Mann benutzte mindestens acht Brandsätze

Brandstiftung in Wabern: Angeklagter bleibt in Haft

Völlig zerstört: Das Wohn- und Geschäftshaus in Wabern. Vor dem Landgericht geht es jetzt darum, die Hintergründe der Brandstiftung aufzuklären. Foto: Schaake

Wabern/Kassel. Ein wegen schwerer Brandstiftung angeklagter 24-jähriger Mann bleibt weiter in Untersuchungshaft. Er muss sich vor dem Landgericht Kassel verantworten.

Der Angeklagte steht seit 6. Juli vor dem Landgericht Kassel, weil er im Juli vorigen Jahres ein Wohn- und Geschäftshaus in Wabern mit mindestens acht Brandsätzen angezündet haben soll.

Das wirft ihm die Staatsanwaltschaft nach umfassenden Ermittlungen vor. Sein Bruder (33) und dessen Ehefrau (30) sind angeklagt, weil sie den 24-Jährigen zur schweren Brandstiftung angestiftet haben sollen, um laut Staatsanwaltschaft „den Versicherungsfall durch Brandlegung herbei zu führen”. Das Ehepaar ist frei.

Der 24-Jährige war am 17. September vorigen Jahres festgenommen worden. Noch am selben Tag wurde Haftbefehl wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr erlassen, wie Oberstaatsanwalt Göb gegenüber der HNA bestätigte.

Am Donnerstagnachmittag beantragte der Anwalt des jungen Mannes, den Haftbefehl aufzuheben. Der Haftgrund lasse sich nicht aufrecht erhalten, ein Teil der Beweiskette der Staatsanwaltschaft fehle. Der Angeklagte sei nicht der Profiteur des Brandes.

Dem widersprach Oberstaatsanwalt Göb. Der Haftbefehl müsse weiter bestehen bleiben, weil sich die Rechtslage in keinem Punkt geändert habe. „Über den Antrag ist noch nicht entschieden”, erklärte am Freitagnachmittag Dr. Jan Blumentritt, Pressesprecher des Landgerichts Kassel. Der Prozess wird am Freitag, 31. Juli, ab 9 Uhr fortgesetzt.

Detaillierte Ermittlungen 

Dass die Polizei-Ermittlungen der damals eigens eingerichteten Arbeitsgruppe Landgraf bis ins letzte Detail gehen, zeigte sich jetzt bei der Vernehmung von Kriminalbeamten.

Der Verteidiger des Hauptangeklagten aber warf der Polizei Fehler vor. Nach dem Großfeuer sei der Beschuldigte falsch belehrt worden. Er hätte belehrt werden müssen, er werde als Beschuldigter, nicht als Zeuge vernommen. Nach dem Feuer habe es kein Jammern und Wehklagen, keine Schockreaktionen der betroffenen Familie gegeben. Deshalb habe es massive Verdachtsmomente auf die Teilnahme des 24-Jährigen gegeben, dessen Freilassung dieser Anwalt Stunden später forderte.

Da die Belehrung unvollständig und Vernehmungen nicht rechtmäßig gelaufen seien, seien diese nicht verwertbar. Ähnlich argumentierte später der Anwalt des 33-Jährigen und beantragte ebenfalls, die Vernehmungen nicht zu verwerten.

Im ersten Fall wies das Gericht den Widerspruch zurück, die Vernehmungen seien nach gesetzlichen Vorgaben vorgenommen worden. Der Oberstaatsanwalt dazu: „Es gilt nichts anderes als das, was das Gericht festgestellt hat.”

Wie es zu dem Brand kam, wollte der Vorsitzende Richter von einem Kripo-Beamten wissen. Der hatte nach der Vernehmung des 24-Jährigen protokolliert, es sei etwas durch ein Fenster ins Haus geflogen, plötzlich sei das Feuer ausgebrochen. Das besagte Fenster aber war verschlossen, stellte die Polizei fest.

Der 24-Jährige habe bei der ersten Vernehmung nicht den Eindruck erweckt, „dass er mauern will”, sagte der Ermittler. Ein Kollege erklärte, der Beschuldigte habe die Erklärung zur Festnahme unterschrieben.

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