Ein Besuch bei Hengstenberg in Fritzlar

So kommt das Kraut vom Feld bis in die Dose

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Sie ist das Herz der Fritzlarer Sauerkrautfabrik: die Annahme. Hier wird der Kohl vom Anhänger auf das Laufband gekippt. Andrea Siebeneicher und ihre Kollegen von der Qualitätskontrolle prüfen stichprobenartig, ob mit dem Gemüse alles stimmt. 

Herbst ist Sauerkrautzeit. Bei Hengstenberg in Fritzlar läuft die Produktion auf Hochtouren. Wir erklären den Weg des Kohls vom Feld bis in die Dose.

Die Kohlköpfe kullern an Andrea Siebeneicher vorbei. Sie sticht mit der Gabel kräftig zu und wuchtet einen vom Förderband. Bis zu sechs Kilo sind die Kohlköpfe in dieser Kampagne schwer. Eine Folge des regnerischen Sommers. Der Kohl hat viel Wasser gezogen.

1. Die Annahme (siehe Bild oben)

Sie ist das Herzstück der Fabrik. 20 Fuhren Kohl kommen derzeit täglich bei Hengstenberg in Fritzlar an. Geliefert wird montags bis samstags von 6 bis 22 Uhr. Pro Fuhre müssen Siebeneicher und ihre Kollegen von der Qualitätskontrolle 15 Kohlköpfe prüfen. Wenn Farbe, Form, Gewicht und Qualität passen, rollen sie weiter in die Fabrik.

2. Der Einschnitt

Der Einschnitt: Die Mitarbeiter bringen die Kohlköpfe in die richtige Position.

Hier trennt sich der Kohl. Auf drei Linien geht es in die Schneidemaschine. Im Jahr 2011 hat Hengstenberg die neue Technik eingeführt. Zwei Mitarbeiter bringen die Köpfe in die richtige Position. Der Rest geht automatisch. Der Strunk wird rausgestanzt, immer und immer wieder: 500 Tonnen müssen am Tag verarbeitet werden.

3. Die Schneidemaschine

Frisch geschnitten: Kopf um Kopf wird der Kohl in der Fabrik zerkleinert.

Hier geht es ans Eingemachte. Der Kohl wird klein geschnitten. Von dort geht es auf dem Förderband weiter in die 65 bis 70 Tonnen fassenden Silos. „Der Kohl nimmt einen weiten Weg, bis er in der Dose ist“, sagt die kommissarische stellvertretende Werksleitung Ilona Overbeck.

4. Die Silos

Der Greifarm packt zur: Nach fünf bis zehn Tagen wird das Sauerkraut aus den Gärsilos geholt.

Hier bekommt das Gemüse Ruhe. Fünf bis zehn Tage liegt der Kohl im Salzwasser und gärt. Milchsäurebakterien verarbeiten ihn zu Sauerkraut. Er wird luftdicht eingeschlossen und stündlich kontrolliert. Wenn der perfekte Reifegrad gekommen ist, hat der große Greifarm seinen Einsatz: Er holt das Kraut aus den Silos und schickt es weiter auf die Reise durch die Fabrik.

5. Die Abfüllanlage

Die Dosen rattern im Sekundentakt über das Laufband: Eine Maschine befüllt sie mit Sauerkraut.

Es gibt nicht eine Abfüllstelle, es gibt gleich fünf. Binnen Sekunden rattern hunderte mit Sauerkraut gefüllte Dosen über ein Laufband. 16000 Dosen werden in einer Stunde gefüllt. Mit dabei der Klassiker, der Kassenschlager, wie Overbeck sagt: die Dose mit sechs Portionen. Die überschüssige Flüssigkeit wird aus den Gebinden gepresst. Dann noch der Deckel drauf und ab geht es eine Etage tiefer in den Pasteur.

6. Der Pasteur

Jetzt wird es heiß: Es geht eine Runde in den Pasteur.

Dort geht es heiß her. Wie heiß, das möchte Ilona Overbeck lieber nicht sagen. Betriebsgeheimnis. Fest steht: Dahinter steckt jahrelange Erfahrung. Der Pasteur ist wie ein großer Einkochapparat. So wird das Sauerkraut haltbar gemacht. Jede Dose muss einmal da durch.

7. Die Etiketten

Schlussspurt: Auf den letzten Metern in der Fabrik bekommt jede Dose ihr Etikett verpasst.

Schlussspurt in der Fabrik an der Pappelallee: Für das Sauerkraut sind es jetzt nur noch wenige Meter. Jetzt bekommen die Dosen ihre Etiketten. Um diese aufzubringen, werden die Dosen mit Leim versehen. Die Dosen ziehen das Etikett aus der Halterung. Ist das geschafft, muss das Kraut noch verpackt und verladen werden. Von Fritzlar aus geht das Sauerkraut in die ganze Welt.

Fabrik in Zahlen: Landwirte liefern von Montag bis Samstag

3 Schichten werden im Hengstenberg-Werk Fritzlar gefahren. Gearbeitet wird damit rund um die Uhr.

20 Kilometer ist der Umkreis groß, aus dem der Kohl kommt. Er stammt ausschließlich von Landwirten aus der Region.

85 Mitarbeiter ist die Stammbelegschaft in Fritzlar stark. Es kommen 250 bis 300 Saisonkräfte hinzu. Die Sauerkrautkampagne geht von Ende August bis März, wie Hengstenberg mitteilt.

Hintergrund: Das Unternehmen Hengstenberg

Das Familienunternehmen Hengstenberg wurde 1876 gegründet und hat seinen Stammsitz in Esslingen in Baden-Württemberg. 500 Mitarbeiter arbeiten an den drei Standorten Esslingen, Fritzlar und Bad Friedrichshall.

Hergestellt werden Sauerkraut, Rotkohl, Essig, Gurken und Gemüsekonserven. Die Firma exportiert in mehr als 40 Länder. Sie stellt auch Senf und Tomatenprodukte her. Insgesamt umfasst das Sortiment mehr als 140 Artikel.

1932 brachte Hengstenberg das weltweit erste pasteurisierte Sauerkraut auf den Markt. Das Sauerkraut in der Dose oder im Beutel ist noch immer der Kassenschlager des Familienunternehmens.

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