Theatergruppe KultT überzeugte mit Adaption von Schillers „Die Räuber“

Fritzlar. Räuber sorgen in der Fritzlarer Altstadt für Furore: Die Laien-Theatergruppe KultT mit Regisseurin Ulrike Wandelt sorgte am vergangenen Wochenende mit ihrem neuen Stück „Räuber.

Schiller für uns" für zweimal ausverkauftes Haus in der Kulturscheune und wurde an beiden Abenden mit starkem Applaus des Publikums belohnt.

Das Drama von Marlene Skala, das sich an Friedrich Schillers Vorlage anlehnt und viele dessen Charaktere ansatzweise übernimmt, ist eine moderne Version des Klassikers „Die Räuber“. Grundlegende Veränderung: Die Räuber sind ausschließlich weiblich und die Handlung wurde in die heutige Zeit versetzt.

Das als Jugendstück konzipierte Drama ist gesellschafts- und wirtschaftskritisch - und doch geht es letztlich um die menschlichen Eigenschaften und Gefühle wie Liebe, Eifersucht, das Streben nach Freiheit und Selbstbestimmung, die das Handeln der Figuren bestimmen. Aus dem Ruder läuft der Protest gegen verkrustete Strukturen und überkommene Rollen jedoch, als Gewalt ins Spiel kommt und die Protagonisten kriminell werden.

Charlotte Moor (Livia Netjes) ist eine junge, charismatische Frau. Vor Jahren hat sie dem kleinbürgerlichen und spießigen Leben in ihrem Elternhaus den Rücken gekehrt und die Familie im Streit verlassen, ein Politikstudium begonnen, abgebrochen, einen unsteten Lebenswandel geführt und schließlich mit einigen verkrachten Existenzen in einem alten Fabrikgebäude eine Wohngemeinschaft (WG) gegründet.

„Der bürgerliche Muff kann doch nicht mein Leben sein“, klagt sie. Doch sie merkt auch, dass sie in einer Sackgasse steckt und möchte zu ihrem Vater, dem Schriftsteller Maximilian Moor (Roland Richberg), der Schwester Franziska (Christiane Bächt) und dem Geliebten Volker (Alexander Bräutigam), den sie über die Jahren nicht vergessen hat, zurückkehren.

Der Plan wird durch einen Brief der eifersüchtigen Schwester, den diese im Namen des Vaters verfasst hat, vereitelt. Charlotte sei zu Hause nicht mehr erwünscht, steht darin und so bleibt sie in der WG, deren Mitglieder nach und nach kriminelle Energien entwickeln.

Moor wird zu ihrer Anführerin. Schon gerät die Gruppe in einen Sog aus Diebstahl, Cyberkriminalität, Entführung und sogar Mord. Während dessen versucht Franziska aus ihrem tristen, dem Vater geweihten Leben auszubrechen und sich Volker zu nähern. Doch auch dieser liebt noch immer seine Charlotte, spürt sie und die „Räuberbande“ auf und will die Geliebte, die von der Polizei verfolgt wird, zur Aufgabe bewegen.

Es sind starke Charaktere in der modernen Version des Dramas, von der kleinkriminellen Göre Sam (Felicia Malek), über die erfolglose Schauspielerin Nelly (Ulrike Hippmann), die fortwährend Schillers Originaltexte zitiert, die suizidgefährdete Computerspezialistin ET (Alina Griesel) bis hin zur Charlotte Moor. Sie alle stehen ihren klassischen Vorbildern in kaum etwas nach und werden dank der Darsteller zu zerbrochenen Individuen.

„Die Truppe ist während der Proben zu einer Einheit zusammengewachsen und hat aus dem Stück etwas Besonderes gemacht“, sagt die Regisseurin. So sah es auch das begeisterte Publikum.

Das Stück ist an vier weiteren Abenden an den kommenden zwei Wochenenden in der Kulturscheune zu sehen, Restkarten gibt es in der Touristinformation Fritzlar, Tel. 05622/988643. 

Von Christl Eberlein

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