Achtung, die Hitze ist da

Kliniken rechnen mit mehr Notfällen - Kein Rekord erwartet

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Volles Haus im Fritzlarer Freibad: Die Besucherzahlen schnellen an diesen heißen Sommertagen in die Höhe. 

Die erste große Hitzewelle des Jahres hat den Schwalm-Eder-Kreis erreicht: Für heute werden Temperaturen deutlich über 30 Grad vorausgesagt.

Die Notaufnahmen in den Asklepios-Kliniken in Schwalmstadt und Melsungen erwarten zum Beispiel, dass zehn bis 25 Prozent der Patienten wegen hitzebedingter Beschwerden behandelt werden müssen. 

„Besonders gefährlich sind Flüssigkeitsmangel und direkte Hitzeeinwirkung auf den Kopf“, sagt Patrick Müller-Nolte, Ärztlicher Leiter der Notaufnahme in Schwalmstadt. Seine Tipps: luftige Kleidung tragen, kühle Räume aufsuchen, leichte Kost bevorzugen, immer „über den Durst trinken“, aber keinen Alkohol. 

Es ist und wird zwar sehr heiß, aber mit einem neuen Hitzerekord für unsere Region rechnet Günter Fickenscher, Diplom-Meteorologe in Fritzlar, nicht. „Wir hatten dreimal in den vergangenen 50 Jahren Temperaturen von über 37 Grad, aber das werden wir in dieser Woche nicht erreichen“, sagte er gegenüber der HNA, zumal es am Donnerstag und Freitag schon wieder merklich abkühlen soll. 

Im Juni 2013 und im August 2003 stieg das Thermometer in Fritzlar auf den bisher höchsten gemessenen Wert von 37,4 Grad. 

Die jetzige Hitze sei auf die Großwetterlage zurückzuführen, die heiße Luft aus Afrika heranführt. Langfristig müsse man sich jedoch darauf einstellen, dass die Mittelwerte ständig nach oben gehen, betont Fickenscher. „Irgendwann werden wir die 40 Grad erreichen“, ist er sicher. 

Für die Schüler im Landkreis endet das Schuljahr am Freitag. Ob es für sie noch hitzefrei geben wird, hänge von der Einschätzung der jeweiligen Schule ab, sagt Dr. Ralf Weskamp, Leiter der Homberger Theodor-Heuss-Schule. Es müsse mit Nachbarschulen überlegt werden, ob es alternativen Unterricht geben könne. Sollte es im Gebäude zu heiß sein, kann nach der 5. Stunde hitzefrei gegeben werden.

Lüften oder nicht? Ein Glaubensstreit

Damit Wohnzimmer und Büro angesichts der Hitze nicht zum Brutkasten werden, sollten die Räume gelüftet werden. 

Ein „Glaubensstreit“ drehe sich um die Frage, ob ganztägig die Fenster zu bleiben sollten, um die Hitze draußen zu lassen, schreibt die AOK Hessen. 

Mediziner Dr. Peter Kotzerke rät: „Wir müssen dafür sorgen, dass sich die Wärme nicht staut, sondern abgeführt wird.“ Luftzirkulation und Luftaustausch müsse es deshalb auch tagsüber geben.

Volles Haus im Fritzlarer Freibad: Die Besucherzahlen schnellen an diesen heißen Sommertagen in die Höhe. 

Hitzewelle in Zahlen: Auswirkungen extremer Temperaturen

Die Regale mit Wasser im Supermarkt sind leer, die Freibäder voll, die Ventilatoren ausverkauft: Die Hitzewelle hat ganz unterschiedliche Auswirkungen. Wir haben uns umgehört.

Außergewöhnliche Temperaturen in unseren gemäßigten Breiten sorgen regelmäßig für mediale Aufregung. Der Alltag scheint ein wenig aus den Fugen zu geraten ab 30 Grad Celsius. Wir haben in unserer „Hitzewelle in Zahlen“ ganz verschiedene Aspekte aufsteigend zusammengetragen.

3 Mal soviel Mineralwasser wie sonst verkauft der Getränkemarkt des Rewe-Marktes in Homberg an besonders heißen Tagen. Wie Chef Kai Mohr erläutert, gehen sieben Paletten täglich bei den augenblicklichen Temperaturen weg. Lieferengpässe gebe es nicht, das war im vergangenen Jahr nur beim Leergut so wegen der lang anhaltenden Trockenheit und Hitze der Fall.

7Uhr morgens in Fritzlar: Kai Gerhardt vom städtischen Bauhof bewässert wegen der Hitze morgens die Blumenkübel und Blumenbeete im Stadtbereich, am Nachmittag bekommen dann die Bäume ihre Wasserration. Pro Tag, so Kai Gerhardt, werden zwischen 4000 und 6000 Liter Wasser verteilt. Aber nicht nur die zarten Pflanzen brauchen Wasser, die Männer und Frauen haben in der Hitze auch einen erhöhten Trinkbedarf. Da gehört heute eine gut befüllte Kühltasche dazu.

38 Grad Celsius soll die „gefühlte“ Temperatur heute erreichen. Laut Notfallmediziner weicht diese gefühlte Temperatur von der tatsächlich gemessenen ab. Sie wird anhand von Luftfeuchte, Strahlung, Wind, tatsächlicher Temperatur sowie dem Verhalten berechnet und ist individuell verschieden.

50 Prozent des Körpergewichts und damit deutlich weniger als bei Erwachsenen besteht bei kleinen Kindern und alten Menschen aus Flüssigkeit. Deswegen reagieren sie auf Flüssigkeitsverlust bei großer Hitze empfindlicher, sagen Ärzte. Mit dem Körperwasser geht auch Natriumsalz verloren, man wird müde und matt. Im Extremfall kann es zu regelrechten Verwirrtheitszuständen kommen.

112 ist die Notfallnummer, die sofort gewählt werden soll, wenn es zu einem Hitzschlag oder Kollaps gekommen ist oder der Verdacht darauf besteht. Der Rettungsdienst kommt dann sofort. derweil sollte der Betroffene an einen kühlen Ort gebracht, die Kleidung gelockert werden. Mit feuchten Tüchern kühlen und Getränke reichen.

116 Ventilatoren sind im vergangenen Sommer beim Herkules-Markt in Fritzlar mindestens über die Ladentheke gegangen. Towerventilatoren oder Tischventilatoren in unterschiedlichen Farben und Größen – „am Ende war alles ausverkauft“, sagt Mitarbeiter Alexander Uhl. Auch heute rechnet der Verkäufer damit, dass sich viele Kunden ein neues Gerät anschaffen werden.

2200 bis 2500 Kugeln Speiseeis verkauft die Eisdiele Bressan in der Ziegenhainer Straße in Homberg zurzeit täglich an ihre etwa 900 bis 1100 Gäste. Neben den immer beliebten Sorten Stracciatella und Vanille werden derzeit vor allem die Sorten Yoghurette sowie weiße Schokolade mit Erdbeere und/oder Minze besonders nachgefragt.

4000 Besucher tummeln sich bei Spitzentemperaturen in den Schwimmbecken des Eder-Auen-Erlebnisbades in Fritzlar. So sei es zumindest im vergangenen Jahr gewesen, als die Temperaturen in Richtung 40 Grad geklettert sind, sagt Jörg Frieske, einer der Fachangestellten für Bäderbetriebe. Aber selbst in den vergangenen heißen Tagen – und da herrschten noch zumutbare sommerliche Temperaturen – wurden bereits um die 3000 Badegäste gezählt. Ob heute noch ein Schattenplatz auf der Liegewiese frei sein wird?

Tipps für das Verhalten an heißen Tagen vom Roten Kreuz

Zu wenig Flüssigkeit, zu viel Sonne – eine Kombination, die zu einem Sonnenstich oder Schlimmerem führen kann. In besonders heißen Monaten haben daher auch Rettungsdienste viel zu tun. 

Vor allem Kinder und ältere Menschen, die ohnehin schon Kreislaufprobleme haben, können schnell unter der Hitze leiden, erklärt Timo Lerch, Praxisanleiter beim DRK Schwalm-Eder. 

Ein typischer Fall: „Oft sind es dehydrierte ältere Menschen, die umkippen, weil der Kreislauf kurz herunterfährt.“ Grundsätzlich muss man aber nicht immer sofort die 112 wählen. Kopfschmerzen, Schwindelgefühle, ein rot verfärbtes Gesicht und Übelkeit sind erste Symptome, die zeigen, dass man sich schnell einen Schattenplatz suchen sollte. 

Bei leichten Kopfschmerzen nach einem Besuch am Strand hilft auch schon ein kühler Lappen. Einen Sonnenstich hat wohl jeder mal als Kind erlebt – in diesem Fall gilt das übliche Rezept: Raus aus der Sonne, abkühlen und Wasser trinken. 

Klamotten ausziehen hilft dabei, den Körper abzukühlen. Ernst wird es bei einem Hitzeschlag, wenn der Körper sich aufheizt und viel Flüssigkeit verliert, beispielsweise, wenn kleine Kinder im Auto vergessen werden. 

„Der Körper verliert dann zu viel Wasser, weil er versucht, sich durch das Schwitzen abzukühlen“, erklärt Lerch. Sobald der Körper dehydriert ist, pumpt das Herz schneller, um den Kreislauf aufrechtzuerhalten. Steigt die Körpertemperatur auf 40 Grad und mehr, kann es zum Schock und im schlimmsten Fall zum Tod kommen. Deshalb sollte man Kinder und Tiere auch nicht für kurze Zeit im Auto zurücklassen. 

„Den Rettungsdienst sollte man rufen, sobald die Person nicht mehr ansprechbar ist“, sagt Lerch. Wird ein Mensch ohnmächtig muss sofort erste Hilfe geleistet werden, etwa indem die Person in die stabile Seitenlage gebracht wird. 

Was man nicht tun sollte: Ein plötzliches Bad im Eiswasser kann auch schädlich sein, sagt Lerch. Wird der Körper plötzlich unterkühlt, kann es dabei zu einem Kreislaufzusammenbruch kommen.

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