Mutter soll Angeklagten entlasten

Reifendiebstahl in großem Stil: Weitere Verhandlungstage angesetzt

Kassel/Witzenhausen/Schwalm-Eder. Die Beweisaufnahme im Verfahren gegen einen 40-jährigen Polen wegen des Verdachts des Bandendiebstahls ist mit hohem Zeitaufwand verbunden. Auch der zweite Verhandlungstag dauerte achteinhalb Stunden.

Fortgesetzt wird der Prozess am 25. März und 14. April vor dem Amtsgericht Kassel. Beginn ist um 9 Uhr.

Zwölf Fälle hat die Staatsanwaltschaft angeklagt. Mit anderen, nicht ermittelten Tätern soll ein 40-Jähriger, zur Zeit in Untersuchungshaft sitzender polnischer Staatsangehöriger in Fritzlar, Melsungen, Kassel, Fuldatal und in Witzenhausen Kompletträder im Wert von über 100.000 Euro gestohlen und nach Polen weiter transportiert haben.

Erneut beteuerte der Angeklagte seine Unschuld. „Ich war nie da”, sagte er zu mehreren Tatorten. Am Donnerstagabend stellte sein Anwalt zwei Beweisanträge. Die Mutter des Polen und ein Maurer sollen bezeugen, dass er an zwei Tat-Tagen in Polen war, unter anderem, um das Grab seiner 2013 verstorbenen Tochter zu pflegen. Daraufhin beantragte die Staatsanwaltschaft, zwei Straftaten in Melsungen und eine in Fritzlar einzustellen.

„Damit hätten sich die Beweisanträge erledigt”, sagte der Richter. Der Anwalt stellte danach einen weiteren Beweisantrag, über den noch nicht entschieden ist. Die Mutter soll nun bezeugen, dass ihr Sohn an einem bestimmten Tag seine damals schwer kranke Tochter Kalina in der Klinik in Stettin abgeholt hat. An diesem Tag soll der 40-Jährige Kompletträder in Kassel gestohlen haben. Die Staatsanwältin reagierte mit Skepsis: „Ich weiß nicht, warum sich die Mutter an diesen Tag erinnern soll.”

144 Kompletträder im Wert von 36.000 Euro waren in einem Autohaus in Witzenhausen gestohlen worden. Ein Container wurde komplett leergeräumt, sagt der Inhaber. In Fuldatal wollten die Täter 140 Kompletträder und 40 Batterien stehlen. Dazu kam es aber nicht, weil das Tatfahrzeug, vorher in Witzenhausen aufgefallen, steckengeblieben war.

Der Angeklagte war bereits 2013 in Uslar festgenommen worden, als er Reifen stehlen wollte. Er kam wieder frei, die Staatsanwaltschaft Göttingen beantragte einen Strafbefehl.

Im Fall der von Juli 2013 bis Oktober 2014 in Nordhessen begangenen Diebstähle ergaben die Ermittlungen der Polizei, dass das Handy des Angeklagten im Zusammenhang steht mit mehreren Straftaten. Die Ermittlungen der Telefonüberwachung führten zu dem 40-Jährigen und zur Festnahme im Oktober 2014.

Aus den Telefongesprächen geht hervor, wie die Reifendiebstähle vorbereitet und begangen und das Diebesgut in Richtung Osten transportiert wurde. In den Gesprächen wird während des Reifen-Transports gewarnt vor Bullen und Hunden - gemeint ist die Polizei.

Von Manfred Schaake

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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