Veranstalter nutzen Mehrweg

Viele Gäste, viel Müll: Regionale Festivals wollen Plastik vermeiden

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Viel Müll: Regionale Festivals wollen Plastik vermeiden.

Mitreißende Musik, das Gefühl einer großen Gemeinschaft, Entspannung und Feierlaune pur – Festivals versprühen eine ganz besondere Atmosphäre.

Doch jeder Fan weiß: Auch Müll, leere Becher und überfüllte Dixi-Toiletten gehören häufig dazu. So auch bei Rock am Stück in diesem Jahr. 

Dort beschwerten sich einige Besucher über schmutzige Toiletten auf dem Festivalgelände. Wir haben regionale Festivalveranstalter gefragt, wie sie mit diesen Herausforderungen umgehen.

Vor allem das Sauberhalten der Toiletten entpuppt sich – je länger das Festival dauert – als Mammutaufgabe. Um es etwa 4000 Gästen so angenehm wie möglich zu machen, haben die Veranstalter des Geismarer Festivals Rock am Stück 112 Dixis, zwei Behinderten-WCs und sieben Urinale aufgestellt. Laut Michael Döring vom Veranstaltungsteam gab es fast ein Drittel mehr Toiletten als im Vorjahr.

 „Weil wir an der Papiermühle keinen Wasseranschluss haben, können wir keinen Toilettenwagen bereitstellen“, erklärt Döring. Die Dixis würden aber jeden Morgen geleert. „Wer doch mal eine ganz normale Toilette benötigt, kann den kostenlosen Shuttlebus zum Schwimmbad benutzen.“

Keine chemischen Toiletten

Die Veranstalter des Welferöder Hochlandrocks verzichten auf chemische Toiletten. „Bei uns gibt es einen großen Toilettenwagen und Waschbecken“, sagt Pressesprecher Michael Freund. 

Auch der Kulturverein Fritzlar stellt während seiner Veranstaltungsreihe Fritzlar vor dem Dom einen Toilettenwagen auf. „Für Rollstuhlfahrer gibt es WCs im Rathaus“, sagt die Vorsitzende Jutta Schröder-Wagnitz.

Standard auf vielen Festivals: Die Dixi-Toilette.

Wo viel Bier, Cola, Wasser und Wein fließt, sind viele Becher notwendig. Alle Veranstalter wollen die Ausgabe ihrer Getränke möglichst umweltschonend gestalten. Chris Umbach, Pressesprecher des Musikschutzgebiets in Hombergshausen, erklärt: „Wir haben bislang Plastik-Mehrwegbecher benutzt, überlegen aber, auf nachhaltige Bambusbecher und Tassen aus Emaille umzusteigen.“ 

Ohnehin werde Nachhaltigkeit bei der Organisation des Musikschutzgebiets ganz groß geschrieben, so Umbach. „Wir achten darauf, Essen aus der Region zu verkaufen und haben Müllpfand eingeführt.“ Das Festivalgelände befinde sich schließlich im Naturschutzgebiet, daher sähen sich die Veranstalter auch in einer erzieherischen Position.

Mehrwegbecher werden bei Rock am Stück nicht benutzt. „Unsere Plastikbecher werden aber aus Maisstärke hergestellt und zersetzen sich daher“, sagt Döring. An noch besseren Lösungen sei das Team aber interessiert und befinde sich deswegen immer wieder in Gesprächen mit dem Getränkehändler.

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Keramik nur im Backstage-Bereich

„Wir benutzen beim Hochlandrock Pappschalen und Mehrwegbecher aus Plastik“, sagt Freund. Aus Sicherheitsgründen könne Plastik nur im Backstage-Bereich durch Keramikbehältnisse ausgetauscht werden. Schröder-Wagnitz lobt die Besucher von Fritzlar vor dem Dom: „Wir brauchen kein Pfandsystem.“ Alle Teller, Gläser, Messer und Gabeln würden selbstständig zurück an die Stände gebracht. Plastikmüll entstehe nur durch verpackte Lebensmittel.

Dass es während einer kulturellen Veranstaltungsreihe leichter ist, alles sauber zu halten als bei einem Rockfestival, ist allen klar. Trotzdem sind sie sich einig: Am Ende sollte jedes Festival so nachhaltig und umweltschonend wie möglich sein. 

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