Förderprogramm im Gespräch

Keine Angst vor Abriss: Schwalm-Eder-Kreis will alte Ortskerne fördern

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Alte Kerne sind die Visitenkarten der Orte, sagt Neuentals Bürgermeister Dr. Philipp Rottwilm.

Leerstand betrifft wohl jedes Dorf im Schwalm-Eder-Kreis. Den Politikern bereitet das Sorge. Um Ortskerne zu stärken, haben sich SPD und FWG für ein Förderprogramm eingesetzt. 

Die beiden Parteien machten sich im Kreistag dafür stark. Und: Das Förderprogramm könnte es tatsächlich demnächst geben, denn fast alle Fraktionen sprachen sich für diesen Vorstoß aus. Weil es noch offene Fragen gab, soll die der Ausschuss für ländlichen Raum klären.

„Die alten Kerne sind die Visitenkarte der Orte“, sagte Dr. Philipp Rottwilm (SPD). Doch oft herrsche dort Leerstand, gebe es eine ausgedünnte Grundversorgung und teils rückläufige Bevölkerungszahlen. „Junge Familien ziehen in Neubaugebiete an den Ortsrand“, so Rottwilm. Mit einem Förderprogramm könne man den Wohn- und Wirtschaftsraum stärken. 

Generationenübergreifende Treffpunkte durch Freiräume 

Konkret; „Baulücken schließen und da, wo Schrottimmobilien stehen, dafür sorgen, dass Neues geschaffen wird.“ Nicht nur Sanierung, auch Abriss sei möglich. Durch das Schaffen von Freiräumen in den Orten könnten neue, generationenübergreifende Treffpunkte entstehen – Dorfplätze, Backhäuser. 

„Um alte Mittelpunkte wieder zum Herzen der Städte zu machen.“ Leerstand könne ein ganzes Dorf entwerten, sagte Landrat Winfried Becker (SPD). Auch, wenn sich viel getan habe, so müsse der Denkmalschutz mehr möglich machen. 

Leerstand: Viele Hauseigentümer nicht in der Lage, Gebäude zu sanieren

Man sollte aber noch mehr Lösungen anbieten, betonte Prof. Dr. Ludwig Georg Braun (FDP). Denn viele Hauseigentümer seien nicht in der Lage, die Gebäude zu sanieren. „Wir müssen neu denken und stimmen deshalb zu“, sagte Marcel Breidenstein (Grüne). Dabei dürfe man keine Angst vor Abriss haben. „Flächenverbrauch und Versiegelung können wir uns nicht mehr leisten.“ Und: Man dürfe nicht nur neue Baugebiete ausweisen, betonte Lothar Kothe (FWG).

Obwohl seine Fraktion alle Bemühungen begrüße, die den ländlichen Raum fördere, gebe es noch Informationsbedarf, so Michael Schär (CDU). Wer soll antragsberechtigt sein? Woher kommt das Geld? Welche Förderprogramme gibt es? Das alles soll nun der Ausschuss klären.

Gegen Leerstand vorgehen

Weil in vielen Orten des Landkreises mit weiterem Leerstand zu rechnen ist, forderten SPD und FWG den Kreistag auf, ein Förderprogramm zur Stärkung alter Ortskerne zu beschließen. Ziele: Zukunftsweisende Gebäudeoptimierung (Barrierefreiheit, energetische Sanierung, kleinere Wohneinheiten), Schaffung von Freiraum, Grünflächen und Orten der Kommunikation, Investitionen in Grundversorgung, Ansiedlung von Handwerk und Handel, Schaffung von Wohnraum.

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