Mundart

Pfarrer beendet HNA-Mundart-Kolumne: Jedz schiggeds emme au

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Auch online als Podcast: Das Friddoochs-Gemähre las Dieter Otto auch vor, es war weltweit übers Internet zu hören.

Uttershausen. Pfarrer Dieter Otto aus Uttershausen beendet seine beliebte Mundart-Kolumne „Friddoochs-Gemähre“, die 20 Jahre lang jeden Freitag in der HNA veröffentlicht wurde.

Auch mit 73 Jahren ist Dieter Otto noch regelmäßig mit seinem Fahrrad unterwegs, rund um seinen Wohnort Uttershausen und bis nach Wabern. Eine Radtour, die er 1998 von Metze nach Besse zu einem Pfarrerskollegen unternahm, war es auch, die dazu führte, dass 20 Jahre lang in der HNA das „Friddoochs-Gemähre“ stand. Doch jetzt ist damit Schluss: „Es schigged“, meinte er. Der Druck, jede Woche wieder was zu schreiben, der sei ihm zu groß geworden.

Wie kam es damals eigentlich zu der Mundartkolumne? Sie wurde quasi dank des Mülls im Straßengraben ins Leben gerufen. „Ich habe mich bei der Fahrt über den vielen Dreck geärgert und einen Leserbrief geschrieben“, erinnert sich Otto. Er habe das auf Pladde, also in Mundart getan, um vielleicht etwas mehr Aufmerksamkeit zu erregen. Er hatte recht: Viele lasen den Brief, und in Kooperation mit der Fritzlarer Redaktion war die Kolumne geboren, die immer freitags erschien und deshalb „Friddoochs-Gemähre“ hieß, in bester nordhessischer Tradition.

Im Ruhestand seit zehn Jahren: Otto genießt ihn mit seiner Frau in seinem Haus mit Garten in Wabern-Uttershausen.

Niemand habe damit gerechnet, dass er so lange Zeit „mähren“ würde, sagt Otto, der seit zehn Jahren im Ruhestand ist, als Pfarrer jedenfalls. Aber sein Fundus an Geschichten, Anekdoten und Ereignissen, die er auf seine unnachahmliche Weise ins Wabernsche Pladde übersetzte, ist nahezu unerschöpflich. Und seine Fans wollten immer mehr hören und lesen.

Im vergangenen Vierteljahrhundert kommentierte er nicht nur aktuelle und allgemeine Themen in der Zeitungskolumne: Er veröffentlichte seit 1992 auch mehr als 20 Bücher im Gudensberger Wartberg-Verlag. Insgesamt wurden nach Verlagsauskunft rund 120.000 Bücher verkauft. Das erfolgreichste war „Sifft hä dann?“ mit 15.000 Exemplaren in mehreren Auflagen aus dem Jahr 1992.

Sie waren über mehrere Jahre ein echter Schlager: Die Veranstaltungen in der Fritzlarer Stadthalle mit Pfarrer Otto und Künstlern vom Scala-Varieté.

Geld verdient hat Otto mit seinen Büchern, CDs und anderen Aktivitäten durchaus – aber er hat nichts für sich behalten. Profitiert haben vor allem die „Aktion Advent“ der HNA und „Brot für die Welt“ der Kirche, sie erhielten hohe Summen als Spende für ihre Arbeit. Was war ihm wichtig an seinem Gemähre? „Ich wollte, dass die Leute lachen, sich amüsieren“, sagt er. Viele hätten sich die Kolumne auch vorgelesen, Pladde wird ja eigentlich gesprochen, nicht geschrieben.

Apropos Mundart: Sie zu erhalten, hatte sich Otto vorgenommen. Aber er ist skeptisch: „Die Jungen kennen sie nicht mehr.“

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