Überschwemmungsgebiet sorgt für Probleme

Mann aus Wabern darf nicht auf seinem Grundstück bauen

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Hartmut Mardorf wartet seit Jahren auf eine Baugenehmigung: Er möchte hinter seinem Haus in Wabern ein Einfamilienhaus für sich und seine Mutter bauen. 

Hartmut Mardorf versucht seit 2008, auf seinem Grundstück ein Haus zu bauen. Doch er darf nicht - obwohl drumherum auch Häuser und Hallen stehen.

Hartmut Mardorf fühlt sich wie auf einer Insel. Um seinen Grund und Boden herum entstanden in den vergangenen Jahren Häuser und Hallen. Nur er darf nicht bauen. Mardorf wartet seit Jahren auf eine Baugenehmigung. Doch die Obere Wasserbehörde beim Regierungspräsidium Kassel legt ihr Veto ein. Der Grund: Das geplante Gebäude liegt im Überschwemmungsgebiet der Eder. „Dabei ist die Eder mehr als einen Kilometer weit weg“, sagt der 62-Jährige.

Mardorf steht auf seinem Grundstück an der Landgrafenstraße in Wabern. „Seit 2008 versuche ich, hier zu bauen“, erklärt er. Er plant ein Einfamilienhaus. 120 Quadratmeter Wohnfläche, barrierefrei. Das Haus ist für ihn und seine 85-jährige Mutter gedacht. Mit Garagen kommt er auf 200 Quadratmeter.

Bauverbot kann nur schwer umgangen werden

„Das hier habe ich alles schon zurückgebaut“, betont der 62-Jährige und deutet auf die Flächen vor ihm. Wo einst eine Scheune und ein Unterstand für Pferde standen, wuchert das Gras. Hinter ihm steht noch eine Scheune. Auch die soll weg. Dann habe er 1600 Quadratmeter entsiegelt. „Da muss es doch möglich sein, dass ich davon 200 Quadratmeter wieder bebaue. Hier standen schließlich schon die letzten 350 Jahre Häuser, und da hat niemand etwas gesagt.“ Mardorf versteht nicht, warum er nicht bauen darf.

Bürgermeister Claus Steinmetz nennt die Gründe für die Absagen. Das Grundstück liegt im Überschwemmungsgebiet. Es herrscht ein Bauverbot, das nur sehr schwer umgangen werden kann. So durften die von Mardorf angeführten Hallen nur gebaut werden, weil der Bebauungsplan genehmigt wurde, bevor das Überschwemmungsgebiet ausgewiesen wurde. In solch einem Fall greift der Bestandsschutz. Das von Mardorf geplante Wohnhaus hingegen ist Teil eines neueren vorhabenbezogenen Bebauungsplans und benötigt eine Ausnahmegenehmigung von der Oberen Wasserbehörde.

Die Gemeinde hat an das Regierungspräsidium geschrieben und für eine solche Ausnahme plädiert. Ihr stärkstes Argument: Die Fläche ist wichtig, es gibt im Ort keine anderen Entwicklungsmöglichkeiten. Der Fall ist noch nicht entschieden.

Schutzwall ist eine Möglichkeit

Die Ausnahmeregelung ist laut Steinmetz nur eine Zwischenlösung. Langfristig soll das Überschwemmungsgebiet in Wabern aufgehoben werden. Nur so erhalte die Gemeinde ihre Planungshoheit zurück. Dafür muss sie aber in den Hochwasserschutz inventieren.

Ein Planungsbüro hat ein Gutachten erstellt. Das Ergebnis: Von Fritzlar kommend müsste in Zennern und Wabern ein Schutzwall errichtet werden. Der wäre zwischen 30 Zentimeter und einem Meter hoch und könnte aus Schotter und Erde bestehen. Wie der Wall genau verlaufen soll und was er kosten würde, steht noch nicht fest.

Die Ergebnisse sollen der Gemeindevertretung vorgelegt werden. In der Diskussion geht es Claus Steinmetz nicht nur um die Planungshoheit. Es gehe auch darum, die Menschen zu schützen. Mit Blick auf den Klimawandel sagt der Bürgermeister: „Wir wissen nicht, was kommt.“

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