Vor allem Vereine von Schließungen betroffen 

Risse in Schulgebäuden: Vier Turnhallen im Kreis sind gesperrt 

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Die kleine Sporthalle der Erich-Kästner-Schule wird seit Monaten renoviert: Wilfried Orth vom gleichnamigen Unternehmen aus Fritzlar-Züschen baut gerade das Gerüst für die Außenarbeiten auf.

Risse in der Decke der Turnhalle an der Homberger Erich-Kästner-Schule lösten eine Untersuchung von baugleichen Hallen im Landkreis aus. Vier wurden nun vorsorglich geschlossen. 

Wegen möglicher Baumängel wurden im Schwalm-Eder-Kreis vier Schulsporthallen vorsorglich gesperrt. Betroffen sind neben den Grundschulen in Borken-Kleinenglis und Homberg-Wernswig auch die Ohetal-Schule im Frielendorfer Ortsteil Verna und die Erich-Kästner-Schule in Homberg. Drei der Gebäude wurden in den 60er-Jahren errichtet, die Turnhalle in Verna 1970.

Das Sportgebäude der Homberger Haupt- und Realschule war Auslöser einer speziellen Überprüfung von insgesamt 17 bauähnlicher Schulturnhallen im Landkreis. Diese Hallen sind in der Regel circa zwölf mal 24 Meter groß. An dem Schulgebäude in Homberg waren es im Mai Sanierungsarbeiten gewesen, die Baumängel an den Tag brachten: Beim Abhängen der Decke waren Risse im Beton festgestellt worden, erklärt Stephan Bürger, Sprecher des Landkreises. Experten empfahlen eine Inspektion der Kleinsporthallen des Landkreises. 

Wegen des Auftragsvolumens von circa 40.000 Euro hätten die Gutachtertätigkeiten eigentlich europaweit ausgeschrieben werden müssen, so der Pressesprecher. In diesem Fall beschleunigte allerdings eine Dringlichkeitsvergabe das Verfahren.

Betonteile könnten herunterfallen

In Kleinenglis und Wernswig wurden ähnliche Risse festgestellt. Auch in Verna kamen in dieser Woche die Baumängel an den Tag. Die Sachverständigen warnten laut Bürger, dass möglicherweise Betonteile herunterfallen könnten. Ein möglicher Einsturz der gesamten Decke werde nicht befürchtet.

Die 410 Schüler der Vernaer Schule nutzen derzeit für den Sportunterricht die Außenanlagen, so Grundschulleiterin Jutta Weidemeier. Sollte die Sperrung anhalten, müssten die Schüler bei veränderter Wetterlage beispielsweise mit Bussen nach Frielendorf zur Sporthalle an der Palmbergschule gefahren werden. Das weitere Vorgehen werde sich erst nach Auswertung der Materialproben entscheiden, so Bürger. Das Gutachten könnte Ende nächster Woche vorliegen. 

Probleme mit 60er-Jahre-Architektur

Das Vorgehen im Zusammenhang mit den Turnhallen weckt Erinnerungen: Auch an Gebäuden der Astrid-Lindgren-Schule und der Steinwald-Schule waren im Sommer vor einem Jahr Risse festgestellt worden. Der Landrat sperrte die Gebäude aus den 60er-Jahren wegen Einsturzgefahr. Der Großteil der Gebäude war nicht zu retten und ist inzwischen abgerissen. Aus der Hessenkasse fließen 12 Millionen Euro in Neubau und Sanierung der Schulgebäude. 

Vereine leiden besonders unter Schließungen 

In den Turnhallen der Erich-Kästner-Schule herrscht das ganze Jahr über Hochbetrieb. Neben Hunderten von Schülern schwitzen dort regelmäßig Sportler aus Vereinen bei Wettkämpfen und Veranstaltungen. Doch seit einigen Monaten wird die kleine Turnhalle saniert. Was dabei ans Licht kam, bezeichnet Schulleiter Dieter Goldmann noch als Glücksfall. 

Risse in der Decke führten zu einer ganzen Reihe von Untersuchungen an baugleichen Gebäuden im Landkreis. Die Homberger Sporthalle wurde um Ostern herum gesperrt. Doch da war die Sanierung bereits im vollen Gange und die Halle ohnehin nicht für den Unterricht vorgesehen. „Wir sind froh, dass diese neuen Mängel während der Sanierung entdeckt wurden“, sagt Goldmann. 

Für ihn steht fest: „Im schlimmsten Fall hätte eine plötzliche Sperrung dafür gesorgt, dass der gesamte Lehrplan umgeworfen werden muss.“ Die Decke wäre zwar nicht heruntergefallen, eine akute Gefahr habe nicht bestanden. „Trotzdem wurde sofort reagiert.“ 

Schulleiter Dieter Goldmann bei der Baustelle an der Erich-Kästner-Schule in Homberg. 

Rund 330 Schüler der Haupt- und Realschule mit Förderstufe sprinten, springen und dribbeln regelmäßig in den zwei Hallen auf dem Gelände. Die neuere Großsporthalle wird auch von anderen Schulen im Umkreis genutzt, die keine eigene haben. Dort haben bis zu drei Klassen gleichzeitig Platz. 

Der Sportunterricht muss während der Bauarbeiten nicht eingeschränkt werden. „Kinder haben ein Recht auf Sportunterricht und darauf, sich auszutoben“, betont Goldmann. Daher hat die Schule mit Blick auf die Sanierung den Sportunterricht in die Großsporthalle verlagert. „Vor allem Vereinen tut so eine Sperrung weh“, sagt der Schulleiter. Die EKS-Hallen seien an Wochenenden komplett ausgebucht von örtlichen Fußball-, Handball- und Volleyball-Vereinen. Nur wer sich ein gutes halbes Jahr vorher anmeldet, kann sie noch für Veranstaltungen buchen. 

350.000 Euro fließen in die Sanierung der Sporthalle in Homberg

Die kleine Halle werde vor allem von Grundschülern und Schülern der Förderstufe genutzt. „Die Umgebung ist kleiner und die Wege kürzer, so können kleine Schülergruppen besser betreut werden.“ 

350.000 Euro fließen in die energetische Sanierung, 90 Prozent davon aus Landesmitteln. Baustellen gibt es viele. Feuchte Wände, Risse in den Wänden, an der Decke löste sich alter Schaumstoff auf. Der Bau stammt noch aus den 60er-Jahren. Statt aus rutschfestem Kunststoff besteht der Fußboden aus Holz. „Wir haben vor allem für barrierefreie Zugänge, Umkleiden und Toiletten gekämpft“, sagt Goldmann. Selbst mit dem Rollstuhl soll die auf einem Hang gelegene Halle erreichbar werden. 

Eigentlich sollte die Renovierung im Herbst abgeschlossen sein. Aufgrund der Risse in der Decke verzögert sich das Bauende nun. Wann die Halle wieder einsatzbereit ist, sei noch nicht abzusehen.

Von Sylke Grede und Dorothea Wagner-Maroti

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