Der Traum vom Frisörberuf: Äthiopien will Ausbildung machen

Setzten sich für die Praktikantin ein: Die Frisöre Nina Gülland, Bärbel Werner und Marion Schuhmacher mit Winta Michael-Fetwi (zweite von rechts). Foto: Thiery

Holzhausen. Sie wuchs in Addis Abeba auf und war auf ein ganz anderes Leben eingestellt, als sie es heute führt. Aktuell ist sie Praktikantin in Holzhausen.

Dass Winta Michael-Fetwi einmal ein Praktikum als Frisörin in Holzhausen in einem schmucken Fachwerkhaus machen würde, erstaunt sie selbst ein wenig.

Die Äthiopierin frisiert mit Freude und hat in dem Betrieb ein Team gefunden, das ihr gern hilft.

Über die Umstände der Flucht möchte die 19-jährige nicht sprechen, zu schlimm sind die Erinnerungen. Ihr Lächeln hat sie trotzdem nicht verloren. Das sei es auch, was Mitarbeiter und Kunden besonders schätzten, sagt Marion Schumacher, Frisörmeisterin vom gleichnamigen Salon in Holzhausen.

„Winta kommt mit ihrer freundlichen Art bei den Kunden gut an, sie ist sehr freundlich, hilfsbereit und sehr geschickt“, sagt sie über ihre Praktikantin aus dem fernen Äthiopien.

Haare waschen und die Kunden begrüßen, das klappe schon sehr gut. Damit es auch mit der Sprache weiter voran geht, ist der Besuch eines Sprachkurses Teil des Programms.

„Es ist einfach eine Aufgabe, die mich erfüllt.“

Vor drei Jahren kam Winta nach Deutschland und lebt seitdem im Landkreis, mittlerweile in einer eigenen Wohnung. Sie absolvierte in den vergangenen Jahren ihren Hauptschulabschluss an der Erich-Kästner-Schule.

Ihr Berufswunsch hat sich damals weiter verfestigt. Sie frisierte den Mädchen in den Gruppen die Haare in ihrer Freizeit und ist auch weiter begeistert dabei. „Sie saugt alles auf wie ein Schwamm“, erzählt Friseurin Nina Gülland. „Es ist einfach eine Aufgabe, die mich erfüllt“, sagt Winta über ihre Leidenschaft, Haare zu schneiden.

Das Praktikum in Holzhausen ist Teil einer Einstiegs-Qualifizierung und enthält wesentliche Elemente des jeweiligen Handwerks, die einzelnen Stationen müssen dokumentiert werden, erzählt die Frisörmeisterin. Wenn alles gut läuft, ist das eine gute Voraussetzung für die Bewerbung.

Fast familiär ist der Rahmen in dem kleinen Frisierstudio, in der Küche wird zusammen gegessen und gequatscht. „Ich bin keine Mutter Teresa“, sagt Marlies Schumacher, „aber ich mache das wirklich gern für Winta.“

Alle geben ihr Bestes, damit die Äthiopierin sich wohl fühlt. „Ich habe sie richtig ins Herz geschlossen.“ Und die Kollegin Bärbel Werner sagt: „Das muss man doch unterstützen.“

Nach ihrem Praktikum will Winta sich für die Ausbildung zur Frisörin bewerben: „Ich bin überzeugt, sie hat eine gute Wahl getroffen“, fügt die Chefin Marion Schuhmacher an.

Von Christine Thiery

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