Im Handumdrehen aus dem Vakuum

Gelungener Auftakt der Kulturwoche in Wabern

Stimmungsvoll: Die Sängerin Ewa Parna (links) und Mikado Sphinx – bestehend aus Rebecca Möller (Sopran-Saxophon), Tobias Schulte (Schlagzeug) und Andreas Köthe (Keyboard, Texte, Komponist) – kamen mit ihrem individuellen Sound beim Publikum an. Foto: Schaumburg-Reis

Wabern. Die letzte Harlekinade, das kulturelle Aushängeschild von Wabern, liegt sieben Jahre zurück. Seither herrschte ein Vakuum an Kultur und Kleinkunst in der Gemeinde, das mit der neu ins Leben gerufenen Kulturwoche im Bahnhof Wabern nun endlich wieder gefüllt werden soll.

Schon bei der offiziellen Auftaktveranstaltung am Samstagabend passte einfach alles: das Ambiente im neu gestalteten Kulturraum, der ehemaligen Bahnhofs-Empfangshalle, der für Kleinkunst- und Kabarettprogramme wie geschaffen ist; das erwartungsvolle Publikum; das Engagement der Mitglieder vom Geschichts- und Kulturkreis Wabern als Veranstalter und natürlich der Auftritt von Ewa Parna & Mikado Sphinx vor ausverkauftem Haus.

Im Handumdrehen gelang es den vier Musikern, ebenjenen kulturellen Phantomschmerz zu lindern, den Bürgermeister Günter Jung gerade noch in seinen Begrüßungsworten beklagt hatte. Wie zur Entschädigung zog das Quartett rund um Sängerin Ewa Parna viele Register dessen, was Kleinkunst zu bieten hat: Lieder und Chansons, die von „Helsinki“ und „Prag“, von Alltagshelden wie „Olga“ oder „Matko“ in lustig-frecher Manier, aber auch typisch osteuropäischer Melancholie erzählen. Ewa Parna, die aus Stettin stammt, singt auf Polnisch und Deutsch, dominiert mit ihrer kräftigen, dunklen Stimme die Bühne und präsentiert dabei - gemeinsam mit ihren drei Instrumentalisten - eine musikalische Mischung aus französischem Chanson, Pop und Jazz mit stilistischen Anleihen von Polka, Tango und russischem Volkslied. Jeder Song ist eine kleine Geschichte für sich, die das Publikum in andere Schicksale, Träume und an andere Orte versetzt. Dazu passt das eingespielte Video zum Titel „Eisbär“ und die kabarettistische Art, in der Ewa Parna einige ihrer Lieder vorträgt.

Mit auf der Bühne, am Keyboard, sitzt Andreas Köthe, Komponist, Verfasser der deutschen Liedtexte von Mikado Sphinx, Journalist, Ehemann von Sängerin Ewa Parna - und Mit-Initiator der 1. Waberner Kulturwoche. Er, wie auch seine Frau, seien Mitglieder im Geschichts- und Kulturkreis, verrät der aus Kassel stammende Köthe mitten im Programm, was wiederum die besondere Herzlichkeit des Publikums mit den Musikern auf der Bühne erklärt. Seit drei Jahren wohnen die beiden Künstler in Wabern. Beim Auftritt am Samstag ist Andreas Köthe nicht nur Musiker, sondern liest auch aus seinen humorigen Texten rund um „seinen alten Freund Paul“. Viel Gelächter erntet beispielsweise die Episode, in der „Paul“ als Verkäufer in einem Beate-Uhse-Shop „stilvoll Sex im DVD-Format vertickt“, ebenso wie Liebespuppen.

Das i-Tüpfelchen

Zum vierköpfigen Ensemble von Ewa Parna & Mikado Sphinx gehören noch Schlagzeuger Tobias Schulte, der schon im Trio des Jazz-Pianisten Edgar Knecht spielte, und Rebecca Möller, die die Hintergrund-Vocals singt und vor allem mit ihrem Sopran-Saxophon brilliert. Die Musikerin ist erst seit einem Jahr bei Mikado Sphinx dabei, ist aber als Street- und Big-Band-Instrumentalistin das i-Tüpfelchen, „das uns zum besonderen Sound der Gruppe noch gefehlt hat“, wie Sängerin Ewa Parna sagt. Für diesen Sound, der beim Publikum richtig gut ankam, gab’s am Ende viel Applaus, belohnt von einer Zugabe.

• Bis zum 9. November gibt es noch zweimal Kabarett, eine Lesung und Filme für Kinder und Erwachsene. 

Von Petra Schaumburg-Reis

Fotos des erleuchteten Bahnhofs

Spiel der Farben: Beleuchteter Bahnhof bei der Kulturwoche in Wabern

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.