Wildpark Knüll

Tierparkleiter: „Im Umgang mit Tieren fehlt oft der Respekt“

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Weiß, wann Tiere Nähe zu Besuchern suchen und wann sie ihre Ruhe brauchen: Dr. Wolfgang Fröhlich, Leiter des Naturzentrums Wildpark Knüll, mit zwei Luchsen.

Schwalm-Eder-Kreis. Für die deutschen Zoos war 2016 ein unruhiges Jahr. „Aggressive Angriffe auf Tiere gab es bei uns nicht", sagt Dr. Wolfgang Fröhlich, Leiter des Wildparks Knüll.

In Duisburg schlug ein Mann mit einem Regenstock auf einen Elefanten ein. Tierpfleger beschwerten sich über Aggressivität von Besuchern gegenüber Tieren. Im Wildpark Knüll sei solche Aggression nicht vorgekommen, so Fröhlich.

Kleinere Vorfälle, wo Besucher Waschbären mit Steinchen bewerfen, kenne Fröhlich auch. Was es zudem im Wildpark des Öfteren gebe, sei ein unbedarftes, unwissentliches Stressen von Tieren. Das passiere zum Beispiel, wenn Kinder ein Tier im Streichelzoo hetzen, damit sie es auf den Arm nehmen können.

Eine Kritik, die eine Biologin im Zuge der Vorfälle in Zoos geäußert hat: Die Menschen haben das Gefühl für die Tiere verloren. Diese Meinung teilt Fröhlich. Mit einem Zusatz: „Das Gefühl ist im Positiven wie im Negativen verloren gegangen - einerseits kümmert man sich mehr um Haustiere als um Menschen, andererseits fehlt Tieren gegenüber jeglicher Respekt.“

Das Gefühl für die Natur und Tiere näherzubringen, sieht Fröhlich gerade als Aufgabe von Tierparks an. Der wichtigste Bestandteil: die Erwartungshaltung, mit der Menschen in den Zoo gehen. Für ihn sollte ein Zoobesuch kein Event sein, sondern eine Suche nach Ruhe. „Der Besucher darf nicht davon ausgehen, dass er von den Tieren unterhalten wird. Man muss sich selbst mit ihnen beschäftigen“, erklärt Fröhlich. Das gelte auch, wenn die Tiere nicht zu sehen seien oder sich nicht bewegten. Schließlich bräuchten die Tiere, genauso wie wir Menschen, Zeit, um sich zurückzuziehen. Der richtige Umgang mit Tieren fange damit an, dass die Besucher den Tieren gegenüber Respekt zollten. „Wenn man sie als Mitgeschöpfe anerkennt, kann man abschätzen, was es in einem Tier auslöst, wenn ich etwas Bestimmtes mache“, sagt Fröhlich. Tipps zum richtigen Verhalten mit freilaufenden Tieren lesen sie unten.

Tiere nicht Stressen 

Gerade bei freilaufenden Tieren sei die Gefahr groß, sie - auch ohne Absicht - zu stressen, sagt Wolfgang Fröhlich, Leiter des Wildparks Knüll. Er gibt praktische Tipps, wie man richtig mit den Tieren umgeht.

Was sind typischen unbewussten Fehler? 

Drei klassische Fälle kennt Wolfgang Fröhlich: Dass Jungtiere durch Besucher von ihrer Mutter oder der ganzen Herde getrennt werden.

Dass gerade Kinder ein Tier hetzen, weil sie es unbedingt streicheln wollen. Und dass Besucher ein Tier aus der Nähe betrachten wollen, direkt auf es zumarschieren und es dadurch verscheuchen.

An welche anderen Regeln sollte man sich halten? 

Eine einfache, aber wichtige Richtlinie sei es, auf den Wegen zu bleiben. Denn die Tiere bräuchten dringend ihre Rückzugsorte und die Chance zu flüchten. Zudem handele es sich, auch wenn so manches Jungtier noch so niedlich sei, um Wildtiere. Und die könnten auch unvorhersehbar reagieren. Wer kleine Steine werfe oder an Glasscheiben klopfe, füge den Tieren ebenfalls Stress zu.

Wie kann man sich als Besucher mit Tieren beschäftigen, die vermeintlich nur rumliegen? 

Wolfgang Fröhlich rät: Sich Zeit nehmen und das Tier mit allen Sinnen erfahren. „Man kann sich fragen: Wie schön oder hässlich finde ich das Tier? Wie riecht es in dem Gehege? Was für Geräusche macht das Tier? Warum könnte das Tier gerade ruhen?“, gibt der Leiter des Wildparks Tipps. Wenn man dazu Fragen habe, könne man Tierpfleger ansprechen oder sich im Internet schlau machen.

Wie verhält man sich am besten, wenn man ein Tier vom Nahen erleben will? 

!Mit Futter kann man die Tiere am leichtesten anlocken. Man sollte ruhig sein, das Futter zum Tier halten und abwarten. Es gilt: Das Tier muss auf den Menschen zukommen, nicht umgekehrt. „Die Tiere wissen selbst, ob sie etwas fressen möchten oder nicht“, erklärt Fröhlich. Aber in jedem Wildpark oder Zoo fände man garantiert ein Tier, das gefüttert werden möchte.

Hintergrund

  • Der Wildpark: Im Wildpark Knüll leben vier freilaufende Tierarten. In Gehegen leben unter anderem Wildschweine, Luchse und Wölfe. Außerdem leben im Wildpark drei Bären, die derzeit ihren Winterschlaf halten. 
  • Öffnungszeiten: Der Wildpark ist im Januar nur samstags und sonntags von 10 Uhr bis zum Einbruch der Dämmerung geöffnet. Ab dem 1. Februar aber ist der Wildpark wieder täglich ab 10 Uhr geöffnet. Täglich außer Freitags finden ab 15 Uhr öffentliche Fütterungen statt.
  • Eintritt: Der Eintritt kostet für Drei- bis 16-Jährige 2,50 Euro, ermäßigt bei vier Euro und bei sechs Euro für Erwachsene.

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