Zwischen Krise und Lebenslust

Für ein Lächeln in der Krise: Mit dem Musikrad durch Wabern

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Ein Fahrrad und ein Gepäckkorb mit einem batteriebetriebenen Verstärker, aus dem laute Musik ertönt: „Don’t Worry, Be Happy“ des amerikanischen Jazzsängers Bobby McFerrin.

So macht sich Ewa Parna auf eine ungewöhnliche Fahrradtour durch Wabern. Es handelt sich dabei um eine Aktion der Künstlergruppe „Q“ aus Wabern, die schon öfter Kunst und Kultur im öffentlichen Raum organisierte. Das Musik-Fahrrad ist eine Aktion, die jetzt täglich stattfinden soll. „Damit versuchen wir, den öffentlichen Raum unter den gegebenen Umständen für einen kurzen Moment zu reanimieren“, so Parna, die von ihrem Partner Andreas Köthe begleitet wird.  (may)

Musikrad: Don't Worry, Be Happy

Was war denn nur am Montag in Wabern los? Da radelte eine junge Frau durch die verwaisten Straßen und Gassen des Ortes, im Gepäckkorb einen batteriebetriebenen Verstärker und es ertönte laute Musik.

„Don't Worry, Be Happy“ des amerikanischen Jazzsängers Bobby McFerrin konnte man in Dauerschleife vernehmen und die wenigen Passanten, die sich zum Einkauf oder zum Spaziergang außer Haus begeben hatten, beobachteten leicht irritiert dieses Szenario. Fenster wurden geöffnet, der Radlerin wurde zugewunken, Jugendliche streckten ihr den erhobenen Daumen entgegen und fotografierten.

Musikrad: Aktion der Künstlergruppe "Q"

Es handelte sich dabei um eine Aktion der Künstlergruppe „Q“ aus Wabern, die schon des Öfteren Kunst und Kultur im öffentlichen Raum organisierte. So veranstaltete man eine Tanzperformance im Kassenraum des ortsansässigen Edeka-Marktes, drehte mit „Helden“ ein Toleranzvideo mit über 200 Teilnehmern aus der Region und bekam für das Flüchtlingsprojekt „Peacebooting“, bei dem Einheimische und Migranten gemeinsam mit ihren Schuhen ein großes Friedenszeichen gestalteten, viel Beachtung. Als Organisatoren der bei der Waberner Kulturwoche stattfindenden Ideenmesse geben sie schon seit Jahren lokalen Künstlern, kreativen Schulprojekten und Musikern eine Plattform, auf der sie sich präsentieren können. „Mit unserer Fahrrad-Aktion Kunst im Korridor versuchen wir, den öffentlichen Raum unter den gegebenen Umständen für einen kurzen Moment zu reanimieren.“

Ewa Parna, Sprecherin des Künstlerkollektivs, betont, dass sie die Probleme und das Leiden, das die Coronakrise provoziert, in ihrer Ernsthaftigkeit wahrnimmt – und sich als selbst davon Betroffene wünscht, dass man danach nicht einfach wieder zum einstigen Status quo zurückkehrt. „Kulturschaffende und Künstler spiegeln Realität und bieten Visionen, die Lebensqualität nicht ausschließlich über wirtschaftlichen Wohlstand definieren.“ Jetzt heiße es, die komplizierte Situation emotional zu bewältigen.

Gesunde Balance zwischen Krise und Lebenslust

Tanz und Musik sind und waren schon immer befreiende Faktoren. Wenn in Deutschland auch nicht mit der Selbstverständlichkeit und Spontanität Kultur gelebt wird, wie man es gerade in Italien und Spanien wahrnimmt, so kann man doch auch hier mit Musik trotz heftiger Zeiten Lebenslust ausdrücken. So sorgt man vielleicht mit kleinen Impulsen für eine gesunde Balance zwischen Krise und Lebenslust

von ANDREAS KÖTHE

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