Mehr als nur die Tankstelle

Gespräche am Gartenzaun: In Unshausen hält man zusammen

Alle im Gänsemarsch: Ortsvorsteher Marco Pelz (vorne) und zahlreiche weitere Unshäuser sind am Mittwochabend durch Unshausen spaziert, um zu zeigen, was das Dorf zu bieten hat.
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Alle im Gänsemarsch: Ortsvorsteher Marco Pelz (vorne) und zahlreiche weitere Unshäuser sind am Mittwochabend durch Unshausen spaziert, um zu zeigen, was das Dorf zu bieten hat.

Jeder Ortsteil hat etwas zu bieten. Ob Jahrhunderte alte Geschichte, lustige Anekdoten oder eindrucksvolle Bauwerke. Für unsere Gespräche am Gartenzaun waren wir in Unshausen unterwegs.

Unshausen – Nur knapp 400 Einwohner zählt der Waberner Ortsteil Unshausen – und trotzdem hat man das Gefühl, das Dorf sprudelt nur so vor Leben und Tatendrang. Gemeinsam mit Ortsvorsteher Marco Pelz haben sich am Mittwochabend viele Unshäuser auf den Weg gemacht, um der HNA bei einem Gespräch am Gartenzaun zu zeigen: „Wir sind mehr als nur das Dorf mit der Westfalen-Tankstelle.“ Das sei es nämlich, was wohl die meisten mit dem kleinen idyllischen Örtchen verbinden, das man vor allem vom Durchfahren kennt.

Aber die Menschen aus Unshausen haben tatsächlich viel mehr zu erzählen: Erinnerungen an vergangene Zeiten, als es noch das Post-Lieschen gab, als man sich in der Gärtnerei noch ein paar Mark verdiente und als die zwei Gasthäuser im Ort Treffpunkt für alle waren. Aber auch neue Ideen für die Zukunft haben sie parat: Das Dorfgemeinschaftshaus soll ein Mittelpunkt für Jung und Alt sein, barrierefreie Zugänge sollen entstehen, Schandflecken an verschiedenen Stellen des Dorfes weichen.

Treffen sich regelmäßig auf dem Spielplatz neben dem Dorfgemeinschaftshaus: von links Luisa Eckmanns, Paul Clobes, Paula Eckmanns, Felix Mardorf und Natascha Löwe.

Gespräche am Gartenzaun in Unshausen: Heide und die Schwalm-Aue machen das Dorf zu einem kleinen Naturparadies

„Der starke Zusammenhalt untereinander ist es, was mich hier so freut“, sagt Ortsvorsteher Marco Pelz. Der Lehrer, der das Ehrenamt 2018 von seinem langjährigen Vorgänger Dieter Corpataux übernommen hat, möchte nirgendwo anders leben. Die Unshäuser Heide und die Schwalm-Aue machen das Dorf zu einem kleinen Naturparadies. Viele Aktionen würden in Eigenleistung passieren, bestätigt auch Bürgermeister Claus Steinmetz, der ebenfalls im Ortsteil zuhause ist.

Aber es gibt etwas, das sich wie eine lange Schnittwunde durch das Dorf zieht und die Unshäusern seit Jahrzehnten schmerzt: die stark befahrene Bundesstraße 254. Corpataux und seine Freunde können stundenlang von dem erfolglosen Kampf erzählen, eine Ortsumgehung zu realisieren, um die Einwohner zu entlasten.

Man kennt ihn nicht nur wegen seiner Stimme: Phil Schaller mäht im Dorf den Rasen.

Auch Berthold und Doris Clobes wohnen direkt an der Durchfahrt. „Ich lade jeden gern ein, bei uns zu schlafen. Dann kann er sich selbst ein Bild machen“, sagt Doris Clobes. Die Lärmschutzfenster und der Blitzer im Ort würden die Belastung durch den Verkehr nur teilweise senken.

Unshausen: B 254 ist große Belastung für das Dorf

Beim Überqueren der B 254 versteht niemand mehr sein eigenes Wort. Das ändert sich schlagartig auf dem Weg ins Unterdorf. Angehalten wird an der alten Post, mit der die Unshäuser vieles verbinden. Dort hätten die Kinder Fahrkarten geholt und das Post-Lieschen hätte Briefe und Pakete ausgetragen.

Der Weg hinunter Richtung Schwalmstraße ist steil. „Hier sind wir früher mit dem Roller runtergefahren“, berichtet Klaus Schreiber. Um bei zu viel Tempo nicht in den Baumbach zu fallen, habe man sich als Kind lieber in die große Miste am Wegesrand plumpsen lassen.

Die Jungen hält es im Dorf: Daniel Lohr und Annika Hahn haben ein Haus gekauft.

Doch Unshausen lebt nicht nur von den Geschichten der Älteren, sondern auch von den Visionen der Jungen. Das junge Paar Annika Hahn und Daniel Lohr haben an der Schwalmstraße ein Haus gekauft. „Ich bin einfach kein Stadtkind“, sagt die 27-Jährige. Sich selbst verwirklichen, die Natur vor der Haustür haben und trotzdem gute Anbindungen an die großen Städte in der Umgebung nutzen – das sei es, was auch die Jüngeren für immer in das kleine Dorf locke. (Daria Neu)

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