Steigende Corona-Infektionen

Erweitertes Wechselmodell gekippt: Keine weiteren Schüler

Sind ab Montag die Schulen geschlossen? Das erfuhren die Schüler der Erich-Kästner-Schule Homberg und ihre Lehrer mal wieder sehr kurzfristig. Diese ständige Planungsunsicherheit sei katastrophal, sagt Schulleiter Dieter Goldmann.
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Sind ab Montag die Schulen geschlossen? Das erfuhren die Schüler der Erich-Kästner-Schule Homberg und ihre Lehrer mal wieder sehr kurzfristig. Diese ständige Planungsunsicherheit sei katastrophal, sagt Schulleiter Dieter Goldmann.

Am Donnerstagnachmittag entschied die Landesregierung, das ab Montag geplante Wechselmodell an Schulen zu kippen. Wir haben Meinungen dazu eingeholt.

Schwalm-Eder – Es wird keine weitere Öffnung von Schulen geben. Das hat das hessische Corona-Kabinett gestern entschieden. Die Schüler ab der Jahrgangsstufe 7 sollen nicht – wie zunächst angedacht – ab 22. März für mindestens einen Präsenztag pro Woche in die Schule kommen, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU).

Noch während das Corona-Kabinett darüber beriet, wie es mit der Öffnung der Schulen weitergehen soll, teilte Landrat Winfried Becker (SPD) mit, dass er die Notbremse ziehen und es keinen erweiterten Präsenzunterricht ab der siebten Klasse an den Schulen im Landkreis geben werde. Er sei froh, dass die Landesregierung so entschieden habe, denn das Ziel müsse eine landesweit einheitliche Regelung sein, so Becker am Donnerstagabend.

Die 7-Tage-Inzidenz ist in dieser Woche im Schwalm-Eder-Kreis von 35 auf 50 gestiegen. Und: Hessen hat die 100er-Marke überschritten.

Der Landrat über die Entscheidung zum geplanten Wechselmodell

Der Landkreis unterstützt die Entscheidung des Landes. Anderenfalls hätte er die Umsetzung der Ausweitung des Präsenzunterrichts untersagt. Auch im Schwalm-Eder-Kreis steige die Inzidenz und auch die britische Mutante werde häufig nachgewiesen, so Becker.

Um überhaupt weitere Lockerungen an den Schulen zu ermöglichen, seien laut Landrat Winfried Becker gleich mehrere Dinge nötig. Nicht nur die Inzidenz müsste sinken, sondern auch regelmäßige Schnelltests sollten in den Schulen angeboten werden sowie der Wechselunterricht mit halbierten Gruppengrößen durchgängig umgesetzt werden.

Wechselmodell gekippt: Corona-Infektionen steigen

Das Land Hessen habe gegenüber den Schulträgern erklärt, dass die regelmäßige Testung an Schulen durch das Land Hessen organisiert werde. Der Landkreis setze derzeit keine zusätzlichen Schutzvorkehrungen an den Schulen um. Diese seien gut vorbereitet. „Das landesweit gültige Hygienekonzept 7.0 wird an den Schulen des Kreises umgesetzt.“

Im Schwalm-Eder-Kreis sei, für die vergangenen vier Wochen festzustellen, dass circa 70 Prozent der Infektionen den Personenkreis unter 60 Jahren betreffen. „Hier verteilen sich circa 30 Prozent auf die Altersgruppe zwischen 59 und 50 Jahren, circa 55 Prozent auf die Altersgruppen zwischen 49 und 20 Jahren und circa 15 Prozent auf die Personengruppe unter 20 Jahren“, sagt Becker.

Die Elternvertreter zum Wechselmodell

Der Vorsitzende des Kreiselternbeirats Momme Keim aus Schwalmstadt spricht sich grundsätzlich für den Wechselunterricht an Schulen aus. „Für das Wohl vieler Familien ist es wichtig, dass die Kinder die Schulen wieder besuchen können. Viele sind sehr belastet, andere sorgen sich darum, dass die Kinder in der Pandemie Stoff verpasst haben und fürchten um die Auswirkungen.“ Verständnis habe er aber auch für alle Eltern, die sich vor Ansteckungen sorgten: „Wir müssen die Zahlen sehr genau beobachten.“

Stefanie Gruner begrüßt die Entscheidung des Landes, das Wechselmodell zu kippen. Die Hombergerin ist Mitglied im Kreiselternbeirat und im Schulelternbeirat der Bundespräsident-Theodor-Heuss-Schule (THS) in Homberg. Es bestehe ohnehin schon die Gefahr, dass eine ganze Klasse bei einem Corona-Fall, über die Ferien in Quarantäne gesteckt werden muss, gibt Gruner zu bedenken. Mit dem Wechselmodell wäre die Wahrscheinlichkeit nochmals gestiegen: „Will man das wirklich?“

Die Gewerkschaft über die Zeit nach Ostern

Wichtig sei es, ein Wechselmodell nach den Osterferien umsetzen zu können. Dafür sei es notwendig, die Inzidenz jetzt niedrig zu halten. Bodo Hofmann-Thomschweski vom Kreisverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Melsungen-Fritzlar begrüßte die Aussetzung des Wechselmodells ab Montag daher.

„Vor dem aktuellen Hintergrund der steigenden Inzidenzen wäre es unverantwortlich gewesen, die Schüler wieder vermehrt in die Schulen zu schicken.“

Das gelte natürlich auch für die geplanten Regelungen nach den Osterferien. Es bleibe allen Verantwortlichen nichts anderes übrig, als die Situation zeitnah vor Schulbeginn erneut zu bewerten.

Schulleiter über das zunächst geplante erweiterte Wechselmodell

Fritzlar-Homberg – Präsenzunterricht, Digitalunterricht, Wechselunterricht – die aktuellen Corona-Regeln verlangen Schüler, Lehrern und Eltern viel ab. Ab Montag sollte laut Landesverordnung der Wechselunterricht für einige Jahrgangsstufen ausgeweitet werden. Wir haben bei Schulen im Landkreis nachgefragt, wie sie dem gegenüber gestanden hätten. Ein Überblick.

Schulunterricht: Ursulinenschule Fritzlar

Eine Ausweitung des Wechselunterrichts in den Schulen hätte Jutta Ramisch, Schulleiterin der Ursulinenschule Fritzlar, skeptisch gesehen. „Die Inzidenz steigt auch wieder im Kreis, wir befinden uns hier nicht auf einer isolierten Insel“, sagt sie. Sie plädiere indes für „klare und langfristige Regelungen – die wären für Eltern, Schüler und Lehrer wesentlich sinniger, sagt sie.

Die Lehrer stünden stetig in Habachtstellung. „Sie wechseln von Wechsel- zu Distanz und dann in den Präsenzunterricht.“ Es sei eine belastende Situation für alle. Unterhalb des Kollegiums sehe man sich kaum. „Das Lehrerzimmer ist meistens leer.“ Auch die würden sich einen langfristigen Plan wünschen.

Schulunterricht: CJD Oberuff

„Ich persönlich halte eine erweiterte Schulöffnung für unverantwortlich“, sagt Günter Koch, Schulleiter CJD Jugenddorf-Christophorusschule in Oberurff. Aus diesem Grund hätten er und sein Kollegium einem erweiterten Wechselunterricht ablehnend gegenübergestanden. „Wir würden ein Risiko eingehen, das nicht sein muss“, sagt Koch mit Blick auf die immer weiter um sich greifenden Mutationen.

Er spricht sich dafür aus, den nächsten Schritt auf die Zeit nach den Osterferien zu verschieben, um Lehrer und Schüler zu schützen. Die 80 Lehrer am CJD haben alle 14 Tage die Möglichkeit, sich testen zu lassen und nutzen das Angebot auch. Bisher habe es noch keine positiven Ergebnisse gegeben. Geimpft werden, laut Koch zunächst Lehrer an Grund- und Förderschulen.

 Schulunterricht: Erich-Kästner-Schule

Schulleiter Dieter Goldmann sieht im Wechselunterricht keinen adäquaten Ersatz für Präsenzunterricht. „Es ist wichtig, dass die Schüler direkten Kontakt untereinander und zu den Lehrern haben.“

Die digitalen Voraussetzungen, die technische Ausstattung einiger Familien und der Datenschutz machen Fernunterricht auf die Dauer unerträglich. „Das ist kein Ersatz für Schule.“ Durch Lockdown und Heimunterricht gehe den Schülern viel verloren. „Manche Eltern klagen über Depressionen ihrer Kinder – bis hin zu Suizidgedanken.“  

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