Beratungsstellen helfen weiter

Schuldenlast privater Haushalte steigt weiter

Schwalm-Eder. Ratenkäufe und Smartphone-Verträge mit vermeintlich günstigen Konditionen treiben Menschen in immer größere finanzielle Abhängigkeiten.

Diese Entwicklung beobachten sowohl die Schuldnerberatung der Verbraucherzentrale als auch die Arbeiterwohlfahrt (Awo). Sie teilen sich die Aufgabe nach Gemeindegebieten im Schwalm-Eder-Kreis und bieten kostenlose Hilfe an.

War die große Mehrzahl der Hilfesuchenden 2010 durchschnittlich mit bis zu 2500 Euro in der Kreide, sah sich die größte Gruppe der Schuldner im vergangenen Jahr mit Verbindlichkeiten von 10 000 Euro bis 25 000 Euro konfrontiert. Auch die Zahl der Schuldner ist über die Jahre angestiegen.

Die beiden Schuldnerberatungsstellen beschäftigten sich im vergangenen Jahr mit zusammen 1300 Fällen. Zum Vergleich: 2010 waren es bei der Awo noch 1086.

„Ein großes Problem sind Ratenkäufe mit einer so genannten Null-Prozent-Finanzierung“, sagt Anke Hensel von der Verbraucherberatung in Borken. Die Raten seien verlockend klein, so dass Verbraucher leicht mehrere Verbindlichkeiten eingehen, ohne die Gesamtrate im Blick zu behalten. Eine finanzielle Schieflage sei schnell die Folge. Zu den häufigsten Ursachen für eine Überschuldung gehören niedrige Einkünfte, Arbeitsplatzverlust, Krankheit und Scheidung. Wenn die Höhe der Verbindlichkeiten und die Zahl der Gläubiger immer weiter anwachsen, finden die Schuldner allein nicht mehr aus dieser Falle heraus, schildert Ulrich Bayer von der Awo die Situation.

Bedenklich gestiegen ist auch die Anzahl der offenen Forderungen pro Haushalt. Der Durchschnitt der Schuldner habe es mit zehn bis 20 Gläubigern zu tun, erklärt Anke Hensel. In einem Fall habe man sich bei der Awo sogar mit 110 Gläubigern beschäftigen müssen, erklärt Ulrich Bayer.

Rubriklistenbild: © jens Büttner/dpa

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