Kreis investierte 1,6 Millionen Euro

Notfall-Leitstelle steht seit 2017 fertig in Homberg - Sie ist aber nicht einsatzbereit

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Eine der landesweit modernsten Notfall-Leitstellen steht seit Januar 2017 fertig in Homberg. Sie ist aber noch immer nicht einsatzbereit.

Eine der landesweit modernsten Notfall-Leitstellen steht seit Januar 2017 fertig in Homberg. Doch niemand arbeitet an den Tischen, Computern und Bildschirmen.

Denn der technischen Kulisse fehlt die Software, die den Computern Leben einhaucht.

Es ist das Land Hessen, das es offensichtlich nicht schafft, seinen Teil der Ausstattung zu liefern. Zerschlagen hat sich die anfangs optimistische Annahme von Landrat Winfried Becker, das Land werde die Technik bis April/Mai 2017 liefern. Dann hieß es, im Dezember werde die Software installiert. Doch abermals passierte von Landesseite nichts. Nach wie vor müssen die Mitarbeiter die Einsätze von der fast 18 Jahre alten, überholten Leitstelle aus koordinieren. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Nach wie vor herrscht Stille in der neuen, 1,6 Millionen Euro teuren Leitstelle.

Es seien vergaberechtliche Gründe, auf die die Verzögerung zurückzuführen sei. Dazu komme, dass eigene Software für die speziellen Bedürfnisse der Leitstellen beauftragt und entwickelt werden mussten. Inzwischen sei das Kommunikationsbediensystem fertig und in der Testphase. Sobald dies abgeschlossen sei, werde die Endversion in der Leitstelle des Landkreises installiert, sagte ein Sprecher des Innenministeriums.

Überrascht zeigt sich der Landrat darüber, dass „die Software immer noch nicht reibungslos läuft und in unsere Leitstelle installiert werden kann.“ Er sei, ebenso wie die Bediensteten der Leitstelle, unzufrieden und erwarte einen klar umrissenen Zeitplan, der eingehalten werden müsse. „Schließlich haben wir alle Auflagen des Landes seit Jahren erfüllt. Nun ist das Land in der Pflicht.“

Nach zwei Jahren Ungewissheit scheint Bewegung in die Sache zu kommen. Am Montag hieß es aus dem Kreishaus, der Schulungstermin sei für den 26. bis 28. März festgelegt. Wann allerdings die Software installiert wird, konnte der Sprecher des Innenministeriums nicht sagen.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Software für neue Notfall-Leitstelle fehlt

Wann wird die Software in der neuen Leitstelle eingerichtet und wann sollen die Schulungen der Disponenten beginnen?

Die vom Land Hessen beauftragte Firma Conet entwickelt die zum Betrieb notwendige Software neu. Wann die finale Version vorliegen wird, konnte uns bisher weder das Land Hessen, noch die Firma Conet verbindlich mitteilen, sagt Kreissprecher Stephan Bürger. Die Schulung der Mitarbeiter soll nach neuester Planung der Firma Conet in der Woche vom 26. bis 28. März stattfinden. 

Warum dauert es so lange, bis die Software kommt? 

Das Land Hessen hat dem Landkreis erklärt, dass es aus vergaberechtlichen Gründen zu den Verzögerungen gekommen sei, erklärt Kreissprecher Stephan Bürger. Als die beauftragte Firma Conet im September 2016 ihre Lösung im Landkreis vorstellte, wurde klar, dass die Software erst fertig sein muss, um von den Leitstellen verwendet werden zu können. Dabei kam es nach Angabe des Landes immer wieder zu technischen Problemen. 

Wann sollte die neue Leitstelle ursprünglich einsatzbereit sein?

In einem Schreiben vom 25. Februar 2013 hat das Hessische Innenministerium mitgeteilt, dass es beabsichtigt, die Leitstelle Schwalm-Eder mit fünf Leitstellenarbeitsplätzen sowie mit Telekommunikationstechnik auszustatten. Die Digitalfunktechnik für die Leitstelle Schwalm-Eder sollte zum August 2014 kommen. Nach Planung und Bau war die Leitstelle im Frühjahr 2016 fertig. Der Schwalm-Eder-Kreis habe seine Aufgabe erfüllt, sagt Bürger. Deshalb falle es dem Landkreis seit geraumer Zeit schwer, für die immer neuen Komplikationen und Verzögerungen Verständnis aufzubringen.

Wie reagieren die Mitarbeiter der Leitstelle auf die Verzögerung? 

Beschwerden über den noch notwendigen Einsatz der alten Software gibt es aus dem Kreis der Beschäftigten nicht. Das System läuft stabil. Die Mitarbeiter der Leitstelle würden die neue Software in der neuen Leitstelle aber lieber heute als morgen in Betrieb nehmen. 

Wird der Betrieb durch die Verzögerung beeinflusst oder behindert? 

Der Betrieb wird im üblichen Tagesgeschäft bisher durch die Verzögerung nicht behindert. Sollte es jedoch gravierende Störungen bei der bisher eingesetzten, landeseigenen Kommunikationstechnik geben, wird es nach Auskunft der Landestechniker kaum möglich sein, die Fehler zu beheben, da passende Ersatzteile aufgrund des Alters der Hardware nicht mehr verfügbar sind, erklärt der Landkreissprecher. Das berge durchaus ein gewisses Risiko, sagte Bürger. Bei Unwetter- oder größeren Schadenslagen wird sich der Betrieb in der neuen Leitstelle deutlich einfacher abwickeln lassen. Dort stehen fünf gleichwertige Arbeitsplätze unmittelbar nebeneinander zur Verfügung. Dadurch wird die Annahme von sehr vielen Notrufen zur gleichen Zeit wesentlich einfacher abzuwickeln sein.

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