Flüchtlingsfamilie ist in Wabern-Niedermöllrich angekommen

Sie freuen sich auf das erste gemeinsame Weihnachten in Deutschland: Ali Zare mit Frau Narges und Sohn Abolfazl. Foto: Laumann

Niedermöllrich.  Ali Zare ist vor zwei Jahren aus dem Iran geflohen und feiert zum ersten Mal mit seiner Familie Weihnachten

Die Tanne liegt fertig vorbereitet vor der Wohnungstür. Der Adventskalender im Flur ist geplündert, und auf dem Wohnzimmertisch steht der Adventskranz. Die dritte Kerze brennt, am Sonntag ist Heiligabend. In der alten Schule in Niedermöllrich freut sich Familie Zare aufs Fest – so wie ungezählte andere Familien in unserem Land. Für Ali Zare ist es jedoch ein besonderes Weihnachten. Es ist das erste Mal, dass der Iraner mit seiner Familie in Deutschland feiert.

„Mir geht es gut“, sagt Ali Zare, als er seine Frau Narges und Sohn Abolfazl in seinen Armen hält. „Jetzt ist alles super.“ Hinter dem 28-Jährigen liegen zwei schwere Jahre. Sein Weg nach Wabern begann im Oktober 2015. Der junge Mann war vom Islam zum Christentum konvertiert. Wenn er im Iran geblieben und zu seiner Religion gestanden hätte, „wäre ich getötet worden“, ist sich der 28-Jährige sicher.

Zare verließ seine Frau und seinen Sohn. Zu Fuß und auf einem Boot flüchtete er nach Deutschland. Über mehrere Stationen kam er nach Niedermöllrich. wo er Ursula Faulstich-Ruoff kennenlernte. In ihr fand er eine ebenso große Unterstützerin wie Freundin. Ohne sie hätte er wohl nie „ein neues Leben geschenkt bekommen“, wie Ali Zare es nennt. Dieses neue Leben begann an einem Tag im März. Das Datum hat Ali Zare vergessen, die Uhrzeit nicht. Es war 16 Uhr, als der Iraner den Brief vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge öffnete. „Sie haben mir geschrieben, dass ich hierbleiben darf.“ Er hat eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre. Das Wort Aufenthaltserlaubnis bringt er sicher über die Lippen, ebenso das nicht weniger schwierige Wort Familienzusammenführung. Es sind abstrakte Wörter, die diese Familie mit Leben füllt.

Er war überfordert

Am 1. August sind seine Frau und sein Sohn in Frankfurt gelandet. Ali Zare war überfordert. „Ich wusste in der ersten Woche nicht, was ich machen sollte“, erklärt er. Er und sein Sohn waren sich fremd. Der kleine Abolfazl hatte Heimweh, wollte zurück zu seinem „richtigen Papa“. Gemeint war sein Opa, bei dem er aufgewachsen ist. Auch wenn Ali Zare immer über das Smartphone Kontakt in die Heimat gehalten hat: „Ich habe nicht mitbekommen, wie Abolfazl aufgewachsen ist.“ Das hat geschmerzt.

Inzwischen sind die Zares in Niedermöllrich angekommen. Sie freuen sich über die Hilfsbereitschaft und die Chancen, die sie bekommen. Abolfazl geht in den Kindergarten, Narges wartet auf einen Integrationskurs. Ali Zare hätte gerne Medizin studiert. Aber sein iranisches Abitur werde nicht anerkannt. So beginnt er im März eine Ausbildung zum Physiotherapeuten. Für das kommende Jahr hat er zwei Wünsche: „Dass ich meine Ausbildung schaffe und dass ich meine Eltern wiedersehen kann.“

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