Urteil des Amtsgerichts in Fritzlar

Verfolgungsjagd mit Polizei: Bewährungsstrafe für Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis

Einsatzfahrzeug der Polizei auf der Straße. (Symbolbild)
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Einsatzfahrzeug der Polizei auf der Straße. (Symbolbild)

Wegen eines verbotenen Autorennens hat das Amtsgericht Fritzlar einen 34-Jährigen aus dem Schwalm-Eder-Kreis zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt.

Schwalm-Eder – Er hat sich eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert: Das Amtsgericht Fritzlar hat einen 34-Jährigen aus dem Schwalm-Eder-Kreis zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt. Sie wird auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Das Gericht bestrafte den Angeklagten auch wegen Straßenverkehrsgefährdung, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, Sachbeschädigung, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Angriffs auf Polizeibeamte sowie „versuchter Zerstörung von Arbeitsmitteln”. Damit ist der Streifenwagen gemeint, auf den der Beschuldigte im April in Borken mit einem Auto zugesteuert war. Es war niemand verletzt worden. Der Verurteilte muss die Kosten des Verfahrens tragen und auf Weisung des Gerichts die beantragte Drogentherapie antreten. Er wird einem Bewährungshelfer unterstellt und bekommt für vier Jahre keine Fahrerlaubnis mehr.

„Ein bunter Strauß von Straftaten – das hätte ganz böse ausgehen können.” So kommentierte Richterin Corinna Eichler das, was passiert war. Ohne Fahrerlaubnis war der Mann mit einem Auto unterwegs. Als er eine Polizeistreife entdeckte, beschleunigte er. Für kurze Zeit hatte er die Beamten abgehängt, dann beschleunigte er und steuerte – so die Staatsanwaltschaft – geradewegs auf die Beamten zu. Nur wegen eines Ausweichmanövers des Schutzmannes wurde ein Zusammenstoß verhindert.

Aufgrund der hohen Geschwindigkeit hatte der Angeklagte zeitweise die Kontrolle über das Auto verloren und beinahe einen Passanten erfasst – so ein weiterer Vorwurf. Die Flucht endete, als das Auto gegen den Bordstein prallte, ein Reifen platzte und die Radaufhängung brach.

„Ich räume alles ein”, sagte der Angeklagte und gab zu, unter dem Einfluss von Haschisch gestanden zu haben. Er wollte vor der Polizei flüchten, weil er keinen Führerschein hatte. Er berichtete, 2010 aus Bulgarien nach Deutschland gekommen zu sein. 2015 sei er Vater geworden. 2017 habe sich seine Frau von ihm getrennt, weil er Haschisch genommen habe. Er wolle weg von den Drogen, um seine Frau wiederzubekommen, sagte er. Zuletzt arbeitete er als Staplerfahrer.

Wie es ihm gelungen sei, die Polizei „abzuhängen”, wollte die Richterin wissen. Die Antwort: „Ich bin schnell gefahren, war flott unterwegs.” Eichler dazu: „Das ist die Verniedlichung des Jahrhunderts. Sie waren auf Kamikazefahrt, die hätte böse ausgehen können.” Er sei froh, dass keine Kinder auf der Straße waren, sagte der Beschuldigte: „Es tut mir leid. Ich bereue es sehr.” Er war bereits fünfmal vorbestraft – unter anderem wegen fahrlässiger Körperverletzung, Drogenmissbrauchs und Fahrens ohne Führerschein.

Wie aus einem Schreiben der Drogenberatung hervorging, hat er bereits an Gesprächen teilgenommen und seit August keine Drogen mehr konsumiert. Ab Dezember gehe er in eine Fachklinik. Bis dahin will er Arbeiten, um Geld für seine Tochter zu verdienen. Die Entziehung sei wichtig, „damit er auf dem Weg bleibt, auf dem er ist”, sagte sein Verteidiger.

Das Gericht folgte mit dem Urteil dem Antrag der Staatsanwältin. Richterin Eichler sagte, von dem Beschuldigten sei „ein gewaltiges Gefährdungspotenzial” ausgegangen. Bei dem Beschuldigten seien „Hopfen und Malz noch nicht verloren.“ (Von Manfred Schaake)

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