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Hobby Feuerwehr: TV-Reportage über junge Frau mit nur einer Hand aus Wabern

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Von: Christina Zapf

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Sophie Corpataux ist seit ihrem sechsten Lebensjahr bei der Freiwilligen Feuerwehr Unshausen. Ihr Hobby meistert sie, wie ihren Alltag, auch ohne linke Hand.
Sophie Corpataux ist seit ihrem sechsten Lebensjahr bei der Freiwilligen Feuerwehr Unshausen. Ihr Hobby meistert sie, wie ihren Alltag, auch ohne linke Hand. © Christina Zapf

Sophie Corpataux hat nur eine Hand und ist trotzdem bei der Freiwilligen Feuerwehr in Unshausen. Nun stellt sie ihr Hobby in der Reportage-Reihe „Carl Josef trifft ...“ vor. 

Unshausen – Sophie Corpataux ist bei der Freiwilligen Feuerwehr in Unshausen. Das ist auf den ersten Blick kein ungewöhnliches Hobby für eine 16-Jährige. Allerdings fehlt Sophie Corpataux die linke Hand. Der Grund: Dysmelie – die angeborene Fehlbildung von Extremitäten wie Händen, Armen und Beinen.

Im vergangenen Jahr hat sich Sophie Corpataux erfolgreich für die Reportage-Reihe „Carl Josef trifft …“ beworben. Zusammen mit dem jungen Komiker und Moderator Carl-Josef traf sie den 13-jährigen Jacob, einen Jungen aus der niedersächsischen Gemeinde Edemissen, der wie sie bei der Freiwilligen Feuerwehr ist.

Reportage-Reihe „Carl Josef trifft ...“: Sophie Corpataux stellt ihr Hobby vor

Gemeinsam stellen sie im Film ihr Hobby vor. Besonders freuten sich beide über einen spannenden Drehtag bei der Berufsfeuerwehr auf dem Flughafen Hannover – eine Überraschung des Film-Teams. Unter anderem durften die Jugendlichen im Panther (Großflughafenlöschfahrzeug) mitfahren und einen Innenangriff – Bekämpfung von einem Brand in einem Gebäude, in diesem Fall in einem Flugzeug – proben.

„Es war schon komisch, vor der Kamera zu stehen“, sagt Sophie Corpataux, die als Sechsjährige bei den Löschzwergen in Unshausen anfing. Aber dank der Ratschläge des Filmteams habe alles gut geklappt. Zu ihrem Hobby ist sie über ihren Vater gekommen, der ebenfalls bei der Feuerwehr ist.

Sophie Corpataux’ Zeit in der Jugendfeuerwehr Unshausen neigt sich dem Ende zu. Sie kann es kaum erwarten, mit 17 Jahren in die Einsatzabteilung zu wechseln. Ihren Traum, eines Tages zur Berufsfeuerwehr zu gehen, könne sie aber wegen ihrer Dysmelie nicht leben, da dafür laut einer Richtlinie alle Gliedmaßen vorhanden sein müssten. Eine Ausnahme gebe es nicht. Dennoch wolle sie versuchen, über andere Wege auch beruflich im Bereich Feuerwehr zu arbeiten.

Junge Frau mit nur einer Hand engagiert sich bei Freiwilliger Feuerwehr in Unshausen

„Die Kameradschaft ist toll“, sagt Sophie Corpataux. Der Zusammenhalt bei der Feuerwehr Unshausen sei groß, schließlich gelte es darauf hinzuarbeiten, in schwierigen Situationen Hand in Hand zu arbeiten. Jeder werde so akzeptiert, wie er ist. „Wir haben noch nie etwas gemacht, was ich nicht kann“, sagt die 16-Jährige, die auch gerne backt und Romane liest. „Es ist alles machbar, wenn man daran glaubt, dass man es schafft“, so ihre Einstellung.

Sie hat auch eine Hand-Prothese, diese sei für die Aufgaben bei der Feuerwehr jedoch zu sensibel. „Und sie darf auch nicht nass werden.“ Sophie Corpataux besucht die elfte Klasse der Bundespräsident-Theodor-Heuss-Schule (THS) in Homberg. „Im Sportunterricht mache ich das, was ich kann.“ Ansonsten, so ihre Erfahrung, sei es am besten, mit der fehlenden Hand offen umzugehen. Natürlich würden viele Menschen erst mal schauen, das sei jedoch in Ordnung, solange es kein unangenehmes Starren sei. Wenn jemand neugierig sei, solle er sie am besten offen ansprechen.

Sophie Corpataux macht, wie viele Jugendliche in ihrem Alter, gerade den Führerschein. Ihre Theorieprüfung hat sie bereits bestanden. Das Ziel: begleitetes Fahren ab 17 Jahren. Doch eine Fahrschule zu finden, bei der sie für die praktische Prüfung üben kann, sei schwierig gewesen. Denn die 16-Jährige braucht ein Automatik-Auto mit einem speziellen Knauf, über den sie Blinker und Licht bedienen kann, ohne das Lenkrad loslassen zu müssen.

Sophie Corpataux muss auch im Alltag immer wieder Hindernisse überwinden

Fündig wurde sie schließlich in Bad Wildungen. Dorthin kann sie ab dem Bahnhof in Wabern mit dem Zug fahren. „Ich hoffe, dass es in den Sommerferien so weit ist“, sagt sie über den Zeitpunkt ihrer praktischen Fahrprüfung. Fahren wird Sophie Corpataux danach erst mal mit dem Auto ihres Opas.

Dieses muss vorher noch mit dem notwendigen Knauf ausgestattet werden. Die Kosten: 3100 Euro. Ein ganz schöner Haufen Geld, findet sie. Weder von der Krankenkasse noch von anderer Stelle gebe es finanzielle Unterstützung. Deshalb lautet auch ihr Wunsch am Ende des Films: „Ich wünsche mir, dass die Inklusion weiter voranschreitet und einfach, dass alles besser wird für Menschen mit Behinderung.“ (Christina Zapf)

TV-Termin: Die Folge von „Carl Josef trifft…“ mit Sophie Corpataux wird am Samstag, 18. Juni, auf Kika zusammen mit einem weiteren Teil der Serie ausgestrahlt. Folge 9 von „Carl Josef trifft…“ beginnt um 15.05 Uhr, Folge 10 (mit Sophie Corpataux) um 15.20 Uhr.

Instagram-Account von Sophie Corpataux: onehandfirefighting

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