Protest

Putenaufzucht geplant: Anwohner wollen Stall verhindern

Essen fassen: Solche Putenküken sollen im Stall von Schweinebradens in Niedermöllrich aufgezogen werden. Dagegen gibt es Bedenken. Foto: Archiv

Niedermöllrich. Eine geplante Putenaufzucht für 3400 Tiere sorgt in Wabern-Niedermöllrich für Ärger.

Mit Unterschriften und Beschwerdebriefen wollen Anwohner den Betrieb verhindern. Sie sorgen sich um die Lebensqualität und fürchten einen Wertverlust ihrer Immobilien.

Der Bio-Betrieb der Cousins Janik und Henning Schweinebraden soll am Fasanenweg entstehen. Seit mehr als zehn Jahren steht dort ein 400 Quadratmeter großer Stall der Familie leer. Dieser soll für die Aufzucht von Bioputenküken umgebaut werden. Ein entsprechender Bauantrag liegt dem Landkreis vor.

Die Anwohner haben sich bei einer Besichtigung ein Bild vom Stall gemacht. Überzeugt hat sie das nicht. Sie haben weiter Bedenken wegen der Gerüche und dem Lärm. 

Landwirt Henning Schweinebraden kann verstehen, dass die Anwohner sich sorgen. „Veränderungen sind immer schwierig“, sagt der 25-Jährige. Die Ängste seien jedoch unbegründet. „Die Tiere sind keine Krachmacher“, so Schweindebraden. Umgerechnet in Großvieh, würden die 3400 Küken so viele Emissionen ausstoßen wie sieben Kühe. Die Tiere würden zudem auf Hobelspänen gehalten. „Da riecht eine Pferdebox mehr.“ Die Cousins planen drei Aufzuchtzyklen im Jahr. So sei der Stall auch nur ein Drittel des Jahres belegt. Wie groß die Geruchsbelastung tatsächlich ist, soll ein Gutachten noch im Dezember klären.

Der Landkreis hat die Gemeinde Wabern indes um eine Stellungnahme gebeten. Wabern will das Gutachten abwarten. „Es müssen alle Fakten auf dem Tisch liegen“, betonte Bürgermeister Claus Steinmetz, der auch den Ortsbeirat Niedermöllrich zu dem Thema hören will. Eines stellte Steinmetz klar: Der Bauantrag kann nicht abgelehnt werden, weil man die Nutzung nicht wolle. Es müssten belastbare Gründe vorliegen. 

Hintergrund: So soll die Putenzucht laufen

Die Cousins Henning und Janik Schweindebraden haben die „Chattengau Bioputen“ gegründet. Sie möchten die Tiere nach biologischen Standards aufziehen. Die Puten kommen als Tagesküken nach Niedermöllrich und bleiben zwischen vier und sechs Wochen im Aufzuchtstall. Sie erhalten nach Angaben von Henning Schweinebraden biologisches Futter und keine Medikamente. Das Futter soll auf dem Acker nebenan angebaut werden.

Die Tagesküken sind etwa 55 Gramm schwer und verlassen Niedermöllrich, wenn sie ein Kilo wiegen. Die Mast erfolgt in Schweinebradens Stall in Besse. Drei solcher Aufzuchtzyklen sind pro Jahr geplant.

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