Lehrpraxis der Universität Marburg

Er wirbt für den Landarzt-Job: Philipp Klapsing bildet in Wabern Studenten aus

Wabern.  Dr. Philipp Klapsing ist Landarzt aus Leidenschaft. Er möchte Medizinstudenten für den Job begeistern. In seiner Praxis bildet er jetzt Studenten aus. 

Die Familie Klapsing hat schon so manchen Waberner durchs Leben begleitet. Von der Geburt bis ins hohe Alter kümmert sich die Landarzt-Familie in dritter Generation um die Patienten. Für Dr. Philipp Klapsing ist der enge Kontakt mit den Menschen das Besondere an der Allgemeinmedizin.

Diese Leidenschaft möchte Klapsing an Medizinstudenten weitergeben. Seine Praxis ist jetzt als Lehrpraxis der Universität Marburg anerkannt. Studenten können dort ihr allgemeinmedizinisches Praktikum absolvieren.

Für Klapsing profitieren beide Seiten davon: die Studenten und die Ärzte. „Die Studenten sehen die Praxis noch einmal aus einem anderen Blickwinkel“, sagt Klapsing. Es sei gut, sich und die eigene Arbeit so zu hinterfragen. Die Studenten profitieren, weil sie raus aus der Theorie und rein in die Praxis kommen. Sie impfen, nehmen Blut ab, lernen, wie man Patientengespräche führt.

Henri BogumilMedizinstudent

Viktoria Jakobs und Henri Bogumil studieren an der Uni Marburg im neunten Semester Medizin. Sie zählen zu den ersten Praktikanten in der Waberner Praxis. „Ich war positiv überrascht“, schildert Bogumil. Er schätzt die Nähe zu den Patienten. „Alle kennen sich beim Vornamen. Das ist in der Stadt anders“, sagt Bogumil, der aus dem Ruhrgebiet stammt.

Die Arbeit als Landarzt sei schwierig. „Der Arzt muss ein extrem breites Wissen haben. Man darf nichts übersehen“, sagt der 24-Jährige. Schließlich sei der Hausarzt für die meisten Erkrankten die erste Anlaufstelle. Bogumils Fazit nach zwei Wochen: „Ich fand es richtig gut. Eine Tätigkeit als Landarzt wäre eine Option für mich.“

Viktoria JakobsMedizinstudentin

Viktoria Jakobs schätzte bei ihrem Praktikum, dass sie viele Aufgaben übernehmen durfte. Sie nahm Blut ab, schrieb ein EKG und machte einen Lungenfunktionstest. Jakobs war auch bei Hausbesuchen dabei. Die 24-Jährige machte sich so auch abseits der Praxis ein Bild von den Patienten. Sie sah, wie die Patienten leben, wie sie Zuhause mit ihren Erkrankungen zurechtkommen. „Ich habe in meinen zwei Wochen sehr viel gelernt. Zum einen praktische Dinge, aber auch viel über die Abläufe in der Praxis“, zieht Jakobs Bilanz.

Einen Job als Landärztin kann sie sich jedoch noch nicht vorstellen – „Ich würde erst einmal in einer Uniklinik mit all der Action dort arbeiten“, erklärt Jakobs. Für Klapsing ist die vorläufige Absage an den Landarzt-Job kein Problem: „Wenn von 15 Studenten einer sagt, er wird später Landarzt, ist es toll. Da muss man realistisch sein.“

Diese Voraussetzungen müssen Lehrpraxen erfüllen:

Die Abteilung für Allgemeinmedizin, Präventive und Rehabilitative Medizin der Philipps-Universität Marburg kooperiert mit 116 Lehrpraxen in der Region. Davon gehören sechs Praxen zum Schwalm-Eder-Kreis. Die Universität Marburg wählt die Lehrpraxen aus und versorgt sie mit Lehr-Informationen. Die Lehrpraxen müssen folgende Voraussetzungen erfüllen: 

- Vorhandensein einer Weiterbildungsermächtigung oder ganztägige Tätigkeit als Hausarzt seit mindestens zwei Jahren. 

-Versorgung von mindestens 500 gesetzlich versicherten Patienten im Quartal. 

- Ausübung einer breiten hausärztlichen Tätigkeit, keine zu starke Konzentration auf Praxisschwerpunkte.  

- Facharztanerkennung Allgemeinmedizin oder hausärztlicher Internist seit mindestens drei Jahren. 

- Geeigneter Raum für eigenständige Patientenkontakte der Studierenden. 

- Haus-und Heimbesuche. 

- Regelmäßige Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.