Mit Schleppern gegen Agrarpolitik

Landwirte demonstrieren und überreichen Forderungen an Grünenpolitikerin

Protest mit Schlepper: Mehr als 100 Schlepper waren am Freitagabend in Wabern. Foto: Richard Kasiewicz

Mit Futtergabel, Ampferstecher und Dreschflegel ausgerüstet empfingen am Freitagabend Landwirte aus ganz Nordhessen die Berliner Politikerin Renate Künast,

EU-Abgeordneten Martin Häusling und Bundestagsabgeordnete Bettina Hoffmann vor dem Neujahrsempfang der Grünen am Waberner Bahnhof. Die alten landwirtschaftlichen Arbeitsgeräte sollten darauf hinweisen, dass sich die Landwirte durch die aktuelle Agrarpolitik benachteiligt und in frühere Zeiten zurückversetzt fühlten, als alles nur mit Handarbeit funktonierte.

Hauptkritikpunkt waren Auflagen der Düngeverordnung. Die Umsetzung der EU-Richtlinie stehe jedem Land frei, kritisiert die Bewegung. Die heimischen Landwirte befürchten eine Benachteiligung gegenüber Landwirten in anderen europäischen Ländern. „Wir brauchen ein europäisch einheitliche Messgrundlage der Nitratwerte im Grundwasser“, so Tobias Gipper (Gilserberg) vom Organisationsteam der Bewegung „Land schafft Verbindung“ Hessen.

Landwirte überreichen Positionspapier an Renate Künast

Die Landwirte überreichten Künast ein Positionspapier, in dem sie unter anderem Importbeschränkungen zum Schutz der Europäischen Landwirtschaft und eine verbindliche Herkunftskennzeichnung für landwirtschaftliche Produkte forderten. Während sie Änderungen an der Umsetzung der Düngeverordnung für unwahrscheinlich hielt, teile sie das Anliegen der Landwirte nach einer besseren und verbindlichen Kennzeichnung heimischer Erzeugnisse. „Wir wollen Haltungskennzeichnung und regionale Kennzeichnung miteinander verbinden“, sagte Renate Künast. Die Strategie des Bauernverbands auf immer höhere Produktion zu setzen sei nicht richtig gewesen. Künast: „Es nützt nichts, immer nur zu klagen, wir müssen die Strukturen verändern.“ Ein Gesamtpaket müsse her, so Künast.

Protest mit Schlepper: Mehr als 100 Schlepper waren am Freitagabend in Wabern . Foto: Richard Kasiewicz

„Wir können nichts produzieren, was nicht gewollt ist“, machte Gipper den Befürchtungen vieler Landwirte Luft, dass immer neue Auflagen und aufwendigere Produktion zu Mehrkosten führt, die der Verbraucher nicht bezahlen wolle.

„Wir wollen kein Bauern-Bashing"

„Sorgen Sie dafür, dass dieses Bashing der Bauern aufhört“, gab Johannes Bauer, Landwirt aus Twistetal, den Politikern aus Berlin und Brüssel mit auf den Weg. „Wir wollen kein Bauern-Bashing, aber wir wollen auch kein „Politiker-Bashing“, so Martin Häusling. „Wir brauchen den Dialog in der Gesellschaft.“ Der soll auch in Kürze mit einer gemeinsamen Veranstaltung in Gang kommen, so die Verabredung zum Schluss. So gab Renate Künast ihre Futtergabel an Landwirt Klaus Minkel (Gudensberg) wieder zurück – bis zum nächsten Treffen.

Von Sontra bis Diemelsee, Baunatal bis Gilserberg waren die Landwirte nach Wabern gekommen. Wie viele genau, darüber gab es unterschiedliche Angaben: Während die Organisatoren von 300 Teilnehmern mit 235 Schleppern sprachen, waren es nach Angaben der Polizeidirektion Fritzlar insgesamt 170 Teilnehmer mit insgesamt etwa 100 Schleppern. Der Bahnhofsverkehr wurde jedoch nicht beeinträchtigt.

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