Brandstifter-Prozess Wabern: Fünf Feuerwehrleute waren im Zeugenstand

Brandstifter-Prozess Wabern: Ermittlung bis ins letzte Detail

Wabern/Kassel. Am 5. Juli 2014 brannte der Dachstuhl eines Hauses in Wabern nieder. Vor dem Landgericht in Kassel sind zwei Männer und eine Frau wegen Brandstiftung angeklagt.

Das Verfahren ist aufwendig, es soll bis zum 19. Oktober dauern. Im Waberner Brandstifter-Prozess vor der 5. Strafkammer des Landgerichts haben gestern fünf Feuerwehrleute als Zeugen ausgesagt, darunter die beiden stellvertretenden Gemeinde-Brandinspektoren. Ein 24-jähriger in Untersuchungshaft sitzender Mann ist wegen schwerer Brandstiftung angeklagt. Mit auf der Anklagebank sitzen sein Bruder (33) und dessen Ehefrau (30), die ihn laut Staatsanwaltschaft zu der Brandstiftung angestiftet haben sollen, um an die Versicherungssumme zu kommen. Beide sind frei.

Das Feuer vom 5. Juli vorigen Jahres soll - so die Anlageschrift - mit mindestens acht Brandsätzen gelegt worden sein. Bei Ausbruch der Brandes waren acht Menschen in dem Gebäude. Sie konnten das Haus unverletzt verlassen.

Wo die beiden Drehleitern standen, wo und wie welche Schläuche verlegt wurden, ob die Fenster und Türen gekippt, geöffnet oder verschlossen waren, ob es besondere Auffälligkeiten gegeben hat - vor der Strafkammer erlebt man Aufklärungsarbeit bis ins letzte Detail. Dabei werden auch immer wieder die Vernehmungen der Polizei zitiert.

Die Feuerwehrmänner bestätigen das alles, auch wenn sie sich heute nicht mehr an jede kleine Einzelheit erinnern können. Als die Besatzung des Einsatzleitwagens am lichterloh brennenden Dachstuhl eintraf, fragte ein Feuerwehrmann, ob noch jemand im Haus sei. Ein junger Mann sei aus dem Gebäude gekommen und habe gesagt, es sei nochmal jemand reingelaufen. Zu Dritt habe man das Haus dann verlassen.

Oberstes Ziel der Feuerwehr war nach den Worten der Zeugen, ein Übergreifen des Brandes auf das Obergeschoss und den benachbarten Lebensmittelmarkt zu verhindern.

Ein Feuerwehrmann fand unter einem Vordach eines Anbaus einen schwarzen Benzinkanister mit rotem Schnorchel. Er habe gleich vermutet, dass „offensichtlich Brandstiftung” vorliege. Ob der Kanister voll war oder nicht und was drin war - das blieb gestern unbeantwortet. Der Hauptangeklagte soll den Kanister gekauft haben, um für einen Nachbarn Rasen zu mähen, hieß es früheren Verhandlung.

„Eher teilnahmslos“

Gegenüber von dem brennen Haus habe sich die nur spärlich gekleidete Familie extrem ruhig und wenig auffällig verhalten, sei „eher teilnahmslos gewesen”, formulierte ein Feuerwehrmann. Beim Brand der Disco in Wabern ein halbes Jahr vorher sei der Eigentümer völlig aufgelöst gewesen.

Nach dem Brand habe man mit der betroffenen Familie, die vom DRK betreut worden sei, über das Schicksal sprechen wollen, habe aber keine Antwort bekommen, sagte ein Feuerwehrmann. Fortsetzung: 19. und 21. August, 9 Uhr, Landgericht Kassel. 

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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