1993 wurde aus dem Ziegenhainer Gefängnis ein Mörder mit dem Panzer befreit

Das Taxi aus dem Knast

Ziegenhain. Hinter Mauern ist der Drang nach Freiheit groß: Verbrecher feilen an Gitterstäben, kratzen mit Löffeln Löcher durch die Mauern. Einmalig in der Reihe spektakulärer Gefängnisausbrüche ist die Befreiung eines Mörders mit einem Panzer aus der Ziegenhainer Justizvollzugsanstalt.

„Mörder mit Panzer aus der Haft befreit“ titelte die HNA vor 17 Jahren: Am 4. April 1993 wurde der wegen dreifachen Mordes verurteilte Lothar Luft von einem Komplizen aus dem Gefängnis geholt – mit einem Panzerspähwagen.

Weiterer Artikel

Mauern bebten, Tore knickten ein

Der war zuvor aus der Herrenwaldkaserne in Stadtallendorf gestohlen worden. Den hatte die Bundeswehr bis dahin nicht vermisst. Erst kurz vor dem Gefängnisausbruch wurde der Verlust bemerkt. Für Warnungen war es allerdings zu spät. Das Fahrzeug rollte bereits duch Ziegenhain, als die ersten Funksprüche kamen.

Der Panzer walzte im Ziegenhainer Gefängnis vier Gefängnistore nieder. Luft war zu diesem Zeitpunkt gerade auf Freigang im Hof. Der Dreifachmörder kletterte in den Panzer. Das Fahrzeug fuhr zunächst rückwärts, wendete noch innerhalb der Mauern und jagte gen Alsfeld von dannen. Luft wurde erst Monate später im Elsass gefasst, sein Komplize bereits einige Tage nach der Flucht in Frankfurt.

Von Sylke Grede

Hintergrund: Wussten Sie...

... dass Lothar Luft seine Ehefrau, seine Schwiegermutter und eine Geliebte umgebracht hatte?

... dass Dreifachmörder Lothar Luft mit neuem Haarteil aus dem Knast flüchtete? Er hatte drei Wochen zuvor eine neue Perücke bekommen.

... dass ein Passant für den Panzer auf der Ziegenhainer Landgraf-Philipp-Straße den Verkehr anhielt?

... dass Luft bei seiner Flucht Zahnschmerzen hatte? Der Mörder stieg mit einer dicken Backe in den Panzer.

... dass Lufts Komplize noch nie Panzer gefahren war? Fahrstunden gab’s in der Nacht zuvor: Er hatte sich in der Kaserne einschließen lassen und die Technik getestet.

... dass Lothar Luft vor einigen Jahren in einem Hospiz gestorben ist? Bis dahin saß er in der JVA Kassel.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.