Bahnhof wird im Nu zur Praxis

Coronavirus: Zweite Schwerpunktpraxis des Schwalm-Eder-Kreises in Wabern eingerichet

Dr. Philipp Klapsing in der Corona-Notfallpraxis im Waberner Kulturbahnhof
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Bogen ausfüllen und Hände desinfizieren: Die neue Schwerpunktpraxis für Covid-19-Verdachtsfälle wurde im Waberner Kulturbahnhof eingerichtet. Dr. Philipp Klapsing untersucht dort einen Patienten nach de m anderen.

Im Kultrbahnhof Wabern wurde eine Schwerpunktpraxis für Covid-19 eingerichtet. Wabern ist somit neben Gensungen der zweite Standort im Schwalm-Eder-Kreis. 

Nichts im Waberner Kulturbahnhof erinnert derzeit an Musik, Kunst und Theater. Die Theke ist mit einer Plastikplane abgedeckt. Eine Liege steht hinter Trennwänden, Schutzkleidung, Masken und medizinische Geräte liegen bereit. Dr. Philipp Klapsing wartet auf seine erste Patientin. Sie ist nachweislich am Coronavirus erkrankt und lässt sich von dem Hausarzt zur Nachsorge behandeln. Und zwar in der neuen Waberner Covid-19-Schwerpunktpraxis des Schwalm-Eder-Kreises.

Es ist der zweite Standort im Landkreis neben Gensungen, der in Abstimmung mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV Hessen) aktiviert wurde. Pro Tag werden laut Klapsing etwa zehn Patienten behandelt, die im Vorfeld mit Verdacht auf Covid-19 von ihrem Hausarzt angemeldet wurden. „Es ist wichtig, das Infektionsrisiko in den normalen Hausarztpraxen so gering wie möglich zu halten.“

Schwerpunktpraxis: Nicht alle Patienten positiv auf Corona getestet

Längst seien selbstverständlich nicht alle, die von montags bis freitags in der Zeit von 9 bis 13 Uhr zur Untersuchung kommen, am Coronavirus erkrankt. Doch wer Atemwegsprobleme, Fieber und ähnliche Symptome hat, der stelle für andere momentan ein zu großes Risiko dar. Und darum gehe es schließlich, sagt Klapsing: Kontaktminimierung. Abstriche, Blutabnahme, Abhorchen, Temperatur messen – all das können der Hausarzt und seine Kollegen im Bahnhofsgebäude nun problemlos erledigen.

„Es geht in erster Linie nicht darum, Patienten zu testen. Dafür gibt es immer noch die Teststation“, sagt Klapsing. Grundsätzlich möglich sei dies in manchen Fällen aber trotzdem.

Schwerpunktpraxis: Ohne Anmeldung keine Unersuchung

Ohne Anmeldung dürfe niemand in die neue Schwerpunktpraxis kommen. Diese übernehme übrigens nur der Hausarzt, und nicht der Patient selbst. Es dürfe außerdem immer nur eine Person die Räumlichkeiten betreten. Vor Ort seien dann ein Arzt und eine medizinische Fachkraft. „Hinterher wird alles gründlich desinfiziert“, erklärt der Waberner Arzt. Schon im Eingangsbereich stehen Desinfektionsmittel und Anmeldebögen bereit, auf denen der aktuelle Gesundheitszustand festgehalten wird.

Bogen ausfüllen und Hände desinfizieren: Die neue Schwerpunktpraxis für Covid-19-Verdachtsfälle wurde im Waberner Kulturbahnhof eingerichtet. Dr. Philipp Klapsing untersucht dort einen Patienten nach dem anderen. 

Klapsing selbst, der auch noch in seiner eigenen Praxis sowie an den Teststationen des Kreises tätig ist, hat regelmäßig Kontakt zu Erkrankten. Mit der richtigen Schutzausrüstung fühle er sich aber weitestgehend sicher. Ohnehin sei Deutschland vergleichsweise gut auf die Krise vorbereitet gewesen.

Es besteht Grund zur Hoffnung

„Die Bevölkerung macht mit und lässt sich auf die Einschränkungen ein. Das ist wirklich gut.“ In anderen Ländern sehe die Situation dramatischer aus. „Wir können die Fallzahlen derzeit einigermaßen kontrollieren, das macht Mut.“ Viele Intensivbetten, relativ niedrige Todeszahlen und frühe Tests hätten die Ausbreitung ebenfalls reduziert. Ein Problem sei gerade zu Anfang die mangelnde Schutzkleidung gewesen. „Ich selbst habe allerdings zu Beginn auch nicht damit gerechnet, dass sich das Ganze so schnell so entwickelt“, so Klapsing.

Grund zur Hoffnung sei da. Und trotzdem mahnt der Hausarzt: Bis alles wieder normal ist, werde es noch dauern. Wenn Orte wie die Schwerpunktpraxis die Infektionszahlen jedoch weiterhin drücken könnten, sei dies ein echter Gewinn in den schwierigen Zeiten. Und dies sei bei allen Einschränkungen am Ende das, was wirklich zählt.

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