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Jobcenter-Leiter Hans-Gerhard Gatzweiler geht in Ruhestand

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Von: Claudia Brandau

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Hat nach 40 Jahren seinen letzten Arbeitstag: Hans-Gerhard Gatzweiler, Leiter des Jobcenters Schwalm-Eder. Vorne eine Figur, die an den Beschäftigungspakt für Ältere „Perspektive 50+“ erinnert.
Hat nach 40 Jahren seinen letzten Arbeitstag: Hans-Gerhard Gatzweiler, Leiter des Jobcenters Schwalm-Eder. Vorne eine Figur, die an den Beschäftigungspakt für Ältere „Perspektive 50+“ erinnert. © Claudia Brandau

Der 65-jährige Hans-Gerhard Gatzweiler hat nach 40 Dienstjahren seinen letzten Arbeitstag. Der langjährige Leiter des Jobcenters Schwalm-Eder geht in den Ruhestand.

Schwalm-Eder – Die einen rechnen mit einem Maßband aus, wann sie endlich in den Ruhestand gehen können, die anderen bleiben gerne bis zum letzten Tag: Hans-Gerhard Gatzweiler gehört ganz klar zur zweiten Gruppe. Heute hat der 65-Jährige nach 40 Dienstjahren seinen letzten Arbeitstag. Der langjährige Leiter des Jobcenters Schwalm-Eder geht in den Ruhestand.

Dabei hatte er sich einen solch langen Weg in Sachen Jobvermittlung wohl nicht vorstellen können, als er im Marburger Arbeitsamt seine Ausbildung antrat: „Schon in der allerersten Woche legte man mir die Berechnung vor, wann genau in zehn, 20 und 25 Jahren meine Dienstjubiläen anstehen werden.“ Dass es so viele Jubiläen und gleich vier Jahrzehnte werden würden, hätte der Neustädter wohl selbst nicht geglaubt.

Leiter des Jobcenters Schwalm-Eder geht in Ruhestand: Sein Wunsch war, zu helfen und zu gestalten

Denn der Berufsweg führte ihn nicht direkt ins Amt, sondern in die Marburger Tapetenfabrik, in der er eine Ausbildung zum Industriekaufmann absolvierte. Eigentlich hatte er nach dem Abitur Sozialwesen studieren wollen, der Gedanke ließ ihn auch nach der Lehre nicht los und so trat er ein halbjähriges Praktikum in einem Kinderheim an – eine Arbeit, die ihm ausnehmend gut gefiel.

Dann stand er vor der Frage: Was jetzt anfangen mit dem Talent zur Verwaltung und dem Hang zum Sozialen? Ein Berufsberater gab den Tipp: „Steig’ beim Arbeitsamt ein.“

Genau das tat Gatzweiler. Er begann 1978 ein Studium der Beraterausbildung, wie es damals hieß, besuchte Fortbildungen und Kurse, wechselte 2000 vom Arbeitsamt Marburg als Geschäftsstellenleiter nach Schwalmstadt – und hatte nie Zweifel daran, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Sein Wunsch war es, zu helfen und zu gestalten. „Ich habe es genossen, wenn sich Dinge bewegten.“

Am Anfang seines Berufslebens gab es Google noch nicht

Wichtiges Werkzeug war der Satz eines Ausbilders: „Suche immer den einen Satz in den Bestimmungen, der dir ermöglicht, das zu tun was, du willst. Suche nicht die drei Sätze, die es verhindern.“ Und Gatzweiler musste oft in die Bestimmungen schauen.

Hartz IV beendete 2005 das bisherige Nebeneinander von Sozial- und Arbeitslosenhilfe, 2006 entstand die neue Arbeitsförderung Schwalm-Eder, 2010 das heutige Jobcenter. Zu ständigen Regierungs- und Gesetzeswechseln kamen die Digitalisierung, die Flüchtlingskrise und die Coronapandemie: „Mein Berufsleben war nie langweilig“, sagt Gatzweiler.

Anfangs als Berufsberater gab es keinen Trott: „Man wusste ja nie, wer da zur Tür reinkommt: Eine Mutter, die nach der Familienzeit in den Beruf zurückkehren will, ein Zeitsoldat, der eine neue Herausforderung, oder ein Jugendlicher, der einen Ausbildungsplatz sucht.“ Gatzweiler lacht, wenn er an den jungen Mann denkt, der ihn zu Anfang seines Berufslebens in große Verlegenheit brachte, als er wissen wollte, wie er das Schifferpatent auf der Weser erwerben könne.

„Damals war kein Googeln möglich, das Internet noch nicht erfunden – da musste ich für die Antwort viele Bücher wälzen.“ Die Zeit des Wälzens ist um – und Gatzweilers Zeit im Jobcenter nun auch.

Hans-Gerhard Gatzweiler fällt es nicht leicht, loszulassen

Er geht mit einem ambivalenten Gefühl: „Es ist nicht ganz leicht, loszulassen.“ Man hört es, wenn er begeistert vom Jobcenter Schwalm-Eder spricht. Das hatte 2021 sein bislang bestes Ergebnis bei der Vermittlung von Arbeitssuchenden und das beste Ergebnis aller Jobcenter in Hessen.

„Mal sehen, ob wir das dieses Jahr steigern“, sagt Gatzweiler und merkt erst zwei Sekunden später, dass er nicht mehr dabei ist – das Loslassen ist oft eine schwere Aufgabe. Damit sie leichter fällt, darf er etwas mitnehmen, an dem er seit Jahrzehnten hängt, was schon oft repariert wurde: seinen Bürostuhl.

In der Ecke steht schon ein nagelneuer Chefsessel für Nachfolger Uwe Rauch. Der wird bereits seit Januar in die neue Position eingearbeitet. Gatzweiler kann also künftig das tun, was er immer getan hat: Sich für andere einsetzen. Im Kreistag und Parlament Marburg-Biedenkopf und im Neustädter Bürgerverein „Wir für uns“. „Ich bin niemand, der sich gerne in den Liegestuhl legt“, sagt er. (Claudia Brandau)

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