Frauenhaus bietet Beratung

Handy erleichtert gewalttätigen Männern Kontrolle über Frauen

Sie leitet das Frauenhaus in Homberg: Heidemarie Lange. Foto: Müller

Schwalm-Eder. Gewalt gegen Frauen nimmt oft ihren Anfang in der Überwachung mit dem Handy oder im Internet. Das wird immer mehr zur Gefahr.

Das sagt Heidemarie Lange, Leiterin des Frauenhauses Schwalm-Eder. Doch immer noch suchen viel zu wenige Frauen in Not Hilfe bei einer Beratungsstelle.

Frauen, die von ihrem Partner kontrolliert werden, wüssten oft nicht, dass der sie über das Handy finden könne, sagt Lange. Trudi Michelsen vom Frauenbüro Schwalm-Eder ergänzt, dass internetfähige Handys die Kontrolle leichter machen: „Früher haben die Männer am Abend fragen müssen, wo die Frau war.“ Heute könne der Partner ständig schauen, wo seine Frau ist. Telefonterror werde so viel schneller und einfacher möglich. Das führe bei Frauen oft zu der Ungewissheit, wann die nächste Nachricht kommt.

Hilfe im Frauenhaus oder bei Beratungsstellen suchen viele erst, wenn sie Angst um sich und ihre Kinder bekommen. „Frauen halten sehr lange an einer Beziehung fest“, sagt Lange. Oft bekomme die Leiterin des Frauenhauses Anrufe von aufmerksamen Freunden und Verwandten.

„Diese Unterstützung ist wichtig. Die Frauen müssen merken, dass sie wahrgenommen werden.“ Durch die Kontrolle ihres Partners können Frauen sich oft nicht mehr frei bewegen, werden abhängig von ihm und sind sozial isoliert. „Sie wissen dann nicht mehr, wohin sie gehen können“, sagt Lange.

Ins Frauenhaus in Homberg aufgenommen werden Frauen ab 18 Jahren. In seltenen Fällen können auch Jüngere dort Schutz finden. Jedoch sollten die Frauen in der Lage sein, ihren Alltag selbstständig zu meistern. Denn die Arbeit im Frauenhaus ist auf Hilfe zur Selbsthilfe ausgelegt. Die Frauen werden jedoch auf ihrem Weg begleitet und können jederzeit Beratungen in Anspruch nehmen. Hilfe und Schutz finden Frauen im Frauenhaus rund um die Uhr.

49 Frauen suchten Schutz und Hilfe 

Das Frauenhaus des Schwalm-Eder- Kreises unterstützt Frauen dabei, ihre soziale und finanzielle Unabhängigkeit wieder aufzubauen - so, dass sie sich wieder selbst helfen können. Im vergangenen Jahr haben 49 Frauen den Schutz des Frauenhauses in Anspruch genommen - 23 von ihnen kamen aus dem Schwalm-Eder-Kreis. Nur vier der 49 Frauen waren unter 19 Jahre alt. Die meisten der Schutzsuchenden konnten nach dem Verlassen des Hauses mit ihren Kindern in eine eigene Wohnung ziehen, vier der Frauen gingen wieder zu ihrem Partner zurück. Im Jahr 2015 sind schon jetzt so viele Frauen aufgenommen worden wie im vergangenen Jahr insgesamt.

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