„Hausärzte vor Ort sind wichtig“

Waberner Hausarzt spricht über neues Gesundheitszentrum am Schlosspark

Standort des neuen Gesundheitszentrums in Wabern: von links Claus Steinmetz, Wolfgang Nelke, Reinhard Klinge und Dr. Philipp Klapsing.
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Standort des neuen Gesundheitszentrums in Wabern: von links Claus Steinmetz, Wolfgang Nelke, Reinhard Klinge und Dr. Philipp Klapsing.

In Wabern soll ein neues Gesundheitszentrum am Schlosspark entstehen - im Frühjar kommenden Jahres soll der Bau beginnen.

Wabern –Für eines der größten Projekte Waberns fällt im Frühjahr kommenden Jahres der Startschuss. Es ist das neue Gesundheitszentrum am Schlosspark. Das Besondere: Das Zentrum ist nicht etwa in der Hand eines großen Unternehmens, sondern des Waberner Hausarztes Dr. Philipp Klapsing. Mit ihm haben wir darüber gesprochen, warum medizinische Versorgung auf dem Land für die Zukunft unverzichtbar ist, was das Vorhaben einzigartig macht und warum dies auch etwas mit der aktuellen Coronakrise zu tun hat.

Herr Klapsing, mitten in der Krise sorgen Sie für gute Nachrichten. Ihr Gesundheitszentrum öffnet schon in einem Jahr. Wie fühlt sich das für Sie an?

Es ist ein schönes Gefühl, auch mal wieder eine gute Nachricht verbreiten zu können. Im Moment gibt es ja nicht allzu viele positive Neuigkeiten. Die Planungen für das Gesundheitszentrum werden zwar zum Teil von der Coronapandemie überlagert, weil ich auch noch in der Schwerpunktpraxis, an Teststationen und in meiner eigenen Praxis tätig bin. Aber ich denke, es ist ein gutes Signal an die Menschen in der Region, dass man auch im ländlichen Raum etwas medizinisch Innovatives entwickeln kann. Gerade die Menschen in Wabern sind miteinander verwurzelt. Durch ein solches Projekt entsteht einmal mehr ein Wir-Gefühl.

Wie ist diese Idee entstanden?

Diese Idee ist über Jahre gewachsen, und zwar in Zusammenarbeit mit vielen Partnern. Vor allem Reinhard Klinge, er ist Inhaber der Klinik Reinhardshöhe, stand mir von Anfang an beratend zur Seite. Ich hatte zunächst nicht geplant, ein großes Zentrum zu bauen. Angefangen hatte es mit dem Gedanken, die eigene Praxis, die ich vor einem Jahr von meinem Vater übernommen habe, zu modernisieren. Als die Entscheidung dann doch auf den Neubau fiel, wollte ich zunächst dafür sorgen, dass ein Team aus Ärzten dort zusammenarbeitet. Dass nach und nach auch die Tagespflege, Meisterbetrieb für Orthopädietechnik und eine Praxis für Physiotherapie Interesse zeigten, damit hatte ich erst gar nicht gerechnet. Aber es ist toll.

Warum ist es sinnvoll, die medizinische Versorgung an einem Standort zu bündeln?

Die Praxis mit einem einzelnen Landarzt ist einfach nicht mehr zukunftsfähig. Die Herausforderungen sind gestiegen, der bürokratische Aufwand und das Bedürfnis der Kollegen nach Flexibilität wächst, da ist Team-Arbeit das Sinnvollste sowohl für Ärzte als auch Patienten. Wenn dann auch noch weitere medizinische Angebote am selben Standort zu erreichen sind, umso besser. Kurze Wege, ein einfacher Austausch zwischen Therapeut und Arzt beispielsweise, all das sind Vorteile eines solchen Gesundheitszentrums. Außerdem ist das Altenheim direkt nebenan, das ist meiner Meinung nach optimal.

Was macht das Gesundheitszentrum in Wabern einzigartig?

Wir bieten im Zentrum das Allgemeine an. Es geht nicht darum, spezielle Facharztpraxen anzubieten, sondern den Menschen vor Ort die medizinische Grundversorgung zu ermöglichen. Das ist das Besondere.

Wie reagieren die Menschen auf das Projekt?

Es gab viele positive Rückmeldungen. Viele Menschen schätzen es, dass sie keine langen Wege auf sich nehmen müssen und das dies ein Modell mit Zukunft ist. Natürlich gab es aber auch Menschen, die sich gefragt haben, wozu wir so etwas brauchen.

Diese Frage dürfte sich spätestens seit der Coronakrise aber nicht mehr stellen, oder?

Die Coronakrise zeigt uns, dass genügend Hausärzte vor Ort extrem wichtig sind. Natürlich ist ein Krankenhaus enorm relevant, um die schweren Fälle zu behandeln, um für Notfälle da zu sein. Aber wir Hausärzte können die Kliniken mit der Behandlung leichter Fälle entlasten. Und das ist eben derzeit das, was zählt. Wir müssen nur mal in andere Länder schauen, um zu sehen, was passiert, wenn dies nicht gewährleistet ist. Außerdem ist es auch abseits von Corona ganz wichtig, dass Patienten einen Arzt haben, der sie kennt und dem sie vertrauen können.

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