Tauchgang im Faulturm Fritzlar -Video

Fritzlar. Ungewöhnliche Gestalten gab es in den vergangenen Tagen in der Fritzlarer Kläranlage zu sehen: Fünf Taucher in orangefarbenen Anzügen waren dort im Einsatz. Denn alle acht bis zehn Jahre muss der Faulturm der Kläranlage geleert werden.

Im unten spitz zulaufenden Faulturm setzt sich im Laufe der Zeit Sand ab, der die Leitungen verstopft und die Pumpen beschädigt. Deshalb die Taucher: Sie müssen diesen Sand mit einem Sauger in totaler Finsternis und 18 Metern Tiefe entfernen.

Eine Woche lang waren die Mitarbeiter einer Spezialfirma aus Wien im Einsatz und arbeiteten im Wechsel jeweils zwischen 50 und 70 Minuten in dem Turm. Die Reinigungsarbeiten übernehmen seit den 80er-Jahren Taucher. Davor musste der Faulturm manuell geleert werden und konnte mehrere Monate nicht genutzt werden.

Kläranlage Fritzlar: Tauchgang im Faulturm

Beim Begriff Tauchen denkt man eher an klare, türkisfarbene Gewässer wie die Malediven mit bunter Unterwasserwelt. Doch das, was die Truppe vom Umwelt-Tauchservice um Anton Ulrich aus Wien macht, ist eine ganz andere Art von Tauchen.

Die fünf Männer stecken in hermetisch abgedichteten Ganzkörperanzügen, auf dem Kopf einen Helm mit Klarsichtscheibe. Doch die nutze bei dieser Arbeit im Faulturm gar nichts, denn dort herrscht vollkommene Dunkelheit. Nichts für Menschen mit Klaustrophobie.

Das Taucherteam macht sich vor den Tauchgängen mit den Örtlichkeiten vertraut, dann geht es auf Tauchstation. Mit einem überdimensionalen Staubsauger leeren sie den Faulturm im unteren Bereich.

Für die Taucher steht die Sicherheit bei diesen Arbeiten im Vordergrund. Der Taucher ist mit einem Stahlseil gesichert, an dem er hinab gelassen und heraufgezogen wird. Dazu gibt es eine Sprechverbindung, über die während der Arbeit kommuniziert werden kann. Über eine weitere Leitung wird der Taucher mit Pressluft versorgt.

Beim Anlegen des Anzugs sind die anderen Taucher behilflich, ebenso beim Ausziehen. Doch bevor der Helm nach dem etwa einstündigen Tauchgang abgenommen wird, gibt es eine kräftige Dusche, um den Anzug vom Schlamm zu befreien.

Frieren wie ein Taucher in einem See müssen diese Spezialisten nicht: Der Inhalt des Faulturms hat auch ohne Heizung immer noch Temperaturen von über 30 Grad.

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