Interview mit Dirk Schaller

„Vieles ist jetzt irrsinnig anders“

Dirk Schaller mit den Sängerinnen Saskia Barth (links) und Katja Kaiser, die bei der Reiner-Irrsinn-Show mitmachen. Gemeinsam wollen sie mit ihrer Musik für gute Laune sorgen.
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Dirk Schaller mit den Sängerinnen Saskia Barth (links) und Katja Kaiser, die bei der Reiner-Irrsinn-Show mitmachen. Gemeinsam wollen sie mit ihrer Musik für gute Laune sorgen.

Als singender Friseur im Flokati wurde er bekannt und sorgte bei Großveranstaltung mit seiner Reiner-Irrsinn-Show für Stimmung. Interview mit Dirk Schaller über Auftritte und Verwandlungen

Homberg – Die Corona-Pandemie hat auch Dirk Schaller, alias Reiner Irrsinn, ausgebremst. Und auch sonst ist inzwischen einiges anders – vor allem sieht Dirk Schaller anders aus. Er hat nach einer Magenverkleinerung 82 Kilo abgenommen und trägt jetzt Haare. Ein Gespräch über Veränderungen.

Herr Schaller, was ist es für ein Gefühl, wieder auftreten zu dürfen?
Es sind eher gemischte Gefühle. Ich freue mich sehr darauf, aber ich habe auch die Sorge, dass nach einer so langen Zeit ohne Bühne und Publikum, das Gefühl ein anderes ist. Dass es nicht mehr so ist, wie es einmal war. Aber: Ich bin auf jeden Fall dazu bereit, mich wieder auf den ganzen Wahnsinn einzulassen (lacht).
Woher rührt diese Sorge?
Es hat sich einiges in meinem Leben seit Beginn der Coronakrise verändert. Mir haben die Auftritte anfangs unglaublich gefehlt. Dann kam eine Phase, in der ich mir neue Aufgaben gesucht habe – mit den Plänen für mein Zweithaarzentrum war ich wieder voll in ein Projekt eingebunden. Und wir haben neue Seiten unseres Familienlebens entdeckt, verbringen viel mehr Zeit miteinander. Das ist wunderschön. Vieles ist jetzt irrsinnig anders.
Was ist neu oder anders bei der Irrsinn-Show?
Musikalisch nicht viel. Aber: Die größte Veränderung bin vermutlich ich. Das hört sich komisch an, aber ich habe mich sehr verändert: Nach einer Magenverkleinerung habe ich 82 Kilo abgenommen. Dadurch wirke ich natürlich auf viele Menschen ganz anders, darüber bin ich mir bewusst. Gesundheitlich war es ein wichtiger und richtiger Schritt für mich. Ich trage jetzt auch Haare – ein Haarsystem. Äußerlich erinnert also nicht mehr viel an den alten, dickeren Reiner Irrsinn mit Glatze. Ich hoffe, die Leute akzeptieren diese Veränderung, für mich fühlt es sich gut an, ich habe jetzt viel mehr Lebensqualität. Es geht mir viel, viel besser.
Und wie groß ist das Lampenfieber – auch mit Blick auf die Reaktionen der Fans?
Die Aufregung ist riesig, das Lampenfieber sehr hoch.
Wie viele Auftritte haben Sie Pi mal Daumen normalerweise in einem Jahr?
Eigentlich waren es immer so um die 60 Auftritte pro Jahr, unter anderem auch die HNA-Wiesn und viele Karnevalsauftritte. Dann waren es plötzlich Null und jetzt sind für dieses Jahr 10 bis 15 geplant. Ich hoffe, wir dürfen sie alle spielen.
Wie war die erste Probe mit dem Irrsinn-Team?
Sie ist auf jeden Fall besser gelaufen, als wir alle dachten. Denn niemand aus unserem Team hatte in den vergangenen Monaten die Motivation, musikalisch etwas Neues auszuprobieren. Die Kreativität ist durch das Corona-Aus auf der Strecke geblieben. Es war so ein luftleerer Raum. Aber wir haben viele Songs und haben einfach ein paar der Titel, die auf einer Platte eher die Songs der B-Seite wären, rausgeholt. Da sind Knaller dabei, mit denen wir die Leute wieder in eine Zeit vor Corona versetzen wollen – Partystimmung pur, coronakonform.
Unter welchen Bedingungen findet das Konzert in Homberg statt?
Es ist das Konzept der Parkbankkonzerte aus dem vergangenen Corona-Sommer. Frontal vor der Bühne darf auch getanzt werden. An den Bierpilzen muss aber Maske getragen werden. Sonst wird aber atmosphärisch alles wie bei einem Parkkonzert sein – mit der Irrsinn-Show.
Wann standen Sie das letzte Mal auf der Bühne?
Ich erinnere mich noch sehr gut daran. Das war am 1. März 2020 zu Karneval. Damals wurde Corona noch ins Lächerliche gezogen. Es gab Corona-Bier, mache waren als Ärzte verkleidet und trugen Mundschutz – als Gag. Die Leute und auch ich haben all das unterschätzt. Ein paar Wochen später wurde das Ausmaß deutlicher. Den Rest kennen wir ja jetzt ...
Was hat Ihnen in der Zeit ohne Auftritte am meisten gefehlt?
Da ich ein Bühnenmensch bin, haben mir die Show und auch das Feedback der Leute gefehlt. Das ist ja auch eine Art der Bestätigung für mein und unser Tun. Es beflügelt. Das habe ich während des Corona-Aus besonders gespürt, denn ich war anfangs irgendwie antriebslos. Da musste ich mir schon selbst in den Hintern treten, um nun wieder mit Vollgas rauszugehen. Noch fühlt sich jede Buchung sehr unwirklich an.
Warum?
Weil ich auch, wie viele Musikschaffende und andere Kreative, sehr verunsichert bin. Wird alles so stattfinden können, wie es jetzt geplant wird? Was, wenn es wieder Absagen gibt, weil Corona uns wieder einen Strich durch die Rechnung zieht? Die Fragen treiben uns um, bereiten uns Sorgen und nehmen ein großes Stück der Unbeschwertheit.
Homberg, der Ort des ersten öffentlichen Auftritts nach Corona, ist Ihre Heimatstadt. Gehen Sie da anders an einen Auftritt heran?
Absolut. Es war mir sehr wichtig, dass der erste öffentliche Auftritt in Homberg stattfindet, eben weil es meine Heimatstadt ist. Ich denke, dass uns allen etwas mehr Fröhlichkeit nach all der Zeit guttut. Und wir freuen uns, dass wir auf einer Bühne stehen können und die Leute nicht in ihren Autos sitzen müssen – die Irrsinn-Show funktioniert so viel besser, sie lebt vom Mitmachen.
Gibt es einen Song der Saison?
Wir haben keinen speziellen Song, alle sind Kracher. Aber wir haben ein bestimmtes Motto: Die Leute sollen möglichst alle in Neon kommen – vom Schweißband bis zur Hose. Das wäre super.
Eigentlich sind Sie und Ihr Team einmal pro Saison auf Mallorca. Ist daran in diesem Jahr zu denken?
Wir haben es geplant, aber leider steigen ja die Coronafallzahlen wieder an und da ist sie wieder – die Unsicherheit, ob alles möglich sein wird oder doch wieder alles anders kommt.
Und dann gibt es da ja noch Ihr Bandprojekt Irrsinn reloaded. Stehen Auftritte an?
Leider läuft es da mit den Auftritten nicht so rund, wie ich es gehofft habe. Das liegt aber nicht an der Band, sondern eher an den Umständen. Wir funktionieren als Band richtig gut und haben auch Bock darauf, Musik zu machen. Aber dafür braucht es mehr Publikum, weniger Abstand.
Welche Fan-Reaktionen gab es während der Corona-Zwangspause?
Anfangs haben viele Fans geschrieben, dass sie es schade finden, dass die Auftritte nicht stattfinden. Dann wurde es ruhiger. Auch deshalb fiel es schwer, sich zu motivieren. Es wäre toll, wenn wir bei unserem Auftritt in glückliche Gesichter sehen könnten. Die Menschen sollen bei unseren Auftritten vergessen können, was sie sonst so belastet – und fröhlich feiern. (Maja Yüce)

Sommer im Park in Homberg 

Am Samstag, 14. August, tritt Reiner Irrsinn beim „Sommer im Park“ im Homberger Stadtpark auf. Los geht es um 20 Uhr. Die Reihe startet am 7. August mit The Tequilas. Weitere Termine: 8.8., Leimsfelder Dorfmusikanten & Silberberg Musikanten; 13.8., Nicole Jukic; 20.8., Romy Hildebrandt mit „Damenwahl“; 21.8. Hochlandrock mit Crossplane und Beefy as Toro u.m.; 27.8., True Collins; 28.8., Julian Kretzschmar & Friends; 29.8., Sistergold. sommerimparkhombergefze.tickettoaster.de/events/973-sommer-im-park

Von Maja Yüce

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