Fünf Schulen aus Schwalm-Eder-Kreis starten Plakat-Aktion

"Rechtsextremismus ist unser Unglück": Schüler protestieren gegen antisemitische Hetze

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Setzen ein Zeichen: Emily Schwarz (von links), Tim Göbel, Margarethe Schelkmann und Makram Nakad von der Theodor-Heuss-Schule mit den Plakaten.

Der Protest gegen die antisemitischen Plakate der Partei "Die Rechte" wird immer größer. Nun engagieren sich auch fünf Schulen aus dem Schwalm-Eder-Kreis gegen rechte Hetze. 

Sie hatten das Gefühl, es muss etwas getan werden – und sie haben etwas getan: Fünf Schulen aus dem Schwalm-Eder-Kreis haben eine Plakat-Aktion initiiert, mit der sie den Wahlkampfaussagen der Partei „Die Rechte“ widersprechen. Die hatte in Neukirchen Schilder mit der Aufschrift „Israel ist unser Unglück“ aufgehängt.

Irgendwann sei es nicht mehr möglich, keinen Staub aufzuwirbeln, sagt Tom Werner, der das Projekt „Gewalt geht nicht“ beim Landkreis betreut. Die Plakate der „Rechten“ hätten einen klaren Bezug zum Dritten Reich, um nicht volksverhetzend zu gelten, seien sie bewusst umschreibend, sagt Christoph Willing, Mitglied der jüdisch-liberalen Gemeinde in Felsberg.

Diese Tabubrüche wollen die Schüler nicht länger hinnehmen: Solche Plakate gehörten sich einfach nicht, sagen sie. Kurzerhand haben sich vier Schüler der Homberger Theodor-Heuss-Schule (THS) zusammengesetzt und angeleitet von Lehrer Thomas Schattner ein Gegenplakat entworfen. Nach nur 45 Minuten war der Entwurf fertig: „Rechtsextremismus ist unser Unglück! Schluss damit!“ steht auf ihm geschrieben. So wollen sie ein Zeichen gegen Rechts und gegen die Diffamierung anderer Bevölkerungsgruppen setzen. „Mich macht es wütend, dass immer von der politisch nicht interessierten Jugend gesprochen wird. Wir tun etwas“, sagt die 16-jährige Margarethe Schelkmann.

An der Aktion beteiligen sich bisher die THS, die Homberger Erich-Kästner-Schule, die Carl-Bantzer-Schule in Ziegenhain, die Melanchthon-Schule Steinatal und die Steinwaldschule in Neukirchen. Der Landkreis unterstützt finanziell. 800 Plakate werden gedruckt. Die ersten wollen die Schüler am Mittwoch in Neukirchen und Homberg verteilen. Ende der Woche soll in jedem Homberger Geschäft ein solches Plakat hängen. „Wir wollen zeigen: Da steht eine ganze Stadt dahinter“, sagt Thomas Schattner.

Einsatz für tolerante Gesellschaft

Die Aktion der Schüler gegen die Hetzplakate der Partei „Die Rechte“ ist keine Alltagsfliege. Darin sind sich die Lehrer und Mitarbeiter der Kreisverwaltung einig. „Es ist genial, solche Schüler zu haben“, sagte Tom Werner bei der Vorstellung der Gegen-Plakate. Und es zeige einmal mehr, dass Jugendliche sich Gedanken machen, dass sie spüren, wenn etwas nicht in Ordnung ist. 

Sie wollen den Rechten symbolisch etwas entgegenhalten und sich einsetzen. Als Lehrer Thomas Schattner seinen Schülern am Donnerstagabend eine E-Mail schickte, und sie bat, sich an dem Projekt gegen Rechts zu beteiligen, mussten die Jugendlichen nicht lange überlegen. Sie alle arbeiten freiwillig in der AG „Schule ohne Rassismus“ mit. 

45 Schüler sind an der Homberger Theodor-Heuss-Schule in der Arbeitsgruppe vertreten. „Wir versuchen, uns einzusetzen“, sagen sie. Für den 16-jährigen Makram Nakad war die Mitarbeit am Plakat etwas ganz Besonderes. Er ist erst seit drei Jahren in Deutschland. „Es ist schön, dass man sich in Deutschland gegen so etwas engagieren kann“, berichtet er. 

Protest auch auf Instagram

Gemeinsam entwickelten die Schüler das Plakat mit der Aufschrift „Rechtsextremismus ist unser Unglück! Schluss damit!“. In hebärischen Buchstaben steht groß Schalom (Frieden) geschrieben und weiter: „Für eine freie, offene, solidarische und tolerante Gesellschaft!“ Es sei wichtig, was die Schüler das angestoßen hätten, sagte THS-Schulleiter Dr. Ralf Weskamp. So wurde aus der Aktion der Jugendlichen eine Initiative. Fünf Schulen – ein Plakat. Auf ihrer Instagram-Seite wollen die Jugendlichen weiter über die Initiative berichten. Sie ist unter dem Begriff „sor.hessen“ zu finden. 

Das Engagement der Schüler sei notwendig, betonte Kreissprecher Stephan Bürger. Es könne nicht sein, dass in der Politik nichts gegen rechte Tendenzen getan werde, fügte Dieter Goldmann, Schulleiter der Homberger Erich-Kästner-Schule an. Unterdessen wollen Lehrer und Schwalm-Eder-Kreis, weitere Mitstreiter für die Aktion finden. Eine Lawine kann man nicht aufhalten, sagte Lehrer Thomas Schattner.

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