Nur noch acht Kinderärzte im Schwalm-Eder-Kreis

Kinderarzt-Praxis in Borken geschlossen: Nachfolger nicht in Sicht

Schwalm-Eder-Kreis. Vom Ärztemangel im Landkreis sind auch die jüngsten Patienten betroffen. Seit Anfang des Monats stehen Eltern in Borken vor verschlossenen Türen. 

Seit Anfang Mai, berichtete eine Leserin, sei die Praxis der Kinderärztin Dr. Renata Kerknawi in Borken geschlossen – ohne Ankündigung, ärgert sich die Leserin.

Dabei waren die Patienten, die Eltern und die Stadt Borken erfreut, als im Oktober 2016 die Kinderarztpraxis eröffnete und so die Lücke, die die Kinderärztin Dr. Astrid Warneke hinterlassen hatte, geschlossen wurde. Nun seien die Eltern nicht nur mit dem Problem konfrontiert, keine Kinderärztin mehr zu haben, sondern auch damit, dass ein Unterkommen in anderen Praxen schwierig sei.

Doch die Borkener Kinderarztpraxis soll nicht dauerhaft geschlossen bleiben, sagt Nicolas Utech, Geschäftsführer des MVZ Medikum in Baunatal, zu dem die Praxis gehört. Der Weggang von Dr. Kerknawi sei auf private Gründe zurückzuführen. Die aus Bad Driburg stammende Ärztin werde in ihrer Heimat mit ihrem Mann – ebenfalls Mediziner – eine Praxis eröffnet.

Dass der „reibungslose Übergang nicht geklappt hat“, liegt nach Darstellung von Utech daran, dass das MVZ Medikum zwar eine Kinderärztin für Borken mit einer deutschen Facharzturkunde habe, doch mit einer ausländischen Approbation.

Die Folge: Bis diese und damit die Berufserlaubnis vorliege, müssten die jungen Patienten in die umliegenden Praxen ausweichen.

„Ein Nachfolger für die Borkener Kinderärztin, die zum 30. April ihren Vertrag beendete, ist nicht in Sicht“, sagt Petra Bendrich, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Der Grund: Die Nachfrage von Kinderärzten, sich im ländlichen Bereich niederzulassen, sei eher gering. Der aktuelle Versorgungsgrad im Landkreis liege bei 104,6 Prozent. Von einer Überversorgung könne nicht die Rede sein. Deshalb habe die KV beschlossen, einen halben Sitz auszuschreiben.

Ärzte sind im Schnitt 51 Jahre alt

Ein Kinderarzt fehlt im Schwalm-Eder-Kreis. Denn nachdem Dr. Renata Kerknawi ihre Praxis geschlossen hat, praktizieren im Landkreis nur noch acht statt bislang neun Kinderärzte. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) gibt es im Schwalm-Eder-Kreis 7,5 so genannte Versorgungssaufträge, für insgesamt neun Ärzte. Zwei Praxen gibt es in Fritzlar, je eine gibt es in Homberg und Melsungen.

In Schwalmstadt gibt es eine, die mit zwei Ärzten besetzt ist. Schrecksbach verfügt über eineinhalb Sitze mit zwei Ärzten. Das Durchschnittsalter liegt bei 50,9 Jahren. Der Versorgungsgrad bei Kinderärzten liegt im Landkreis bei 104 Prozent. 

Rubriklistenbild: © dpa

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