Zusammenhalt zählt

Helfender Stammtisch: Menschen mit Parkinson treffen sich regelmäßig in Hebel

Sie sind Teil des Stammtisches in Hebel für Menschen, die an Parkinson erkrankt sind: von links Heinz Böth, Holger Degen, Heike Kistner, Monika und Heinrich Kalb, Jutta Schröder, Otto Mechelke und Inge Ressel.
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Sie sind Teil des Stammtisches in Hebel für Menschen, die an Parkinson erkrankt sind: von links Heinz Böth, Holger Degen, Heike Kistner, Monika und Heinrich Kalb, Jutta Schröder, Otto Mechelke und Inge Ressel.

Einen Stammtisch für Menschen, die an Parkinson erkrankt sind und sich gemeinsam mit ihren Angehörigen unterstützen wollen, gibt es in Hebel. Es ist der erste Stammtisch im Schwalm-Eder-Kreis.

Hebel - Die Krankheit Parkinson geht mit zahlreichen Symptomen einher. Sie reichen von Vergesslichkeit über eingeschränkte Beweglichkeit bis hin zu Taubheitsgefühlen und Schmerzen. Knapp 300 000 Menschen sind allein in Deutschland betroffen. Und doch sagt Heike Kistner aus Harle: „Parkinson wird noch immer wenig beachtet.“ Das will sie ändern. Und deshalb hat sie gemeinsam mit weiteren Betroffenen aus der Region einen Stammtisch ins Leben gerufen – es ist der einzige für Menschen mit Parkinson im Schwalm-Eder-Kreis.

Schwalm-Eder – Im Januar hatten sich die Frauen und Männer – unter ihnen sind nicht nur Betroffene, sondern auch Angehörige – zum ersten Mal getroffen. Wegen der Coronakrise gab es eine Pause. Nun setzen sie sich wieder wöchentlich zusammen. Und zwar immer am ersten Mittwoch im Monat im Restaurant „Zur Post“ in Hebel. „Im Sommer natürlich draußen und mit genügend Abstand“, erklärt Kistner.

Warum ist es wichtig, sich zu treffen? Holger Degen aus Unshausen hat die Antwort: „Ich bekomme gute Tipps von den anderen. Wer selbst betroffen ist, hat meistens mehr Verständnis als Außenstehende.“ Denn das sei häufig das Problem, bestätigt auch Kistner. Parkinson führe unter anderem dazu, dass die Gesichtszüge nicht mehr so gut zu kontrollieren sind. „Dann denken viele, dass wir unfreundlich gucken.“ Das oftmals eingeschränkte Laufen erwecke außerdem den Eindruck, man sei betrunken. Mit Missverständnissen und Urteilen dieser Art hätten Betroffene immer wieder zu kämpfen.

„Viele verstecken sich daher. Sie igeln sich förmlich ein“, beschreibt Kistner. Der Stammtisch soll den Menschen zeigen, dass sie okay sind, so wie sie eben sind. „Wir sind nicht krank, uns fehlt nur Dopamin“, heißt deswegen das Motto. Dopamin ist der Botenstoff, der im Körper von an Parkinson Erkrankten nicht ausreichend vorhanden ist.

Heinrich Kalb aus Dillich ist ebenfalls an Parkinson erkrankt und besucht den Stammtisch mit seiner Frau Monika. „Es tut einfach gut, von anderen Betroffenen zu hören, wie es bei ihnen ist.“ Da Parkinson noch immer als vergleichsweise unerforscht gelte, nehme Kalb an einer Studie in Marburg teil. In einer Forschungsgruppe ist auch Otto Mechelke aus Lendorf, diese ist in Kassel.

Dankbar sind Kistner und ihre Stammtischkollegen vor allem der Familie Koshorst, die ihnen einmal im Monat den Platz in ihrem Restaurant zur Verfügung stellt. „Wir sind immer offen für Stammtische“, sagt Anja Koshorst. Es sei wichtig, über das, was beschäftigt, sprechen zu können.

Kontakt: Wer ebenfalls Teil des Stammtisches sein möchte, egal, ob Betroffener oder Angehöriger, kann sich bei Heike Kistner unter Tel. 0 56 83 / 85 98 melden. (Daria Neu )

Bieten dem Stammtisch ihr Restaurant an: von links Jacqueline, Anja und Thorsten Koshorst vom „Zur Post“ in Hebel.

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