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Pfarrerin aus Hebel zeigt auf Facebook ungewöhnliche Bilder: Probeliegen im Sarg

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Von: Daniel Seeger

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Premiere für Pfarrerin Sabine Koch aus Hebel: Probeliegen im Holzsarg.
Premiere für Pfarrerin Sabine Koch aus Hebel: Probeliegen im Holzsarg. © Sabine Koch

Lebendig im Sarg zu liegen, ist für manche eine schreckliche Vorstellung. Die Konfis aus Hebel haben es trotzdem ausprobiert.

Hebel – Der Blick auf das Facebook-Profil von Pfarrerin Sabine Koch aus Hebel könnte für den ein- oder anderen einen kurzen Schockmoment bedeutet haben. Da liegt die Pfarrerin in einem Sarg – doch gestorben ist Sabine Koch nicht. Gott sei Dank! Was war denn da los?

„Ich behandele mit meinen Konfirmanden gerade das Thema Abschied, Streben und Tod“, sagt die Pfarrerin im HNA-Gespräch. „Bei dem Thema laden wir immer einen Bestatter ein, der uns alles zeigt und von seiner Arbeit berichtet.“ Die Konfis dürfen dann alles Fragen, was sie dazu auf dem Herzen haben.

Für Koch war es dieses Mal gewissermaßen eine Premiere, denn auch sie testete, wie es sich eigentlich anfühlt, in einem Sarg zu liegen. „So mutig wie dieses Mal, sind die Konfis selten. Sie wollten wirklich alles anfassen und ausprobieren“, sagt Koch.

Das Thema ist für Koch ein fester Bestandteil der Kinder und Jugendarbeit. „Ich finde es sehr sympathisch, wenn die Konfirmanden so vorbehaltlos an das Thema herangehen.“

Gleich kommt der Deckel drauf: Leon Bolz hat getestet, wie es sich anfühlt, im Sarg zu liegen.
Gleich kommt der Deckel drauf: Leon Bolz hat getestet, wie es sich anfühlt, im Sarg zu liegen. © Sabine Koch

Die Beschäftigung mit Tod und Trauer sei nach wie vor bei vielen Menschen ein Tabuthema, aber: „Wenn man in die Situation kommt, muss man vorbereitet sein.“ Für ihre Arbeit bekomme sie von den Eltern positive Rückmeldungen. „Die sagen dann beispielweise: ‘Unsere Kinder sind jetzt bereit, damit umzugehen.’ Und genau das ist mein Anliegen.“

Die Eltern nehme sie im Vorfeld mit ins Boot, einige waren auch dabei, als der Bestatter zu Gast war. Demnächst geht es für die Konfigruppe nach Kassel zum Hauptfriedhof. Dort wollen sie das Krematorium besichtigen.

Keine Berührungsängste: Konfirmand Max Dudda und die anderen Konfis lernten die Arbeit eines Bestatters kennen.
Keine Berührungsängste: Konfirmand Max Dudda und die anderen Konfis lernten die Arbeit eines Bestatters kennen. © Sabine Koch

Auch wenn der Tod für die Pfarrerin kein Tabuthema ist – für viele Menschen ist die Beschäftigung mit dem Lebensende immer noch nicht selbstverständlich. „Ich erlebe aber in den letzten Jahren eine erfreuliche Entwicklung in der Gesellschaft“, sagt die Hebelerin. Früher habe es ganz selten eine Aussegnung gegeben, bei der der Verstorbene aufgebahrt wird und die Angehörigen die Gelegenheit haben, sich zu verabschieden. „Das hat sich total verändert. Mittlerweile mache ich fast immer eine Aussegnung.“ Die persönliche Verabschiedung scheint für viele wieder an Bedeutung gewonnen zu haben.

„Das Thema ist aber immer noch nicht da, wo es eigentlich hingehört“, so Koch weiter. Sie erlebe es nach wie vor, dass in Familien nie über das Sterben gesprochen wird. „Und, wenn es dann so weit ist, dann weiß niemand, was sich der Verstorbene eigentlich gewünscht hat.“ (Daniel Seeger)

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