Eine Taufe zum Mitnehmen

Bildhauer schuf Taufbecken aus Holz für Berger-Kirche - Doch es soll nicht nur dort bleiben

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Vier Modelle, ein Sieger: Bildhauer Ernst Groß mit seinen Taufbecken-Modellen. Die Kirche entschied sich letztendlich für das Modell, das Groß in seinen Händen hält.

Ein Taufbecken für die evangelische Kirche im Homberger Stadtteil Berge hat der Bildhauer Ernst Groß angefertigt. Das Becken aus Holz kann auch in anderen Ortsteilen eingesetzt werden.

Überall wo Ernst Groß geht und steht, kritzelt er etwas auf Papier. Irgendetwas regt ihn immer an, bringt ihn auf neue Ideen. So war es auch bei seinem jüngsten Projekt. Der gebürtige Mühlhäuser hat für die evangelische Kirche Berge ein Taufbecken aus Holz gefertigt. 

Das besondere: Es ist transportabel. So können damit auch Kinder in Lembach, Mardorf und Mühlhausen getauft werden.

Ernst Groß hat gesägt, geschmirgelt und lackiert, hat Farben und Öle ausgetestet und viel Arbeit investiert. Am Ende standen vier Modelle eines Taufbeckens, jedes mit einer eigenen Stele und einer anderen Bedeutung: Das eine impliziert Geborgenheit und den Beginn des Lebens, ein anderes zeugt von der Idee, dass ein Mensch durch die Taufe in eine Gemeinschaft von Individuen aufgenommen wird. 

Ein Taufbecken für Berge, Lembach, Mardorf und Mühlhausen

Die Entscheidung für diese Modelle hat sich der Großropperhäuser nicht leicht gemacht: „Eine Idee zu finden, ist ein Prozess.“

Ein Prozess, der vom ersten Gespräch bis zur Umsetzung etwa ein Jahr gedauert hat. Das sei der Kirche bewusst gewesen, berichtet der Künstler, der gelernter Holzschnitzer ist. „Die Entscheidung für Holz ist die Entscheidung dafür, dass die Arbeit lange dauert.“ 

Denn das Taufbecken von Ernst Groß ist aus einem einzigen großen Baumstamm gefertigt. Und der benötigt Zeit zum Trocknen. Wird dem Holz diese Zeit nicht gegeben, so Groß, bekommt es Risse – und könnte im schlimmsten Fall das Wasser nicht halten.

Dass sich der 59-Jährige aber überhaupt auf das Abenteuer Holztaufbecken eingelassen hat, sei der Verbindung zu seinem Heimatort Mühlhausen geschuldet. In Berge wurde er konfirmiert. „Der persönliche Bezug war da.“ 

Darüber hinaus habe er bereits ein Kreuz für die Kirche gefertigt. „Das Kreuz war aber nur ein Symbol. Das Taufbecken ist so viel mehr“, sagt Groß. Damit werde ein Mensch in den Glauben, in eine Gemeinde aufgenommen.

Ein Taufbecken aus Holz für den mobilen Einsatz

Als er die künstlerische Form für sein Taufbecken gefunden hatte, ging es ans Formen. Aus dem frisch geschlagenen Baumstamm einer Linde hat er die Rohform des Beckens gesägt. Dann war viel Geduld gefragt: Etwa ein dreiviertel Jahr musste das Holz trocknen, erst dann konnte es bearbeitet werden. 

Weil dieser Prozess lange dauert, hat Groß von allen vier Modellen auch ein großes Becken angefertigt – die Kirche hatte noch keinen Favoriten.

Damit das Holz geschützt ist, experimentierte der Bildhauer mit einer Menge Öl: „Ich habe Farbproben gemacht“, erzählt er. Und zwar so lange, bis er ein Öl aus Frankreich entdeckte, das perfekt zu seinem Taufbecken passte. Schicht für Schicht wurde das Öl aufgetragen. 

„Man streicht da nicht irgendeinen Lack drauf“, sagt Groß. Es steckt viel Arbeit in dem Taufbecken, das nun in Berge steht. Eine Arbeit, die der Künstler aber gerne gemacht hat. „Sowas macht man vielleicht nur drei Mal in seinem Leben.“

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