Zum ersten Mal

Neue Stolpersteine in Wabern und Waltersbrück: Immer mehr Orte der Erinnerung

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Vier der Stolpersteine liegen nun in Wabern: Künstler Gunter Demnig arbeitete die Steine mit den Namen der vertriebenen und ermordeten jüdischen Waberner in den Alltag ein.

Wabern/Waltersbrück. Zum ersten Mal wurden in Wabern und Neuental-Waltersbrück Stolpersteine verlegt, die an frühere jüdische Mitbürger erinnern sollen. Sie wurden Opfer der Nazis.

„Legen wir nun kleine Steine und Blumen nieder“: So heißt es nach altem, jüdischem Ritual an Erinnerungsorten. In der Waberner Bahnhofstraße gibt es jetzt zwei dieser Erinnerungsorte dank der Stolpersteine.

Die einst hier lebenden, jüdischen Nachbarn wurden vertrieben, nur Einzelne konnten fliehen und sich verstecken. Die anderen fanden ein grausames Ende in den Vernichtungslagern.

Die Gemeinde Wabern knüpfte Kontakt zum Künstler Gunter Demnig, der 1992 die Idee gehabt hatte, den ungezählten Ermordeten wieder eine Identität außerhalb unfassbarer Statistiken zu geben. Er begann, Stolpersteine anzufertigen: kleine Kunstwerke mit den Daten der einst zwischen uns Lebenden. Gehen wir unserer Wege, so erinnern die Namen auf den neu verlegten Steinen an die Opfer der Nationalsozialisten.

Demnig nahm an, die Nachfrage würde im Laufe der Zeit abnehmen – doch sie steigt. In Deutschland wurden 65.000 Steine in über 1200 Orten verlegt, dazu in 21 weiteren Ländern. Demnächst geht es nach Spanien, dann nach Dänemark und Finnland. Der Berliner Kunstschmied Michael Friedrichs-Friedlaender hilft seit vielen Jahren. Über 20 Steine stellt er täglich her. Vom Kleinkind bis zum Greis – hinter jedem Namen ein kaum erträgliches Schicksal.

Erinnerungsarbeit in Waltersbrück: Beim Verlegen der Steine schauten zu (von links) Bürgermeister Dr. Philipp Rottwilm, Thomas Schattner, Initiator Rainer Scherb, Zeitzeugin Therese Olbrich, Richard Faust (mit Foto vom Haus) und Pfarrer Pflüger.

Gunter Demnig arbeitet weiter. Die überwältigende Dankbarkeit der Überlebenden gibt ihm die Kraft. Während kurze Gedenkreden gehalten werden, kniet er auf dem Boden und arbeitet. Deborah Tal-Rüttger von der jüdischen Gemeinde Gudensberg spricht das Kaddisch. Thomas Kirchhofs spielt auf der Klarinette Klezmer-Musik.

Licht in absichtliche Dunkel

Noch am selben Vormittag fuhr Gunter Demnig nach Neuental-Waltersbrück weiter. Auch dort wurden Stolpersteine verlegt. Der schnelle Termin ergab sich durch den Kontakt mit Wabern. Deshalb war auch Thomas Schattner aus Wabern dort. Der Geschichtslehrer an der Homberger THS bringt seit vielen Jahren Licht ins absichtliche Dunkel. 

Das Haus der Familie Moses/Seligmann ist längst abgerissen. Doch es gibt ein Foto vom Haus, das Richard Faust mitbrachte. Er war zusammen mit Rainer Scherb Initiator der Stolperstein-Verlegung. Eine Besonderheit sind die Erinnerungen der beiden Zeitzeugen Therese Olbrich und Michael Martin. Ihre Angehörigen halfen einst den jüdischen Menschen. In der Nacht vor dem Abtransport nach Theresienstadt saßen sie voller Angst zusammen und Tochter Betty fragte: „Warum bin ich dunkelhaarig und nicht blond?“ 

Neuentals Bürgermeister Dr. Philipp Rottwilm berichtete, dass die Gemeinde demnächst am Bahnhof Zimmersrode eine Gedenktafel anbringen wolle. Der evangelische Pfarrer Reinhard Pflüger ging in seiner kurzen Ansprache auch auf die Situation im Nahen Osten ein. Dann stimmte er das weltweit bekannte, jüdische Friedenslied an: Hevenu Shalom Alechem.

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