Mozarts Ideen und Leidenschaft waren Thema des Sinfoniekonzerts in der HWK II

Unglaubliche Vielseitigkeit

Solistin an der Geige: Sarah Spitzer mit der Philharmonie Wernigerode beim Bad Zwestener Konzert. Foto: Auerbach

Bad Zwesten. Mozarts Philosophie und Leidenschaft: Darum ging es beim 3. Sinfoniekonzert mit der Philharmonie Wernigerode und Violinistin Sarah Spitzer am Wochenende in der Kulturhalle der HWK II in Bad Zwesten. Orchester und Solistin produzierten unter diesem Motto zauberhafte Musik.

Aus welchen Ideen des großen Meisters Musik entstand, wäre schön zu wissen. Nur seine Gedanken heute nachzuvollziehen, das fällt meist schwer. Das Publikum jedenfalls erfreute sich an der expressiven Schönheit seiner Kompositionen.

Die programmatische Verbindung der Kleinen Nachtmusik, KV 525 von 1787, mit den beiden Violinkonzerten Nr. 3 und 5, KV 216 und 219 aus dem Jahr 1775, und der Sinfonie Nr. 40, g-Moll, KV 550 von 1788, machte die unglaubliche Vielseitigkeit des damals 19- bis 32-jährigen Mozarts, seine oft überschäumende Lebenslust, aber auch seine besinnlichen und ernsten Seiten hörbar.

Sarah Spitzer bot im enggeschnittenen Konzertkleid eine anmutige Erscheinung und faszinierte mit einem variablen, emotionalen Spiel in beiden Violinkonzerten. Makellos, klar und ausdrucksvoll ließ sie ihre Panormo-Geige strahlen. Mit gezügelter Leidenschaft und kühner Leichtigkeit stürmte sie kontrolliert durch bewegte Passagen. Doppelgriffe, die abrupten Stimmungswechsel und die wilde alla turca – Episode im Finale des KV 219 artikulierte sie prägnant.

Herrlich, ihr warmer, sinnlicher Geigenton in den langsamen Sätzen, von denen die Zuhörer in beiden Konzerten berührt wurden. Souverän, ihr Zusammenspiel mit dem Orchester, das ihr partnerschaftlich zur Seite stand, ihr Solospiel ausgewogen begleitete und gefühlvolle Dialoge bot.

Unter Dirigent Frank Zacher vom Preußischen Kammerorchester Prenzlau, der für den erkrankten Christian Fitzner die Orchesterleitung übernahm, präsentierte sich die Philharmonie Wernigerode als ein exzellenter Klangkörper.

Die Musiker bewegten sich geschmeidig und agierten mit großer Präzision, zupackend und flexibel. 21 Streicher verströmten gleich zu Konzertbeginn mit der unsterblichen Serenade „Eine kleine Nachtmusik“ mozartische Heiterkeit und vollendete Schönheit.

In der großen, viersätzigen g-Moll Sinfonie ließ Zacher vom Orchester tiefes Gefühlsleben und Stimmungen zwischen Licht und Schatten genauso heraus arbeiten, wie eine wunderbare Klangfülle.

Etwas merkwürdig muteten lediglich die beiden großformatigen Bilder von Beethoven an, die die Wand der Kulturhalle zierten. Bei einem Mozart-Abend verwirrte das.

Von Michael Auerbach

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