Wollknäuel einmal anders:

Falkenbergerin strickt Kleidung aus Hundehaaren 

Wabern. Sein Fell ist so weich und plüschig, dass man am liebsten seine Hände darin vergraben möchte. Das dachte sich wohl auch Carlos' Frauchen Christine Berkenkamp aus Falkenberg und fing an, die Haare von Hunden zu Wolle zu spinnen.

So entstehen in wochenlanger Handarbeit Schals, Pullover, Pulswärmer und Eierwärmer. „Ich habe in einer Zeitschrift ein Bild gesehen: Eine Frau mit einem Chow-Chow, die sein Fell als Schal um den Hals trug. Dadurch kam ich auf die Idee, das selbst mal auszuprobieren.“

Das Spinnen lernte Berkenkamp von einer Frau, die mit Schafwolle arbeitete. An einem eigenen Spinnrad machte die Falkenbergerin dann erste Erfahrungen mit Hundewolle, die im Vergleich zu Schafwolle „weicher und fluffiger ist.“ Hundewolle halte wärmer, lasse sich aber nicht so fest stricken wie Schafwolle. „Ich habe schnell gemerkt, dass ich das Hundefell mehr mag und bin dann umgestiegen.“

„Grundsätzlich eignet sich das Fell von allen langhaarigen Hunden mit dichter Unterwolle.“

Berkenkamp hat Spaß an der Arbeit. „Es ist zwar wirklich mühsam, aber das Ergebnis ist immer wieder schön. Man kann sogar die einzelnen Farbschattierungen sehen“, schwärmt Berkenkamp.

Bevor sie sich aber überhaupt an das Spinnrad setzen kann, müssen einige Vorarbeiten geleistet werden. „Zuerst kämme ich die Haare mit einer Bürste aus und sammele sie. Dann wird das Fell grob gereinigt. Anschließend bearbeite ich die Haare mit zwei Bürsten - das heißt kardieren - so werden sie von losen Fasern zu einem Vlies. Aus dem Vlies spinne ich dann Fäden. Am Spinnrad werden zwei Fäden zu einem Strickfaden verzwirbelt, mit dem ich dann weiterarbeiten kann.“

Erst nach dem Stricken wird das fertige Produkt noch einmal komplett gewaschen, „mit Hundeshampoo“, wie Berkenkamp lachend erklärt. Nach sechs bis acht Durchgängen ist das Kleidungsstück dann gereinigt und kann auf Handtüchern getrocknet werden. „Die Waschmaschine ist bei Kleidung aus Hundefell tabu“, betont Berkenkamp. Nach dem Tragen werden die Sachen einfach ausgelüftet.

„Grundsätzlich eignet sich das Fell von allen langhaarigen Hunden mit dichter Unterwolle. Rassen wie Collies, Neufundländer oder Huskys sind zum Beispiel ideal.“ Auch das Fell von Eurasier-Rüden Carlos lässt sich gut verarbeiten.

Besonders fasziniert Berkenkamp die unterschiedliche Fellstruktur der einzelnen Rassen. „Die Haare von Samojeden ist zum Beispiel ganz weich, die von einem Wolfsspitz schon etwas fester.“ Das Fell von unterschiedlichen Hunden bekommt sie zum Beispiel bei Spaziergängen von anderen Eurasier-Haltern. Fertige Kleidungsstücke verschenkt Berkenkamp an Freunde oder Familie.

In einer Anzeige in der HNA hat Berkenkamp kürzlich Interessenten gesucht, die das ungewöhnliche Hobby mit ihr teilen wollen. „Es haben sich auch vier Frauen gemeldet, die bald zum Spinnen kommen wollen.“ Kontakt: 05683/8667

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