsvollen Umgang“: Viele Waberner hätten ihre Feuerwerkskörper vor der eigenen Haustür gezündet und die Überbleibsel selbst beseitigt.

Im Kernort Wabern gab es eine Besonderheit: Traditionell leihen sich Mitglieder der Ahmadiyya-Muslim-Jamaat-Gemeinde bereits an Silvester – so auch in diesem Jahr – Besen, Schaufeln und weitere Utensilien des Bauhofs aus um dann am Neujahrstag Feuerwerksmüll einzusammeln.

Die Mitarbeiter des Bauhofs Gudensberg stellten am Montag keine größere Vermüllung als bei den vorherigen Jahreswechseln fest. „Es lag keine Häufung von abgebrannten Feuerwerkskörpern oder Batterien vor“, sagt Büroleiter Ralf Lengemann. Tendenziell habe sogar weniger Müll auf den Straßen gelegen als vor zwei Jahren in der Kernstadt und den Stadtteilen. „Ich vermute, dass viele Bürger ihrer Reinigungspflicht nachgekommen sind und den angefallenen Müll selbst entsorgt haben“, so Lengemann. (Claudia Brandau, Maja Yüce, Christina Zapf, Cora Zinn, Daniel Seeger, Lea Beckmann)

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