Mit Schweißerschutz zur Sofi: Das Naturschauspiel beobachten viele Menschen im Kreis

Gut ausgerüstet: Volker Karger (links) mit seinem Spiegelteleskop. Dafür interessierte sich auch Franz Drescher. Foto: Meinicke

Homberg/Fritzlar/Gudensberg. „Die Sonne wird zum Mond", sagte staunend die kleine Thaleia, während sie durch ihre Spezialbrille blickt. So wie sie hatten sich viele Menschen auf dem Homberger Burgberg eingefunden, um das seltene Ereignis einer Sonnenfinsternis zu beobachten.

Sie kamen auch aus Kassel, Treysa oder Marburg, wie Bernhard Böttke, der sein PST-Personal Solar Teleskop aufgebaut hatte. Mit einer selbst entwickelten Vorrichtung versuchte er, über sein Tablet die partielle Finsternis bei 35-facher Vergrößerung in Echtzeit zu übertragen.

Das auffälligste Gerät bediente Volker Karger von der Piazza-Sternwarte. Es ist ein 10-Zoll-Spiegelteleskop mit 110-facher Vergrößerung, wie er mit Stolz erläutert. Daneben Franz Drescher, Leiter der Volkshochschule, am H-Alpha-Teleskop mit 50-facher Vergrößerung.

25 Brillen spendiert

Direkt an der Burgmauer hatte sich eine große Gruppe Schülerinnen und Schüler der Theodor-Heuss-Schule eingefunden. Die Schule hatte 25 Brillen für diesen Anlass spendiert. Florian Seiffert hatte sich vom Vater die Schweißerschutzkappe ausgeliehen und damit für sein kleines Objektiv einen Schutz gebastelt. Die Begeisterung steigerte sich, als riesige Protuberanzen am Sonnenrand entdeckt wurden.

Während der Mond langsam vorbeizog, leuchtete das Sonnenlicht deutlich seine beeindruckenden Gebirgsmassive und Kraterlandschaften aus. Wunderbar fand das nicht nur Franz Drescher, der darauf verwies, dass wir uns im „Jahr des Lichtes“, von der UNO ausgerufen, befinden.

2015 häufen sich zahlreiche Gedenktage im Zusammenhang mit der Astronomie. So werde 400 Jahre Galileo ebenso gefeiert wie die Entdeckung der Relativitätstheorie durch Einstein.

Inzwischen war es merklich kühler geworden. Doch der Mond eilte weiter und gab damit die wärmenden Sonnenstrahlen frei. Endlich begannen auch die Vögel wieder zu singen, die sich auf den noch kahlen Baumwipfeln rund um den Burgberg sorgenvoll schweigend versammelt hatten.

In Fritzlar machte der Nebel der Sichtungsaktion einen dunstigen Strich durch die Rechnung: Nur ganz kurz war dort das Naturspektakel zu sehen. Trotzdem hatten die Jungen und Mädchen der Grundschule an den Türmen in Fritzlar großen Spaß auf dem Schulhof und jubelten lautstark, als sie zumindest einen kleinen Schatten vor der Sonne sahen. „Wir werden sehen, wie es sich noch entwickelt“, sagte Schulleiterin Gabriele Wolff. „Wenn es passt, gehen wir dann noch mal klassenweise raus, um zu schauen.“

Im Vorfeld wurden die Kinder durch Filme, Modelle und Erklärungen über dieses Naturschauspiel informiert. Und anschließend wird es nun zum Thema noch einen Vortrag durch Experten der Gudensberger Schulsternwarte geben, zu denen auch Sven Weidmann gehört.

Sonnenfinsternis 2015: Bilder unserer HNA-Leser

Schüler der THS waren nicht nur auf dem Burgberg, sondern auch in Gudensberg, um das Spektakel zu verfolgen. Die Klasse 6c mit Lehrerin Christina Wagner war zu Gast in der Schul-sternwarte. Die Idee dazu hatte Jasmin Vollmer. Doch auch in Gudensberg machte der Nebel dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. Nur kurz waren Sonne und Mond zu sehen. Dafür erfuhren die Schüler viel über Astronomie, von Carsten Stoehr, Mitarbeiter der Sternwarte.

Von Michael Meinicke, Peter Zerhau und Rainer Zirzow

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