Geflügelhalter aus Zennern will etwas unternehmen

Mit Zweinutzungshuhn gegen das Kükenschreddern: Auf der Suche nach Alternativen

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Morgens im November, 9.30 Uhr: Die Klappe am Boden des mobilen Hühnerstalls (hinten) öffnet sich automatisch, die Hühner strömen ins Freie auf die Wiese. Die 230 Hennen erhalten nur Bio-Futter und legen 190 bis 200 Eier pro Tag.

Zennern. Mit der Haltung einer besonderer Hühnerrasse, die ebenso gut Eier legt wie als Fleischlieferant taugt, will die Bio-Landwirtsfamilie Döring etwas gegen das Kükenschreddern tun.

Sie sorgten für viele Diskussionen und Empörung: Die Nachrichten über Millionen männlicher Küken, die grausam vergast und geschreddert werden, weil sie keinen wirtschaftlichen Nutzen haben. Ihre „Schwestern“ legen als Hochleistungshennen jede Menge Eier, aber die „Brüder“ setzen nicht ausreichend Fleisch an, um zur Mast geeignet zu sein. Also werden 50 Prozent der ausgebrüteten Küken sofort vernichtet.

„Das kann doch nicht richtig sein“, so die Meinung der Familie Döring, die in Wabern-Zennern Bio-Landwirtschaft betreibt. Bei der Suche nach Alternativen stieß Junglandwirt Till Döring auf das sogenannte Zweinutzungshuhn: Hennen solcher Rassen sind gut in ihrer Legeleistung, gleichzeitig erreichen die Hähne in akzeptabler Zeit ein Mastgewicht von drei Kilo.

Inzwischen scharrt in Zennern die zweite Herde von weißen Hennen der Rasse Les Bleues („Die Blauen“) auf der Wiese rund um den mobilen Stall. Drei Gockel stolzieren zwischen den Hühnern umher, und wer nicht aufpasst, dem flattert eines der zutraulichen Tiere auf die Schulter.

Auffälliges Merkmal der Rasse, die aus dem berühmten französischen Bresse-Huhn gezüchtet wurde, sind die bläulich gefärbten Beine. Die Hennen, die etwas größer sind als die üblichen Hühner, legen um die 240 Eier im Jahr.

Auf den Hof in Zennern kommen die Hühner aus spezialisierten Zuchtbetrieben als Junghennen im Alter von wenigen Wochen. Nach etwa 12 bis 14 Monaten, in denen sie Eier legen, werden sie in eine Bio-Schlachtanlage in Alheim-Niedergude gebracht und anschließend als Suppenhühner angeboten. „Sie haben dann auch ein ordentliches Gewicht von etwa zweieinhalb Kilo“, sagt Götz Döring – nicht mit den üblichen mageren Hühnern zu vergleichen.

Die Dörings legen Wert darauf, dass die Hühner das Prädikat „Bioland“ besitzen, genauso wie die Eier, die im eigenen und anderen Hofläden, aber auch in Biomärkten angeboten werden. Neben dem mobilen Stall am Ortseingang von Zennern steht zudem der einzige Bio-Eier-Automat der Region. Dort kann man jederzeit frische Eier und andere Spezialitäten kaufen.

Teurere Haltung

Dass die Eier 45 Cent das Stück kosten, liegt laut Till Döring zum einen an der geringeren Zahl der Eier, die das Zweinutzungshuhn legt, zum anderen an der aufwendigen Haltung und dem Bio-Futter, das teils auch aus dem eigenen Betrieb kommt. „Das kostet einfach mehr.“

Was aus den „großen Brüdern“ der Hennen wird, kann man in Dörings Hofladen ebenfalls sehen und erwerben: Dort stehen Gockel-Wurst und Gockel-Ragout im Glas, die aus dem Hähnchenfleisch entstehen. Diese Hähnchen durften immerhin 17 Wochen leben, bis sie drei Kilo Lebendgewicht erreichten.

Hintergrund: Ziel ist das Öko-Huhn

Gemeinsam das Öko-Huhn von morgen züchten: So lautet das Ziel der Ökologische Tierzucht (ÖTZ) gGmbH, der auch der Betrieb von Till und Götz Döring angehört. Industrielle Zuchtstrukturen, die Landwirte gerade bei der Geflügelhaltung in Abhängigkeit halten, sollen durchbrochen, dem Tierwohl mehr Geltung verschafft werden, heißt es auf der Homepage. Die ÖTZ wurde 2015 von Bioland und Demeter gegründet.

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