Er möchte Emotionen vermitteln

Sänger Christian Durstewitz liebt ungewöhnliche Konzertorte

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Spielt seine Konzerte lieber vor kleinem Publikum: Singer-Songwriter Christian Durstewitz. 

Menschen reicht es schon lange nicht mehr, einfach nur Musik zu hören. Konzerte werden zum Event. Und mit ihnen die Konzertorte. Wir sprachen mit Sänger Christian Durstewitz darüber.

Wer heute ein Konzert besucht, der kommt nicht nur wegen der Musik. Ungewöhnliche Orte sind im Trend. Aber was bedeutet es für Musiker, vor kleinem Publikum zu spielen? Darüber sprachen wir mit dem Singer-Songwriter Christian Durstewitz.

Was war der verrückteste Ort, an dem Sie jemals gespielt haben?

Ich habe ein Video zum Thema Todesangst gedreht. Da lag ich für kurze Zeit in einem Sarg. Das war das Krasseste, was ich bisher gemacht habe. Manche Wohnzimmer sind auch sehr verrückt. In der Natur zu spielen finde ich toll. Das Schönste war aber bisher ein Auftritt auf einer Bühne, die auf dem Edersee schwamm.

Sie haben in großen Hallen gespielt, traten bei der TV-Sendung Schlag den Raab auf, kennen aber auch das Gefühl, vor kleinem Publikum zu spielen. Was ist die größere Herausforderung?

Für Künstler ist die größte Herausforderung, vor einem kleinen Publikum zu spielen. Und dann noch am besten vor jemandem aus der Familie. Da ist man richtig aufgeregt. Wenn man Massen vor sich hat, sieht man den einzelnen Menschen nicht mehr vor sich. Viele Künstler lieben das. Ich möchte aber Emotionen vermitteln und möchte sehen, wie sie ankommen. Wie ein Echo, das zurückschlägt. Vor einer breiten Masse ist das schwierig.

Dabei würde man vermuten, es kommen bei einem großen Konzert mehr Emotionen zurück, als wenn man nur vor zehn Menschen spielt.

Das stimmt. Aber für den Künstler ist es schwerer, das zu filtern. Ich interagiere gerne mit meinem Publikum. Ich spiele die Zuhörer gerne an oder nehme sie in die Moderation mit hinein. Das ist bei großen Massen nicht mehr möglich. Da spielt man nur seine erfolgreichsten Lieder und weiß, die Masse feiert es ab. Aber dabei geht das Persönliche verloren.

Macht es das nicht auch schwierig, wenn das Publikum die Emotionen direkt spiegelt?

Definitiv. Bei einer Tour versucht jeder Künstler bei jeder Station noch etwas Einzigartiges zu bringen. Das funktioniert meistens über das Publikum und besser in kleinen Konzertsälen.

Macht das den Reiz an kleinen Orten aus, sich immer wieder etwas Neues überlegen zu müssen?

Natürlich. Wenn wir als Künstler für eine große Masse spielen, ist das weniger egoistisch. Da spielen wir für das Publikum. An kleinen Orten spielen wir noch eher für uns, das gibt uns viel zurück.

Vom Spielen vor kleinem Publikum kann man aber wahrscheinlich nicht leben.

Das ist schwierig. Das mache ich tatsächlich nicht wegen des Geldes, sondern schon fast aus egoistischen Gründen und weil ich Lust darauf habe. Ich kann experimentieren und sehen: Wie reagieren die Menschen? Wenn man von der Musik leben möchte, kann man das nicht von Konzerten. Da müsste man schon ein Festival nach dem anderen spielen. Eine Zeit lang ist das wirklich toll. Aber irgendwann möchte man das nicht mehr.

Sie haben am Anfang Ihrer Karriere Ihre Songs auf Englisch aufgenommen, heute singen Sie auf Deutsch. Warum?

Das war eine persönliche Entwicklung. Damals habe ich erst Melodien komponiert und dann den Text geschrieben, jetzt mache ich das anders. Deshalb erzähle ich mehr, als ich eigentlich singe. Ich habe meinen Stil so geändert, dass ich das Gefühl hatte, ich kann eine Botschaft rüberbringen.

Sie singen über Schülerstreiks, über Ausbildungsberufe und loben Reinigungskräfte und Alleinerziehende. Wollen Sie damit ein bisschen mehr Liebe verbreiten?

Tatsächlich ist das so. Auch bei meinen Konzerten früher gab es immer einen positiven Unterton. Ich bin durch und durch Optimist. Ich setze mich auch durch meinen Beruf stark mit dieser Social-Media-Welt auseinander. Ich will zeigen, dass dieses Element auch positiv genutzt werden kann. Wir können umdenken. Wir müssen nicht nur nörgeln.

Auf welcher Bühne wollen Sie unbedingt einmal spielen, bevor Sie sterben?

Das habe ich mich schon ganz oft gefragt. Ich finde die Waldbühne bei Berlin wunderschön. Ich finde es toll, eine Bühne einfach irgendwohin zu stellen, wo sie gar nicht hingehört. Wenn dann nochmal eine Bühne 100 Meter über der Fußgängerzone erfunden wird oder ich auf der Dachterrasse auf dem Empire Statue Building spielen könnte – das wäre richtig cool.

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